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Serokonversion nach Nadelstichverletzungen – Analyse von Routinedaten der Gesetzlichen Unfallversicherung

Nach einer Nadelstichverletzung (NSV) mit kontaminiertem Blut besteht das Risiko einer Serokonversion. Um die Zahl der Serokonversionen durch Hepatitis B- und Hepatitis C-Viren (HBV, HCV) sowie HIV zu bestimmen, wurden die Routinedaten der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege ausgewertet.

Die Auswertung basiert auf Versicherten, deren HBV-, HCV- oder HIV-Infektion zwischen 2006 und 2015 als Berufskrankheit (BK) anerkannt wurde, und von denen vor der Diagnosestellung eine NSV gemeldet wurde. Eine Einschätzung des Ursachenzusammenhangs zwischen NSV und Infektion wurde anhand von Befunden aus den Unfall- und BK-Akten vorgenommen.

Bei 566 Versicherten wurde zwischen 2006 und 2015 eine Infektionserkrankung mit HBV, HCV und HIV als BK anerkannt. Darunter waren 44 Versicherte, bei denen ein Arbeitsunfall im Zusammenhang mit einer NSV gemeldet wurde. Nach Aktenlage war bei 34 Fällen ein Ursachenzusammenhang möglich. Nach der NSV ist es in 16 der 34 Fälle zu einer Serokonversion gekommen; in 13 der 34 Fälle ist eine Serokonversion möglich aber nicht belegt wegen fehlender Ausgangsbefunde. Der Indexpatient war in 23 der 34 Fälle bekannt, davon in 14 Fällen auch der Infektionsstatus. Die Unfälle ereigneten sich am häufigsten bei der Entsorgung und bei risikobehafteten Prozeduren wie der Blutentnahme und wurden am häufigsten durch Kanülen für intravenöse Punktionen verursacht. An zwei NSV waren subkutan verwendete Instrumente beteiligt (Insulinpen und Lanzette). Zu beiden Fällen lagen keine Angaben zum serologischen Ausgangsbefund oder Indexpatient vor.

Die Identifizierung von Serokonversionen in Routinedaten der Gesetzlichen Unfallversicherung ist möglich. Allerdings sind die Daten zum Ausgangsbefund des Verletzten und zum Infektionsstatus der Indexperson oftmals unvollständig, was die Beurteilung eines Zusammenhangs erschwert. In Übereinstimmung mit der Literatur scheint der Anteil an Serokonversionen durch Verletzung an subkutan verwendeten Instrumenten gering zu sein.

Der Artikel wurde englischsprachig veröffentlicht unter:

Dulon, M, Wendeler, D, Nienhaus, A. Seroconversion after needlestick injuries – analyses of statutory accident insurance claims in Germany. GMS Hyg Infect Control 2018;13:Doc05.

Autor(en): M. Dulon, D. Wendeler, A. Nienhaus

30.08.2018

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