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FAQ – Gefahrtarif und Veranlagung

Alle sechs Jahre geben die Berufsgenossenschaften ihren Beitragssystemen eine neue Berechnungsgrundlage – den Gefahrtarif. So schreibt es das Sozialgesetzbuch vor. Wissenswertes rund um den Gefahrtarif und die Veranlagung haben wir in Form von häufig gestellten Fragen – FAQ – für Sie zusammengestellt.

Allgemeine Fragen

Die gesetzliche Unfallversicherung erwirtschaftet keine Gewinne. Die Gesamtkosten, die der BGW für ihre Leistungen – also für Prävention, Rehabilitation und Renten – entstehen, werden auf die versicherten Unternehmen umgelegt. Doch nicht überall sind die Arbeitsbedingungen und damit die Unfall- und Erkrankungsrisiken gleich. Dies wird bei der Beitragsberechnung mit dem "Gefahrtarif" berücksichtigt. Er besteht aus zwei Elementen: Zum einen der Gefahrtarifstelle, die Gewerbezweige mit ähnlichem Risiko zusammenfasst. Zum anderen der Gefahrklasse, die das jeweilige Risiko innerhalb dieser Gefahrtarifstelle beziffert. Sie fließt dann in die individuelle Berechnung der Beiträge ein. So können die Ausgaben der BGW solidarisch (innerhalb der Gefahrtarifstellen) und gerecht (über die jeweilige Gefahrklasse) verteilt werden.

Der Gefahrtarif wird von der Vertreterversammlung der BGW beschlossen und vom Bundesversicherungsamt genehmigt.

Das Sozialgesetzbuch schreibt den Berufsgenossenschaften vor, ihren Gefahrtarif spätestens alle sechs Jahre zu überprüfen. Dann muss er neu berechnet und beschlossen werden. Hierdurch wird sichergestellt, dass die im geltenden Gefahrtarif genannten Gefahrklassen immer dem aktuellen Risiko in den einzelnen Tarifstellen entsprechen.

Letztlich handelt es sich um eine "Gefahrengemeinschaft": In den Gefahrtarifstellen werden Gewerbezweige oder Branchen mit ähnlichem Unfall- und Erkrankungsrisiko zusammengefasst. Der 5. Gefahrtarif der BGW umfasst 17 Gefahrtarifstellen, wobei die 8. und 13. Gefahrtarifstelle zurzeit nicht besetzt sind. Für einen tragfähigen Gefahrtarif ist es wichtig, dass die in einer Gefahrtarifstelle zusammengefassten Gewerbezweige ausreichend homogen sind und die Zahl der Unternehmen groß genug ist, um das Risiko verlässlich zu berechnen. Deshalb wird der Gefahrtarif alle sechs Jahre überprüft und auf eine neue Grundlage gestellt.

Im Gefahrtarif wird jeder Gefahrtarifstelle wird eine Gefahrklasse zugeordnet. Sie spiegelt das spezifische Risiko wider, im jeweiligen Tätigkeitsbereich einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit zu erleiden: je höher das Risiko, desto höher die Gefahrklasse. Bei der Beitragsberechnung ist die Gefahrklasse ein wichtiger Faktor.

Der BGW-Gefahrtarif ist ein Gewerbezweigtarif. Die Veranlagung erfolgt nach Art und Gegenstand des Unternehmens. Einzelne Tätigkeiten finden keine Berücksichtigung.

Die Gefahrtarifstellen fassen Unternehmen mit gleichartigen oder ähnlichen Risiken zsammen - es kommt also nicht auf die Tätigkeit, sondern auf das rechnerische Risiko an. Dabei dürfen die Gefahrtarifstellen nicht zu klein sein, damit ein Risikoausgleich sichergestellt ist und sich die Werte zuverlässig berechnen lassen.

Keine Berufsgenossenschaft kann die Gefahrklassen willkürlich ändern. Grundlage für die Berechnung der Gefahrklassen sind die im Beobachtungszeitraum (jeweils sechs Jahre) gesammelten Daten. Für jede Tarifstelle werden die Leistungsausgaben und die Gesamtentgelte der Versicherten (inklusive der Versicherungssummen der versicherten Unternehmerinnen und Unternehmer) ermittelt und einander gegenübergestellt. Die sich daraus ergebenden Belastungsverhältnisse finden sich in den Gefahrklassen wieder.

