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Häufigkeit und Folgen von Gewalt und Aggression gegen Beschäftigte im deutschen Gesundheitswesen – ein Survey

In einer retrospektiven Querschnittstudie wurden Beschäftigte im deutschen Gesundheitswesen zu ihren Erfahrungen mit Gewalt und Aggression bei der Ausübung ihrer Tätigkeit mit einem selbstauszufüllenden Erhebungsinstrument befragt. Die Stichprobe umfasste 1.973 Beschäftigte aus 39 Einrichtungen (6 Einrichtungen der Behindertenhilfe, 6 Krankenhäuser und 27 ambulante und stationäre Einrichtungen der Altenpflege) mit regelmäßigem Kontakt zu Patienten oder Kunden. Die Häufigkeit physischer und verbaler Gewalt gegen Beschäftigte im Gesundheitswesen (BiG) und die Folgen aggressiver Angriffe werden beschrieben und Einflussfaktoren mittels logischer Regression analysiert.

56,2 % der befragten Personen erlebten körperliche und 78 % verbale Gewalt. Die höchste Prävalenzrate körperlicher Gewalt fand sich in der stationären Altenpflege (63 %) (p = 0.000). Jüngere Beschäftigte haben ein höheres Risiko, von körperlicher Gewalt betroffen zu sein als ältere Beschäftigte (OR 1,8, 95 % CI 1,3–2,4). Auch bei der Arbeit in der stationären Altenpflege ist das Risiko, körperliche Gewalt zu erleben, erhöht (OR 1,6, 95 % CI 1,2–2,0). Rund ein Drittel aller Beschäftigten fühlt sich durch die erlebte Gewalt stark belastet. Je besser die Einrichtung die Beschäftigten auf aggressive und gewalttätige Klienten vorbereitet, desto geringer ist deren Risiko, sowohl verbale (OR 0,5, 95 % CI 0,4–0,7) als auch körperliche Gewalt (OR 0,7, 95 % CI 0,6–0,9) zu erleben. Eine gute Vorbereitung durch die jeweilige Einrichtung wirkt sich positiv auf das Belastungsempfinden aus (OR 0,6, 95 % CI 0,4–0,8).Neben körperlichen Folgen droht bei Verletzung der persönlichen Integrität auch eine psychische Traumatisierung der Betroffenen. Die BGW bietet daher neben den präventiven Hilfestellungen auch Maßnahmen für die Versorgung nach einem Übergriff an.

Gewalt und Aggression gegenüber Pflege- und Betreuungspersonal kommen häufig vor. Jede dritte befragte Pflege- und Betreuungskraft fühlt sich durch Gewalt und Aggression stark belastet. Betriebliche Unterstützungsangebote zur Prävention und Nachsorge von Gewalt und Aggression reduzieren das Risiko derartiger Vorfälle und das Belastungserleben. Aber nur rund ein Drittel der Befragten scheint ausreichende Unterstützungsangebote zu erhalten. Es besteht daher Forschungsbedarf zu betrieblichen Unterstützungsangeboten, die das Risiko, verbale und körperliche Gewalt und die damit verbunden Belastungen zu erfahren, verringern.

Diese Zusammenfassung ist ein Teil des Beitrages "Führung und Gesundheit - Welchen Einfluss haben Führungskräfte auf die Gesundheit der Mitarbeiter?", erschienen im Buch "RIRE - Risiken und Ressourcen in Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege", © 2014 ecomed MEDIZIN, ISBN 978-3-609-10024-1.

Autor(en): A. Schablon, A. Zeh, D. Wendeler, C. Wohlert, M. Harling, A. Nienhaus

26.01.2015

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