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Tuberkulose als Berufskrankheit

Das Risiko an einer LTBI oder an einer aktiven Tuberkulose (TB) zu erkranken, ist bei Beschäftigten im Gesundheitswesen (BiG) hinreichend bekannt und die TB kann als Berufskrankheit (BK) anerkannt werden. In Ländern wie Deutschland verminderte sich - im Zuge des Rückgangs der TB-Inzidenz (5,6/100.000 Einwohner in 2014) - auch das Risiko einer TB-Infektion bei BiG. Allerdings scheint die erhöhte Gefährdung durch die Tätigkeit im Gesundheitswesen sogar in Ländern mit hohem Einkommen und mit hohen Hygienestandards weiter zu bestehen (Seidler et al. 2005; Diel et al. 2002; Menzies et al. 2007; Diel et al. 2005; Baussano et al. 2011; Nienhaus et al. 2013). Es erkranken pro Jahr immer noch etwa 70-90 BiG an einer aktiven TB (Zahlen der BGW). Die Prävention nosokomialer Infektionen stellt daher nach wie vor eine Herausforderung dar.

In der aktuellen Leitlinie der WHO zum Management der LTBI in Ländern mit hohem bis mittleren Einkommen und einer TB-Inzidenz von weniger als 100 pro 100.000 Einwohner wird daher für BiG weiterhin ein Testen auf eine LTBI empfohlen. Dabei stellt die Behandlung der LTBI in Ländern mit niedriger Inzidenz wie Deutschland den Schlüssel zur Elimination der TB dar. Allerdings sollte der Nutzen der Behandlung größer sein, als der potentielle Schaden (z.B. Hepatitis). Daher empfiehlt die WHO kein generelles Screening und Behandlung aller LTBI-Fälle sondern konzentriert sich auf das Screening und die Behandlung von Hochrisikogruppen. Zur Hochrisikogruppe A gehören

  • HIV-Infizierte,
  • Kontaktpersonen (Kinder und Erwachsene) zu Patienten mit einer Lungentuberkulose,
  • Patienten vor Beginn einer Tumor-nekrose- Faktor (TNF) Blocker Behandlung,
  • Dialysepatienten,
  • Patienten vor Organ-oder Bluttransplantationen und Patienten mit einer Silikose.

Hier soll ein Screening und auch eine Behandlung durchgeführt werden.

Beschäftigte im Gesundheitswesen gehören wie Gefangene und Gefängniswärter, Immigranten aus Ländern mit hoher TB-Inzidenz, Obdachlose und Drogenabhängige zur Risikogruppe B.
Für diese Gruppe wird ein situationsabhängiges Screening und Behandlung empfohlen. Dieses Vorgehen soll in Abhängigkeit von nationalen, sowie regionalen Besonderheiten, Ressourcen und Regularien und Prioritäten erwogen werden (WHO 2015). In Deutschland regelt die ArbMedVV die arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen.
In Deutschland wird das TB-Screening für BiG durchgeführt, um eine nosokomiale Übertragung auf Patienten und Kollegen zu verhindern und eine frische LTBI zu erkennen und zu behandeln (Jensen et al. 2005). Entsprechend der ArbMedVV (2013) wird ein TB-Screening routinemäßig als wiederholtes Screening von BiG, die Kontakt mit kontaminiertem Material oder akuten Fällen haben, durchgeführt. Ansonsten werden BiG nur untersucht, wenn sie Kontakt zu TB-Patienten hatten. Lange Zeit wurden bei diesen Screenings der Tuberkulin-Hauttest (THT) verwendet. Seit mehreren Jahren sind zwei spezifischere Interferon-gamma Release Assays kommerziell verfügbar: der QFT und der ELISPOT-basierte T.SPOT.TB. Im Vergleich zum Tuberkulin-Hauttest (THT) reduzieren IGRAs die Anzahl der erforderlichen Röntgenuntersuchungen und Chemopräventionen. Durch den Einsatz der IGRAs haben sich die Vorsorgeuntersuchungen auf eine LTBI in den letzten Jahren verändert.
Das TB-Betriebsärzte-Netzwerk der BGW wurde aufgebaut, um die Ergebnisse der TB-Screenings von BiG mit den neuen IGRAs systematisch zu sammeln und zu bewerten. Untersucht werden insbesondere die Prävalenz der LTBI bei BiG sowie die Risikofaktoren für ein positives IGRA-Ergebnis. Ferner wird der Einfluss einer Grauzone auf die Variabilität der IGRA-Ergebnisse beim seriellen Testen untersucht werden.
Bislang konnten Daten von über 5.000 Beschäftigten aus Krankenhäusern, Pflegeheimen und ambulanten Pflegeeinrichtungen gesammelt und ausgewertet werden. Die Betriebsärzte wählten die BiG anhand der Bestimmungen der ArbMedVV aus. Alle BiG mit regelmäßigem Kontakt zu TB-Patienten, unabhängig davon, ob dieser Kontakt geschützt oder ungeschützt war, wurden in ein- bis dreijährigen Abständen untersucht, abhängig von der Gefährdungsbeurteilung durch den Betriebsarzt. Alle anderen BiG wurden nur untersucht nach einem bekannten Kontakt zu einem TB-Patienten (Umgebungsuntersuchung).

Die aktuellen Publikationen, die im Rahmen des Projektes "TB-Betriebsärzte-Netzwerk" erschienen sind, sind unten dargestellt.


Haben Sie Fragen oder Anregungen? Wir freuen uns, wenn Sie mit uns Kontakt aufnehmen.

Ihre Ansprechpersonen:

Studienleitung
Dr. P.H. Anja Schablon (Dipl.-Gesundheitswirtin)
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
CVcare
20246 Hamburg
Telefon: (040) 74 10 - 597 09
E-Mail: epidemiologie@bgw-online.de

Arbeitsmedizinische Beratung
Dr. med. Johanna Stranzinger
Berufgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege
Grundlagen der Prävention und Rehabilitation
22089 Hamburg
Telefon: (040) 202 07- 32 29
E-Mail: arbeitsmedizin@bgw-online.de

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