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FAQ

Häufig gestellte Fragen zum Thema "Umgang mit Gewalt und Aggression".

Gehören Gewalt und Aggression am Arbeitsplatz für Beschäftigte in Gesundheits- und Betreuungsberufen nicht ganz normal zum Arbeitsalltag?

Alle Beschäftigten haben Anspruch auf einen sicheren Arbeitsplatz. Gewalt und Aggression am Arbeitsplatz dürfen nicht einfach toleriert werden. Entscheidend ist, wie im Unternehmen mit dem Thema umgegangen wird. Studien belegen, dass Beschäftigte, die von ihrem Unternehmen gut auf mögliche Gewaltereignisse vorbereitet wurden, sich weniger belastet fühlen. Dies ist auch der Grund dafür, dass Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger häufiger Opfer von Gewalt sind und sich dadurch stärker belastet fühlen als Beschäftigte mit Berufserfahrung. Wenn offen über Gewaltereignisse gesprochen wird, wenn es eine gute Nachbereitung von Vorfällen gibt, haben die Betroffenen und die Kolleginnen beziehungsweise Kollegen die Möglichkeit, sich vorzubereiten und zu lernen. Zusammen mit anderen Maßnahmen der Gewaltprävention kann auf diese Weise Gewalt und Aggression am Arbeitsplatz wirksam vorgebeugt werden.

An wen kann ich mich wenden, wenn auf das Thema Gewalt und Aggression an meinem Arbeitsplatz nicht angemessen reagiert wird? Wenn es von den Verantwortlichen totgeschwiegen wird?

Wenden Sie sich an Ihre betriebliche Interessenvertretung (Betriebs-/Personalrat bzw. Mitarbeitervertretung), Ihren Betriebsarzt oder Ihre Betriebsärztin oder an die Fachkraft für Arbeitssicherheit.

Wenn Sie Fragen dazu haben, an wen Sie sich in Ihrem konkreten Fall wenden können, nehmen Sie gerne Kontakt mit dem regionalen Kundenzentrum der BGW auf.

Wer finanziert Schulungsmaßnahmen für Beschäftigte, zum Beispiel zur deeskalierenden Kommunikation?

Die fachliche Qualifizierung der Beschäftigten ist Aufgabe des Arbeitgebers oder der Arbeitgeberin. In Arbeitsbereichen, in denen aggressives Verhalten von Kundinnen und Kunden oder betreuten Personen vorkommen kann, gehört es zum notwendigen Fachwissen von Beschäftigten, wie sie mit diesen Situationen angemessen umgehen können. Führungskräfte können sich über Seminare der BGW (für Werkstätten und Wohnheime, für die Altenpflege sowie für Kliniken und Einrichtungen für Menschen in besonderen Lebenssituationen) darüber informieren, welche technischen, organisatorischen und personenbezogenen Maßnahmen zur Gewaltprävention sinnvoll sind. Wenn ein Unternehmen eigene Deeskalationstrainerinnen und -trainer einsetzen möchte, unterstützt die BGW das mit einem Zuschuss zu den Ausbildungskosten (siehe: Ausbildung Deeskalationstrainer/-innen).

Was bedeutet Erstbetreuung im Unterschied zu Notfallversorgung und psychotherapeutischer Akutversorgung?

Es geht um sehr unterschiedliche Aspekte der ersten Betreuung beziehungsweise Versorgung von Betroffenen:

Erstbetreuerinnen und Erstbetreuer sind speziell geschulte Kolleginnen und Kollegen, die Betroffenen unmittelbar vor Ort im Betrieb beistehen – sie fungieren als erste Anlaufstelle und lotsen Betroffene durch die ersten Schritte nach einem Vorfall (Was ist jetzt zu tun? Wem muss was gemeldet werden? etc.). Als Laienhelferinnen und -helfer gehen sie dabei nicht auf die emotionale Seite des Geschehens ein.

Weiterhin gibt es psychosoziale Fachkräfte (beispielsweise für Notfallseelsorge, Notfallpsychologie), die ebenfalls unmittelbar am Schadensort zum Einsatz kommen können und eine professionelle Unterstützung geben.

Bei der psychotherapeutische Akutversorgung handelt es sich dagegen um eine zeitnahe professionelle Behandlung zum Beispiel durch niedergelassene psychologische oder ärztliche Psychotherapeutinnen und -therapeuten in deren Praxis, in Psychotraumaambulanzen oder in stationären Einrichtungen.

Dürfen Betroffene, die ihre Tätigkeit direkt nach einem Unfall nicht weiterführen können oder sollen, mit dem eigenen Pkw nach Hause fahren?

Davon sollte dringend abgeraten werden. Sie selbst können ihre eigene körperliche und seelische Verfassung kaum einschätzen. Der Betrieb sollte für diesen Fall vorab klären, inwiefern eine Heimfahrt organisiert wird.