Beitragsformel

Der Beitrag errechnet sich als Produkt der Entgelte der Beschäftigten (bzw. der Versicherungssumme), der Gefahrklasse und des Beitragsfußes, geteilt durch 1.000.

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Ausgangspunkt ist jeweils der Finanzbedarf für das abgelaufene Kalenderjahr. Denn ein Jahr lang finanziert die Berufsgenossenschaft die Kosten für die Versicherungsleistungen und die Unfallverhütung vor. Diese Kosten werden dann auf die versicherten Unternehmen umgelegt. Gewinne werden im System der gesetzlichen Unfallversicherung nicht erzielt.

Nachdem der Finanzbedarf ermittelt ist, sind drei Faktoren für die Verteilung auf die beitragspflichtigen Unternehmen ausschlaggebend:

  • die Entgelte, das heißt die Löhne und Gehälter der Beschäftigten - sie sind der BGW jährlich mit dem digitalen Lohnnachweis zu melden; bei persönlichen Versicherungen zählt hier die Versicherungssumme
  • der Beitragsfuß, den die BGW anhand ihrer Ausgaben berechnet (Finanzbedarf)
  • die Gefahrklasse, die für den individuellen Gewerbezweig/die Gefahrtarifstelle gilt

Während die ersten beiden Faktoren jährlich variieren können, ist die Gefahrklasse mit dem Gefahrtarif jeweils für sechs Jahre festgelegt.

In den Meldedaten zur Sozialversicherung sind die jeweils gültigen Gefahrtarifstellen hinterlegt. Basis für den digitalen Lohnnachweis ist der jährliche Stammdatenabruf: Dabei werden für das abgerufene Geschäftsjahr die für diesen Zeitraum geltenden Daten zur Veranlagung des Unternehmens an das Entgeltabrechnungsprogramm übertragen.

Unternehmen müssen dann überprüfen, ob es in ihrem Fall Änderungen in der Zuordnung zum Gefahrtarif gab, und sicherstellen, dass die Personalstammdaten für jede beschäftigte Person die richtige Gefahrtarifstelle (Strukturschlüssel) beinhalten. Ist dies der Fall, kann der digitale Lohnnachweis korrekt durch das Entgeltabrechnungsprogramm erstellt werden. Das gilt auch im Hinblick auf die UV-Jahresmeldung, die unabhängig vom digitalen Lohnnachweis an die Einzugsstellen für den Gesamtversicherungsbeitrag (DEÜV-Verfahren) geht.

Achtung: Soweit eine Abrechnungsstelle oder Steuerberatung mit der Lohnmeldung beauftragt ist, sind der Stammdatenabruf und dessen Überprüfung von dort zu veranlassen.

Sonderfall: Lohnnachweis bei Tätigkeit in mehreren Betriebsteilen

In größeren Unternehmen kann es vorkommen, dass Beschäftigte nicht nur in einem Betriebsteil, sondern dauerhaft in verschiedenen Betriebsteilen tätig sind. Der 5. Gefahrtarif der BGW regelt nun, wie mit den Entgelten dieser Beschäftigten umzugehen ist. Entscheidend ist, ob die Betriebsteile unterschiedlichen Gefahrtarifstellen zugeordnet sind – das lässt sich dem Veranlagungsbescheid entnehmen. Dann ist beim jährlichen Lohnnachweis Folgendes zu beachten:

  • Die gesamte Lohnsumme dieser Beschäftigten ist für das jeweilige Jahr in dem Betriebsteil zu verbuchen, in dem der zeitliche Schwerpunkt der Tätigkeit lag.
  • Lässt sich nicht eindeutig bestimmen, wo jemand die meiste Zeit tätig war, muss der Betriebsteil mit der höchsten Gefahrklasse herangezogen werden. Dort ist das gesamte Arbeitsentgelt zu verbuchen.

Fragen zum neuen Gefahrtarif

Der 5. Gefahrtarif gilt vom 01.01.2019 bis einschließlich 31.12.2024. Er löst den 4. Gefahrtarif ab.

