Navigation und Service

Arbeitsschutzbezogene Herausforderungen der Beschäftigung ausländischer Pflegekräfte in Deutschland

Der Bedarf an Pflegekräften ist groß. Seit Februar 2009 übersteigt in der Altenpflege die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) gemeldeten offenen Stellen jene der arbeitslosen Fachkräfte. Im März 2014 entfielen auf 100 vakante Stellen lediglich 45 arbeitslose Personen mit einer abgeschlossenen Altenpflegeausbildung (Krankenpflege: 86). Mittlerweile dauert es im Durchschnitt länger als vier Monate, bis eine freie Altenpflegestelle neu besetzt ist (Krankenpflege: beinahe vier Monate). Und in Zukunft wird die Nachfrage nach Pflegekräften weiter steigen: Bis zum Jahr 2025 prognostizieren Studien, dass in der Altenpflege 150.000 bis 180.000 Stellen in Vollzeit neu zu besetzen sein werden. Gleichzeitig steht die Pflege in immer größer werdender Konkurrenz mit anderen Branchen um Nachwuchs. Die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter ist in Deutschland stark rückläufig – um gut 7,5 Mio. zwischen 2009 und 2030.

Folgerichtig wird die Pflege zu den Berufen mit dem größten Arbeitskräftemangel („Engpassberufe“) gezählt und auf einer „Positivliste“ geführt. Seit Reform der Beschäftigungsverordnung (01. Juli 2013) wirbt die Bundesregierung in diesen Berufen vermehrt um ausländische Fachkräfte – außereuropäische Pflegekräfte dürfen mittlerweile nach Deutschland zuwandern, wenn die im Ausland erworbene Pflegeausbildung mit einem deutschen Pflegeabschluss als gleichwertig anerkannt worden ist. Der demografisch bedingte Handlungsdruck ist also von politischer Seite aufgenommen worden. Türen für eine höhere Zuwanderung in der Pflege wurden geöffnet.

Es ist weitgehend unklar, wie sich eine steigende Beschäftigung ausländischer Pflegekräfte auf Prävention, Arbeits- und Gesundheitsschutz in den Einrichtungen auswirkt, obwohl der kulturelle, sprachliche und pflegefachliche Hintergrund der Beschäftigten entscheidend für die Sicherheit am Arbeitsplatz ist und Folgen für die Gesundheit der Beschäftigten hat. Mitarbeiter müssen bspw. Unterweisungen durch die Sicherheitsbeauftragten richtig verstehen und bereit sein, ihnen zu folgen, auch wenn es an Erfahrungen im Umgang mit dem Arbeitsschutz mangelt. Ferner sind insbesondere neu in Deutschland tätige internationale Arbeitskräfte in den ersten Monaten besonderen psychischen Belastungsmomenten ausgesetzt. Sie müssen sich nicht nur auf die Arbeitsbedingungen im neuen Job einstellen, sondern auch in einer Fremdsprache kommunizieren und sich an die kulturellen Gegebenheiten in Deutschland anpassen.

Für die gesamte Einrichtung kann sich die Beschäftigung internationaler Fachkräfte auf Prävention, Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit und die Gesundheit der Beschäftigten auswirken. Die bereits tätigen Beschäftigten, Leitungskräfte und Sicherheitsbeauftragten müssen bei der Einarbeitung ausländischer Pflegekräfte und ihrer beruflichen Begleitung erhebliche organisatorische und praktische Aufgaben bewältigen (bspw. die Bereitstellung zusätzlicher Personalressourcen für die Anleitung und Unterweisung, Sorge für Sprachkurse, Unterkünfte oder Verpflegung). Größere psychische Arbeitsbelastungen, eine Störung der gewohnten Arbeitsabläufe und ein Anstieg gesundheitlicher Risiken können die Folge sein. Indessen sind auch positive Effekte denkbar, weil durch Möglichkeiten des voneinander Lernens und des interkulturellen Austauschs neue Impulse gesetzt werden, die zu einer erhöhten Zufriedenheit von den Beschäftigten und der Klientel, zu einer verbesserten Kooperation und Kommunikation in Arbeitsteams und insgesamt zu einer Vermeidung von Arbeitsunfällen führen können.

Ziele der im Folgenden zusammengefassten Studie sind:

  • Den Status Quo der Beschäftigung ausländischer Pflegekräfte darzustellen.
  • Prognosen zur zukünftigen Beschäftigungssituation ausländischer Pflegekräfte zu geben.
  • Herausforderungen aus kultureller, sprachlicher und fachlicher Hinsicht bei der Beschäftigung ausländischer Pflegekräfte darzulegen.
  • Herausforderungen bei der Führung und Anleitung ausländischer Pflegekräfte zu identifizieren (mit einem Fokus auf die Themen Arbeits-, Gesundheitsschutz und Prävention) und Handlungsempfehlungen zur Bewältigung dieser abzuleiten.
  • Gesundheitliche Risiken einzugrenzen für (A) ausländische Pflegekräfte und (B) für Beschäftigte in Leitungsverantwortung für ausländische Pflegekräfte.
  • Maßnahmen und Hilfestellungen zur Vermittlung von Arbeits-, Gesundheitsschutz und Prävention im Zusammenhang mit der Beschäftigung ausländischer Pflegekräfte zu geben.

Die Erkenntnisse dieses Studienberichtes, erstellt in Zusammenarbeit mit dem IEGUS Institut, wurden aus Datenanalysen, Literatur- und Onlinerecherchen, Interviews mit Leitungskräften in Pflegeheimen und Krankenhäusern sowie einem im März 2014 durchgeführten Workshop gewonnen.

Autor(en): M. Merda, Dr. G. Braeseke, B. Kähler

23.07.2014

Diese Seite

BGW online (Link zur Startseite)

Start­sei­te