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LTBI-Screening und Interpretation des IGRA unter Anwendung einer Grauzone bei Beschäftigten im Gesundheitswesen in Deutschland

Beschäftigte im Gesundheitswesen (BiG), die Kontakt zu infektiösen Tuberkulose(TB)-Patienten oder Materialien haben, werden entsprechend der Verordnung zur Arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) von Betriebsärzten untersucht. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden hier vorgestellt. In Ländern mit geringer Tuberkuloseinzidenz gelten BiG immer noch als Hochrisikogruppe für eine latente TB-Infektion (LTBI) und werden routinemäßig auf LTBI untersucht.

Anhand der Daten des deutschen TB-Betriebsärzte-Netzwerks analysierten wir Prävalenz und Inzidenz der LTBI und evaluierten Risikofaktoren für positive Ergebnisse der Interferon-gamma Release Assays (IGRA) und die IGRA-Variabilität beim seriellen Testen. 3.823 BiG wurden mindestens einmal mit dem ELISA-basierten Quantiferon Gold in Tube (QFT) gescreent, ein zweiter QFT-Test wurde bei 817 BiG entweder im Verlauf einer Umgebungsuntersuchung oder der regelmäßigen Untersuchungen durchgeführt.

Bei den 3.823 BiG wurde eine LTBI-Prävalenz von 8,3 % beobachtet. Risikofaktoren für positive QFT-Ergebnisse waren Alter (>55 Jahre; Odds Ratio (OR) 6,89), ausländischer Geburtsort (OR 2,39), TB-Anamnese (OR 6,25) und Arbeitsplatz, z. B. Innere Medizin (OR 1,40), Infektionsstation (OR 1,8) oder Altenpflege (OR 1,8). Von den 742 BiG mit einem negativen ersten IGRA-Ergebnis waren 21 (2,8 %) im zweiten IGRA positiv (Konversion). Von den 75 BiG mit einem positiven ersten IGRA-Ergebnis waren 28 (37,3 %) im zweiten IGRA negativ (Reversion). Unter Verwendung einer Grauzone von 0,2 bis 0,7 IU/ml sank die Konversionsrate auf 1,1 % (n = 8) und die Reversionsrate auf 6,7 % (n = 9).

In Deutschland scheint nur ein geringes LTBI-Risiko für BiG zu bestehen. Eine Grauzone von 0,2 bis 0,7 IU/ml könnte bei der Vermeidung unnötiger Röntgenaufnahmen und präventiver Chemotherapie hilfreich sein. Während der siebenjährigen Studiendauer wurde kein Fall einer aktiven TB beobachtet. Daher scheint es sinnvoll, das TB-Screening auf BiG mit bekanntem Kontakt zu infektiösen Patienten oder Materialien zu beschränken. Wegen der hohen QFT-Reversionsrate ist es sinnvoll, auch bei der Nachuntersuchung von IGRA -positiven Beschäftigten den IGRA erneut durchzuführen. Bei BiG mit einer Reversion erübrigt sich dann ein Röntgen zum Ausschluss einer aktiven TB.

Diese Zusammenfassung ist ein Teil des Beitrages "LTBI-Screening und Interpretation des IGRA unter Anwendung einer Grauzone bei Beschäftigten im Gesundheitswesen in Deutschland", erschienen im Buch "RIRE - Risiken und Ressourcen in Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege - Band 2", © 2015 ecomed MEDIZIN, ISBN 978-3-609-10055-5. Der Beitrag selbst ist eine deutsche Übersetzung eines Artikels, erschienen unter "Schablon A, Nienhaus A, Ringshausen FC, Preisser AM, Peters C (2014). Occupational Screening for Tuberculosis and the Use of a Borderline Zone for Intertretation of the IGRA in German Healthcare Workers. PLoS One. 2014 Dec 26;9(12):e115322.

Autor(en): A. Schablon, C. Peters, A. Nienhaus

26.11.2015

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