Bei fast allen Gefahrtarifstellen haben sich geringfügige Anpassungen in den Gefahrklassen ergeben – das spiegelt die Entwicklung der jeweiligen Gewerbezweige und der dortigen Belastungen wider. Geringere Gefahrklassen werden sich vor allem im Bereich der ärztlichen Praxen, des Friseurhandwerks, der Verwaltung sowie der beruflichen Bildung bemerkbar machen. Von Steigerungen betroffen sind Tageseinrichtungen für Kinder, Heime und Wohneinrichtungen sowie Werkstätten für Menschen mit Behinderungen. Alle Gefahrtarifstellen und Gefahrklassen können in der Übersicht zum 5. Gefahrtarif eingesehen werden (zum Vergleich: 4. Gefahrtarif, gültig bis 31.12.2018).

Eine auffällige Änderung betrifft die bisherigen Gefahrtarifstellen 6, 7 und 8: Sie wurden jetzt in zwei Gefahrtarifstellen (6 und 7) zusammengefasst: Praxen der Physiotherapie, Kosmetikbetriebe, Solarien und Tätowierstudios sowie Unternehmen aus dem Bereich Massage und medizinische Bäder sind neu in der Tarifstelle 7 zusammengeführt. Durch die Umstrukturierung erhöht sich für die Bereiche Physiotherapie, Kosmetik, Solarien und Tätowierstudios die Gefahrklasse von 3,74 auf 4,38; für Massageunternehmen verringert sich dagegen die Gefahrklasse von 6,5 auf 4,38 deutlich. Auch die in der Gefahrtarifstelle 6 verbliebenen Einrichtungen – zum Beispiel Hebammen und Entbindungspfleger, Logopädiepraxen oder Frühförderzentren – kommen mit 2,41 auf eine deutlich niedrigere Gefahrklasse (zuvor 3,74).

Überprüfen Sie die Veranlagung Ihres Unternehmens mithilfe der dem Veranlagungsbescheid beigefügten Übersicht über den 5. Gefahrtarif.

Falls sich der wirtschaftliche Schwerpunkt ihres Unternehmens ändern wird oder bereits geändert hat, überprüfen Sie bitte, ob die Veranlagung zum Gefahrtarif noch richtig ist. Teilen Sie der BGW bitte umgehend alle wesentlichen Änderungen in Ihrem Unternehmen über unsere Kontaktwege mit.

Wichtig: Je früher wir von Veränderungen erfahren, desto eher können wir die Versicherung an die tatsächlichen Verhältnisse anpassen oder Sie bei Bedarf beraten.

Fragen zur Veranlagung

Der Veranlagungsbescheid gehört zu Ihren Mitgliedsunterlagen. Bitte prüfen Sie, ob die über Ihr Unternehmen/über Ihre selbstständige Tätigkeit gemachten Angaben (Unternehmensgegenstand, Gewerbezweig, Adresse) zutreffen. Andernfalls melden Sie sich bitte bei uns.

Der Veranlagungsbescheid enthält insbesondere die folgenden Angaben:

  1. Gefahrtarifstelle, in die das Unternehmen eingeordnet ist (bei persönlichen Versicherungen: das Unternehmen/der Betriebsteil, in dem die versicherte Person tätig ist)
  2. Strukturschlüssel und Bezeichnung = Daten zur Unternehmensart (Gewerbezweig)
  3. Gefahrklasse: bildet das Unfallrisiko für den Gewerbezweig ab

Das Schreiben enthält darüber hinaus folgende Informationen:

  • Kunden-/Mitgliedsnummer bei der BGW
  • Gültigkeit des Gefahrtarifs
  • Kontaktdaten der BGW
  • Betriebsnummer der BGW

Ihr Unternehmen besteht aus mehreren Betriebsteilen, die zu jeweils eigenen Gefahrklassen veranlagt wurden.

Der 5. Gefahrtarif tritt zum 01.01.2019 in Kraft und endet am 31.12.2024.

