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Risiko Nadelstich

Ein Einfallstor für Infektionen am Arbeitsplatz sind Nadelstichverletzungen, eine der häufigsten Verletzungsarten im Gesundheitswesen. Sie lassen sich jedoch mit geeigneten Maßnahmen vermeiden.

Was ist eine Nadelstichverletzung?

Ob durch Nadel, Lanzette, Kanüle, Skalpell oder chirurgische Drähte verursacht: Zu Nadelstichverletzungen zählen jegliche Stich-, Schnitt- und Kratzverletzungen der Haut durch stechende oder schneidende Instrumente, die mit fremdem Blut oder anderweitiger fremder Körperflüssigkeit verunreinigt sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Wunde blutet oder nicht. Neben Personen, die unmittelbar mit stechenden oder schneidenden Instrumenten umgehen, können beispielsweise auch Reinigungskräfte Nadelstichverletzungen erleiden.

Fast 50 Prozent aller gemeldeten Versicherungsfälle im Gesundheitsdienst sind auf Nadelstichverletzungen zurückzuführen. Dabei gab es bislang eine hohe Dunkelziffer. Mittlerweile ist es jedoch verpflichtend, ein innerbetriebliches Meldesystem zu etablieren.

Wie kommt es zu Stich- und Schnittverletzungen?

Häufige Ursachen: Es werden konventionelle Produkte eingesetzt, die sich nach Gebrauch nicht sichern lassen, obwohl Sicherheitsgeräte für diesen Einsatz beschafft werden könnten. Instrumente werden nicht unmittelbar nach Gebrauch entsorgt. Es wird kein geeigneter Abfallbehäter genutzt oder dieser ist überfüllt.

Ein wesentlicher Aspekt beim Schutz vor Nadelstichverletzungen ist auch, dass Kanülen nach Gebrauch nicht in die Schutzkappe zurückgesteckt werden - also dass es kein Recapping gibt. Auch darf der Sicherheitsmechanismus von Geräten nicht durch Manipulation außer Kraft gesetzt werden.

Als Arbeitgeberin oder Arbeitgeber haben Sie den Schutz vor Nadelstichverletzungen sicherzustellen. Maßnahmen sind auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung festzulegen (siehe Maßnahmenbeispiele).

Tipp: Wichtige Ansatzpunkte zeigt die BGW-Broschüre "Risiko Nadelstich" auf. Sie eignet sich als Basis für das systematische Handeln im Betrieb und enthält unter anderem Checklisten zu Sicherheitsgeräten und zu Abfallbehältern sowie Hilfen zur Unterweisung von Beschäftigten.

Was leisten Sicherheitsgeräte?

Wo eine erhöhte Infektionsgefährdung oder Unfallgefahr besteht, müssen zwingend Sicherheitsgeräte eingesetzt werden.

Das ist der Fall:

  • bei der Behandlung und Versorgung von Personen, die nachweislich durch pathogene Erreger infiziert sind
  • bei der Behandlung fremdgefährdender Patientinnen und Patienten
  • im Rettungsdienst
  • in der Notfallaufnahme
  • in Krankenhäusern und Krankenstationen des Justizvollzugs

Sicherheitsgeräte sind auch bei anderen Verrichtungen unverzichtbar, wenn durch mögliche Stichverletzungen eine Infektionsgefahr bestehen kann – insbesondere bei Blutentnahmen, jeglicher Punktion zur Entnahme von Körperflüssigkeiten oder beim Legen von Gefäßzugängen. Bei anderen Tätigkeiten ist das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung maßgebend. Sind für definierte Anwendungen allerdings keine Sicherheitsgeräte auf dem Markt, die den Anforderungen genügen - das kann zum Beispiel im Bereich Dialyse der Fall sein -, können unter Beachtung angepasster Sicherheitsmaßnahmen weiterhin herkömmliche Systeme verwendet werden.

Es gibt ein breites Angebot von Sicherheitsgeräten. Ob die Produkte den Kriterien der TRBA 250 in gleicher Weise entsprechen und wie sie sich handhaben lassen, sollte im Einzelfall geprüft werden.

Tipp: Hilfestellung für Kliniken, ärztliche Praxen und weitere Einrichtungen bietet das "Verzeichnis sicherer Produkte", das im Rahmen des Branchenportals www.sicheres-krankenhaus.de erstellt wurde.

Wichtig sind in jedem Fall Geräteunterweisungen mit intensiver Schulung und Information der Anwenderinnen und Anwender, insbesondere wenn neue Produkte zum Einsatz kommen.

Was ist bei Unfällen zu tun?

Sollten trotz aller Präventionsmaßnahmen Stichverletzungen auftreten, ist es wichtig, zügig und sachgerecht zu handeln, um die Wahrscheinlichkeit einer Infektion zu minimieren.

Sofortmaßnahmen:

  • Verletzung mit offener Wunde: Blutfluss fördern, aber nicht drücken, dann gut ausspülen mit fließend Wasser oder steriler Kochsalzlösung und/oder desinfizieren oder Wundspülung benutzen; größere Wunden mit steriler Auflage abdecken
  • Kontamination der Haut: intensive Desinfektion
  • Kontamination der Schleimhäute oder des Auges: intensive Spülung mit nächstmöglich Erreichbarem: Wasser oder isotonische Kochsalzlösung
  • sobald möglich: Eintrag ins Verbandbuch

Betroffene sollten dann umgehend eine durchgangsärztliche Praxis aufsuchen. In großen Einrichtungen besteht meist die Möglichkeit, zur Betriebsärztin, zum Betriebsarzt oder in die Nofallambulanz zu gehen.

Beachten Sie unseren Leitfaden zum Vorgehen bei potenziell infektiösen Verletzungen oder Kontaminationen. Das Faltblatt kann bestellt und vor Ort ausgehängt werden.

Arbeitsunfall oder Verdacht auf eine Berufskrankheit? Wie die Meldung an die BGW erfolgt und wie die BGW Betroffenen hilft, erfahren Sie in unserer Rubrik Rehabilitation.

Eine wirksame Unfallverhütung beruht auch auf Erkenntnissen aus vorangegangenen Nadelstichverletzungen. Für die Unternehmen heißt das: alle Unfälle lückenlos erfassen und systematisch auswerten. So lassen sich geeignete Maßnahmen zur Verbesserung ableiten.

Tipp: Ein Fragebogen der BGW hilft bei der individuellen Dokumentation von Unfällen mit Blutkontakt.

13.07.2016

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