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Quantitative Measurement of Stressful Trunk Postures in Nursing Professions

Beschäftigte in Pflegeberufen leiden im Vergleich zu anderen Berufsgruppen überdurchschnittlich häufig an Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, vor allem im Bereich der Lendenwirbelsäule. Maßnahmen zur Reduktion von Rückenbelastungen zielten bisher vorwiegend auf das Erlernen von Rücken schonenden Transfertechniken und den Einsatz von Hilfsmitteln beim Anheben und Tragen von Patienten. Ergebnisse aus Interventionsstudien weisen jedoch darauf hin, dass solche Maßnahmen allein nicht ausreichend sind, um das Risiko für Rückenerkrankungen bei Pflegekräften nachhaltig zu reduzieren. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass auch Arbeiten in ungünstigen Körperhaltungen und häufiges Bücken zu den Risikofaktoren zählen und von Pflegekräften als stark belastend empfunden werden. Allerdings erwies es sich als schwierig, Körperhaltungen und Bewegungen von Pflegekräften detailliert und unter Praxisbedingungen zu untersuchen. Erst durch die Entwicklung des CUELA-Messsystems waren die technischen Voraussetzungen geschaffen, Bewegungsabläufe im Pflegealltag kontinuierlich und objektiv zu erfassen.

Das CUELA-Messsystem wurde von den an der Studie beteiligten Pflegekräften jeweils während drei aufeinander folgender Frühdienstschichten am Körper getragen. Die Begleitung der Messungen mit einer Videokamera erlaubte später die Zuordnung der Tätigkeiten zu den mit dem CUELA-Messsystem ermittelten Körperhaltungen. Untersucht wurden 24 Arbeitsschichten auf insgesamt 8 Krankenhaus-Stationen. Ermittelt wurden dabei Ausmaß, Frequenz und Dauer von speziellen Körperhaltungen, die nach den Normen (DIN EN 1005-1, DIN EN 1005-4, ISO 1126) als ungünstig bewertet werden können.

Die Auswertung der Untersuchung mit dem CUELA-Messsystem zeigte, dass die Pflegekräfte während ihrer Arbeitsschichten eine Vielzahl solcher ungünstiger Körperhaltungen einnahmen. So beugten sich beispielsweise die Pflegekräfte im Mittel 1.137-mal in einem Winkel von mehr als 20 Grad nach vorn. Rumpfneigungen über 60 Grad summierten sich durchschnittlich auf 175-mal pro Schicht. Solche Haltungen wurden vorwiegend in den Tätigkeitsbereichen „Bett machen“ (22 Prozent ), „Aufräumen/Putzen“ (16 Prozent) und „Grundpflege“ (16 Prozent) eingenommen.

Es konnte gezeigt werden, dass Pflegekräfte bei der Ausübung ihrer üblichen Tätigkeiten häufig ungünstige Körperhaltungen einnehmen. Künftige Präventionsstrategien sollten deshalb nicht allein auf Transfertätigkeiten fokussieren, sondern auch die Reduktion von ungünstigen Körperhaltungen im Pflegealltag zum Ziel haben.

Der Artikel wurde englischsprachig veröffentlicht in der Fachzeitschrift "The Annals of Occupational Hygiene", Ausgabe Juni 2007 der Oxford University Press.

Autor(en): Freitag, S.; Ellegast, R.; Dulon, M.; Nienhaus, A.

12.12.2007

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