Muss nach einem traumatischen Ereignis auch ohne körperlichen Schaden immer ein Durchgangsarzt oder eine Durchgangsärztin aufgesucht werden?

Grundsätzlich ist dies nach den gesetzlichen Regelungen der Fall, denn auch ohne körperliche Verletzungen handelt es sich um einen Arbeitsunfall, wenn starke psychische Reaktionen auf das Ereignis auftreten (zum Beispiel nach der Bedrohung mit Waffengewalt). In Betrieben, in denen Gewaltereignisse wiederholt vorkommen, können mit der zuständigen Bezirksverwaltung der BGW andere Absprachen getroffen werden. Bitte informieren Sie sich bei Ihren betrieblichen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern.

Kann der Betriebsarzt oder die Betriebsärztin die durchgangsärztlichen Aufgaben übernehmen?

Nein! Betriebsärztinnen und Betriebsärzte dürfen lediglich im Rahmen der Notfallversorgung tätig werden. Über die weitere Behandlung entscheidet der Durchgangsarzt oder die Durchgangsärztin. Es ist jedoch betriebsärztliche Aufgabe, im Rahmen dieser Tätigkeit Mitarbeitende zu untersuchen und zu beraten, um einer Erkrankung oder Verschlimmerung oder einer Gefährdung am Arbeitsplatz vorzubeugen. Auch bei der Wiedereingliederung sollte der Betriebsarzt oder die Betriebsärztin hinzugezogen werden – als Schnittstelle zwischen Sozialversicherungsträger, Betroffenen und Betrieb.

Entwickelt sich nach einem traumatischen Ereignis auf jeden Fall eine psychische Erkrankung?

Ein eindeutiges NEIN. Sehr viele Menschen erleben traumatische Ereignisse, ohne psychisch zu erkranken. Auch bei schweren traumatischen Ereignissen treten bei den meisten Menschen keine längerdauernden gesundheitlichen Folgen auf. Bei einigen Betroffenen entwickeln sich hingegen psychische Symptome, die eine frühzeitige psychotherapeutische Versorgung erfordern. Bei entsprechenden Symptomen (zum Beispiel Schlafstörungen, Angstzustände) sollte frühzeitig professionelle Hilfe hinzugezogen werden.

Ist die Behandlung einer psychischen Symptomatik nach einem traumatischen Ereignis sinnvoll?

Ja. Und zwar eine möglichst zeitnahe Behandlung. Ein unbehandeltes Leiden kann – auch noch nach vielen Jahren – körperliche oder seelische Erkrankungen zur Folge haben.

Ist es egal, welcher Therapeut beziehungsweise welche Therapeutin Beschäftigte nach einem traumatischen Ereignis behandelt?

Nein. Die Behandlung nach einem traumatischen Ereignis übernehmen speziell von den Unfallversicherungsträgern zugelassene ärztliche oder psychologische Psychotherapeutinnen und -therapeuten. Bitte erkundigen Sie sich bei der für Sie zuständigen Bezirksverwaltung nach geeigneten Fachleuten in Ihrer Nähe. Die BGW wird dann mit einem Behandlungsauftrag die Kostenübernahme für die Therapie erklären.

Wird eine entsprechende Therapie von der BGW bezahlt?

Grundsätzlich ja, wenn es sich um die Behandlung von Folgen eines Arbeitsunfalls handelt. Die Kostenübernahme muss aber im Vorfeld abgeklärt sein. Das bedeutet, dass grundsätzlich nach dem Ereignis ein D-Arzt oder eine D-Ärztin aufgesucht werden muss oder eine Kostenübernahme im direkten Kontakt mit der zuständigen Bezirksverwaltung der BGW abgestimmt wird.

Wie kann ich einen Übergriff bei der BGW melden? Wie ist der weitere Ablauf?

Ein Übergriff ist der BGW grundsätzlich vom Arbeitgeber oder der Arbeitgeberin mit einer Unfallanzeige zu melden - auch wenn keine körperliche Verletzung vorliegt. Die von der betrieblichen Interessenvertretung (Betriebs-/Personalrat bzw. Mitarbeitervertretung) mitunterzeichnete Unfallanzeige ist an die regional zuständige Bezirksverwaltung zu senden, ggf. auch per Fax. Wir nehmen dann mit der betroffenen Person oder alternativ mit einer in der Unfallanzeige genannten Vertrauensperson Verbindung auf, idealerweise telefonisch (deswegen ist es gut, immer eine Telefonnummer anzugeben).

Besteht der Bedarf für eine professionelle Unterstützung, nennen wir Ihnen geeignete Psychotherapeutinnen und -therapeuten in Wohnortnähe. Mit einem Behandlungsauftrag an diese ist die Kostenübernahme verbunden, zunächst für fünf sogenannte probatorische Sitzungen, unter Umständen auch darüber hinaus. Der weitere Ablauf ist in jedem Fall zwischen Ihnen und der zuständigen Bezirksverwaltung individuell abzustimmen.

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