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Schwester und Patient in der Dialyse-Einrichtung

Psychische Belastung von Beschäftigten in Dialyse-Einrichtungen

Die Arbeit in Dialyse-Einrichtungen ist gekennzeichnet durch einen intensiven und langfristigen Kontakt zwischen dem Personal und den Patienten. Die Konfrontation mit Leid und Tod gehört für die Beschäftigten von Dialyse-Einrichtungen ebenso zu ihrer Tätigkeit wie der Umgang mit hochmoderner Technik. Vor diesem Hintergrund ist zu vermuten, dass sich Erkenntnisse zur psychischen Belastung aus anderen Bereichen der Pflege nicht einfach auf die Arbeit in Dialyse-Einrichtungen übertragen lassen.

Um den Stand der Forschung zu sichten wurde eine Literaturrecherche in einschlägigen Onlinedatenbanken durchgeführt. Vorher definierte Ein- und Ausschlusskriterien halfen, die Artikel zu sichten. Die eingeschlossenen 19 internationalen Studien wurden nach Themen geclustert. Zehn Studien bezogen sich auf Stress und Burnout, acht Studien hatten die Arbeitsbedingungen im Focus. Eine Studie wurde unter „Sonstiges“ geführt, diese fragte den Wunsch nach Selbsthilfegruppen ab, um den beruflichen Stress zu verarbeiten ("Psychische Belastung und Beanspruchung von Beschäftigten in Dialyse-Einrichtungen: ein systematisches Review" bzw. englischsprachiger Artikel "Böhmert, M, Kuhnert, S., Nienhaus, A. (2011). Psychological stress and strain in dialysis staff – a systematic review. Journal of Renal Care 37 (4), 178-189").

Tabelle: Einschlusskriterien der Artikelauswahl (Quelle: Böhmert M, Kuhnert S, Nienhaus A. Psychische Belastung und Beanspruchung von Beschäftigten in Dialyse-Einrichtungen - ein systematischer Review. In: Nienhaus (Hrsg.): Gefährdungsprofile - Unfälle und arbeitsbedingte Erkrankungen in Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege. ecomed Medizin, Landsberg 2010; 302-325)

Einschlusskriterien
SpracheEnglisch oder Deutsch
PublikationsortZeitschriften mit Peer-Review
Zeitpunkt der Veröffentlichung1990 bis 2009
InhaltStudienergebnisse zur psychischen Belastung und Beanspruchung bei der Arbeit
Zielgruppe(Hämo-)Dialysemitarbeiter (klinisch und nicht klinisch)

Da die letzte deutsche Studie zum Thema Arbeitsbeanspruchungen und Arbeitszufriedenheit bei Dialysebeschäftigten vor mehr als 20 Jahren publiziert wurde, nahm die BGW die Ergebnisse der Literaturrecherche zum Anlass, eine Studie zur Erhebung der psychischen Belastung und Beanspruchung der Beschäftigten in Dialyse-Einrichtungen im nord- und mitteldeutschen Raum durchzuführen.

Darüber hinaus sollten die Ergebnisse unterschiedlicher Berufsgruppen in der Pflege (stationäre Kranken- und Altenpflege) mit den Ergebnissen der Beschäftigten in der Dialyse verglichen werden, um eine bessere Einordnung der Ergebnisse zu ermöglichen.
Als Erhebungsinstrument wurde der Copenhagen Psychosocial Questionnaire (COPSOQ) eingesetzt. Es beteiligten sich 20 Dialyse-Einrichtungen an der Studie. Insgesamt nahmen 367 Beschäftigten an der Studie teil (Responserate 55%). Die Beschäftigten in der Dialyse lassen sich am ehesten mit denen in der stationären Krankenpflege vergleichen, da ein Großteil der Stichprobe eine vergleichbare Ausbildung aufweist.

Im Vergleich zu der stationären Krankenpflege gibt es zum Teil positive Unterschiede wie z.B.

  • geringere quantitative Anforderungen,
  • geringere emotionale Anforderungen,
  • geringere Konflikte zwischen Arbeit und Privatleben

als auch kritischere Bewertungen wie z.B.

  • geringere Einflussmöglichkeiten bei der Arbeit,
  • geringerer Entscheidungsspielraum,
  • geringere Entwicklungsmöglichkeiten.

Hierzu wurde der englischsprachige Artikel "Psychological stress and strain on employees in dialysis facilities a cross-sectional study with the COPSOQ" im Journal of Occupational Medicine and Toxicology (J Occup Med Toxicol) 2014; 9 (1): 4- veröffentlicht. Außerdem erschien der Beitrag "Psychische Belastung und Beanspruchung von Beschäftigten in Dialyse-Einrichtungen: eine Befragungsstudie mittels des COPSOQ" im Buch "RIRE - Risiken und Ressourcen in Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege", © 2014 ecomed MEDIZIN, ISBN 978-3-609-10024-1.

Jede der teilnehmenden Dialyse-Einrichtungen erhielt einen Ergebnisbericht, anhand dessen in den Einrichtungen geeignete Maßnahmen abgeleitet werden sollten. Zusätzlich dazu wurde den Dialyse-Einrichtungen im Rahmen der Studie Beratung und Hilfestellung angeboten (Ergebnispräsentation, Telefonberatung, Beratung vor Ort, Seminar). Diese Angebote wurden von allen Einrichtungen angenommen.

Achtzehn Monate nach der Befragung der 20 Dialyse-Einrichtungen, wurden insbesondere Leitungen der teilnehmenden Einrichtungen zum Umgang mit dem Ergebnisbericht befragt. Bei dieser Befragung wurde ein selbst entwickelter, qualitativer Interviewleitfaden eingesetzt. Das Ziel dieser Untersuchung war es zu überprüfen, ob mit den Befragungsergebnissen weitergearbeitet wurde und Maßnahmen zur Verbesserung der psychosozialen Arbeitssituation beschlossen und umgesetzt wurden. Es zeigte sich, dass die Ergebnisberichte von den Interviewpartnern als verständlich und überwiegend nachvollziehbar eingestuft wurden. Vielfach wurden Maßnahmen aufgrund des Ergebnisberichts umgesetzt, eine Evaluation der Maßnahmen fand bisher in keiner Einrichtung statt (siehe Beitrag im Anhang: "Vorgehensweise nach Mitarbeiterbefragung zur psychosozialen Belastung und Beanspruchung am Beispiel der Dialyse-Einrichtungen").

Die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung fließen außerdem in die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung ein, hinzukommt die Ableitung und Umsetzung von Maßnahmen sowie ein Prüftermin für die Maßnahme und eine Person, die verantwortlich zeichnet. Dieser Prozess wird in der Folge kontinuierlich durchlaufen.
Außer dem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn durch die Studie war es auch ein Ziel, die Einrichtungen beim Thema Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung zu unterstützen. Ein Handlungsleitfaden, mit deren konkreten Handlungshilfen es Dialyse-Einrichtungen möglich ist, eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung durchzuführen von der Vorbereitung der Analyse bis zur vollständigen Dokumentation, steht als Download zur Verfügung.

Bei Fragen zu unseren Aktivitäten in diesem Bereich können Sie sich jederzeit an uns wenden.

Ihre Ansprechpartnerin:

Maren Kersten (wissenschaftliche Mitarbeiterin)
Telefon: (040) 202 07-32 36
Psychologie@bgw-online.de

16.09.2015

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