Die Veranlagung eines Unternehmens zur Gefahrklasse richtet sich nach seiner Gewerbezweigzugehörigkeit. Für die Zugehörigkeit zu einem Gewerbezweig sind Art und Gegenstand des Unternehmens maßgebend. Die Veranlagung für die Versicherung besonderer Personengruppen (z.B. Unternehmerversicherungen) richtet sich nach der Veranlagung des Betriebsteils, in dem die Person tätig wird. Unternehmen der Arbeitnehmerüberlassung werden, soweit sie in die Zuständigkeit der BGW fallen, zu der Gefahrklasse des Gewerbezweigs veranlagt, dem die überlassenen Beschäftigten überwiegend zuzuordnen sind.

In der Gefahrklasse kommt das Unfall- und Erkrankungsrisiko zum Ausdruck. In einer Gefahrtarifstelle sind Gewerbezweige beziehungsweise Berufsgruppen zusammengefasst, die ein ähnliches Risiko aufweisen und denen somit eine gemeinsame Gefahrklasse zugewiesen wird. Berechnet wird das anhand der Entschädigungsleistungen im Verhältnis zu den Entgelten. Das heißt also, dass für Ihren Gewerbezweig eine höhrere Belastung festgestellt wurde als für andere Bereiche.

Sie haben die Möglichkeit, innerhalb eines Monats schriftlich Widerspruch einzulegen. Die rechtlichen Hintergründe können Sie der Rechtsbehelfsbelehrung in Ihrem Veranlagungsbescheid entnehmen. Bitte begründen Sie Ihren Widerspruch ausführlich.

Derartige Anpassungen an die tatsächlichen Verhältnisse sind problemlos möglich. Teilen Sie uns die Änderungen bitte schriftlich mit.

Gewerbezweig ist als Sammelbegriff zu verstehen und umfasst auch selbstständige beziehungsweise freiberufliche Tätigkeiten.

Die Regelungen hierzu finden sich im 5. Gefahrtarif (Teil II: Sonstige Bestimmungen). Hier etwas verkürzt zusammengefasst:

Umfasst ein Unternehmen mehrere Betriebsteile (Gesamtunternehmen), die verschiedenen Gewerbezweigen zugeordnet werden könnten, so werden die Betriebsteile nach den folgenden Bestimmungen zu gesonderten Gefahrklassen veranlagt: Das Hauptunternehmen bildet den wirtschaftlichen Schwerpunkt und gibt dem Gesamtunternehmen sein eigentliches Gepräge. Sonstige Betriebsteile werden ausschließlich dann zu einer vom Hauptunternehmen abweichenden Gefahrklasse veranlagt, wenn

  • a) sie Nebenunternehmen darstellen (also überwiegend eigene wirtschaftliche Zwecke verfolgen),
  • b) sie von den anderen räumlich getrennt ausgeübt werden,
  • c) sie über einen eigenen Personalstamm verfügen und
  • d) bei ihnen das Arbeitsentgelt getrennt nachgewiesen wird.

Betriebsteile, bei denen eine dieser Voraussetzungen fehlt, werden als Hilfsunternehmen über den Betriebsteil veranlagt, dem sie dienen. Dient ein Hilfsunternehmen mehreren Betriebsteilen des Gesamtunternehmens, wird es über das Hauptunternehmen veranlagt.

Bei Werkstätten für behinderte Menschen stellen die Wohneinrichtungen nur dann Nebenunternehmen dar, wenn dauerhaft mehr als 50% der in den Wohneinrichtungen lebenden Menschen nicht in der Werkstatt für behinderte Menschen tätig werden. Anderenfalls sind sie Hilfsunternehmen zur Werkstatt für behinderte Menschen.

Für fremdartige Nebenunternehmen werden die Gefahrklassen nach den Berechnungsgrundlagen des Unfallversicherungsträgers festgesetzt, dem diese Nebenunternehmen als Hauptunternehmen angehören würden. Für die Errechnung der Gefahrklassen sind die Beitragsberechnungsgrundlagen für das der Beschlussfassung über diesen Tarif vorangegangene Jahr maßgebend. Sie gelten für die gesamte Laufzeit dieses Gefahrtarifs.

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Montag bis Donnerstag von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr.
Am Freitag von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 14.30 Uhr.
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