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Unfallrisiken an elektrisch höhenverstellbaren Therapieliegen

In den Bereichen Medizin, Therapie und Wellness gehören Therapieliegen vielfach zur Grundausstattung. Geräte, die elektrisch höhenverstellbar sind, erleichtern die Behandlung, bergen jedoch Sicherheitsrisiken für Beschäftigte, Patientinnen und Patienten sowie Dritte. Bei versehentlicher oder unkontrollierter Betätigung der Stelleinrichtung haben sich bereits mehrere Quetschverletzungen und Unfälle mit Todesfolge ereignet. Da die Gefährdung als hoch einzustufen ist, rät die BGW dringend, vorhandene Liegen zu überprüfen und bei Neubeschaffungen auf die sicherheitstechnische Ausstattung zu achten.

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Die BGW bietet Warnhinweis-Aufkleber zur kostenlosen Bestellung an. Unternehmen können damit auf Risiken an vorhandenen Therapieliegen aufmerksam machen. Bestellen Sie jetzt und sorgen Sie für mehr Sicherheit bei allen Beteiligten vor Ort.

Unfallrisiken im Detail

Nach einem ersten Todesfall eines Kindes im Zusammenhang mit Therapieliegen im Jahr 2003 haben die zuständigen Behörden gefordert, die Sicherheit der Liegen zu erhöhen. Trotzdem gab es bundesweit seither weitere gemeldete Vorfälle durch Einklemmungen - drei mit Todesfolge. Auch aus dem Ausland sind Todesfälle durch Quetschverletzungen bekannt. Die Todesfälle ereigneten sich in der Regel durch die unbeabsichtigte Betätigung der Höhenverstellung – etwa beim Spielen, bei Anwendungen oder Reinigungsarbeiten. Wird die Abwärtsbewegung der Liegefläche in Gang gesetzt, während sich jemand darunter befindet, kann es zu lebensgefährlichen Einklemmungen kommen.

Illustration: Person, die neben einer Therapieliege sitzt und diese bedient, quetscht Bein ein

Achtung: Einklemmgefahr beim Bedienen
(Foto: BGW/Schierrieger)

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Neben den Todesfällen haben sich zum Teil schwere Quetschverletzungen durch die Selbsteinklemmung von Anwenderinnen und Anwendern im beabsichtigten Betrieb ereignet. Ein besonderes hohes Risiko birgt die Höhenverstellung mittels Fußsteuerung. Wenn der Bediener, die Bedienerin neben der Liege sitzt und die Höhenverstellung aktiviert, kann der Unterschenkel zwischen Liegefläche und Stelleinrichtung eingeklemmt werden. Quetschungen und Knöchelfrakturen sind die Folge. Besonders problematisch: Während der Abwärtsbewegung der Liegefläche wird der Druck auf die Stelleinrichtung noch verstärkt.

Aktuelle Sicherheitsmechanismen

Aktuell werden nur bedingt Therapieliegen mit einer angemessenen sicherheitstechnischen Ausstattung angeboten, wie die Unfälle zeigen. Dabei gilt seit 2004 eine Empfehlung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), die fordert, dass automatisch höhenverstellbare Therapieliegen über Sicherheitsmechanismen verfügen, die ein versehentliches oder unkontrolliertes Betätigen der Steuerung verhindern. Als Beispiele werden eine sogenannte Sperrbox, die nur von autorisierten Personen betätigt werden kann, oder eine Zweihandschaltung genannt. Alternativ kann auch auf anderem Wege ausgeschlossen werden, dass ein versehentliches Betätigen zur Gefährdung von Personen führt. Die Sperrbox erfordert jedoch weitere organisatorische Maßnahmen und bietet ohne diese zwingend einzuhaltenden Maßnahmen nur eine trügerische Sicherheit, wie ein tödlicher Unfall 2016 trotz nachgerüsteter Sperrbox gezeigt hat.

Im September 2019 hat das BfArM seine Empfehlung von 2004 aktualisiert und konstruktionsbasiert ausgelegt. Die gewählten Lösungen müssen nun tiefer als bisher im Design der Liege verankert sein – also auf der Ebene des Hub-, Antriebs- und Steuerungssystems. Außerdem müssen sie dem Prinzip der "integrierten Sicherheit" stärker Rechnung tragen als dies die Sperrbox tut. Danach hat die konstruktive Beseitigung oder Minimierung der Risiken durch Quetsch- und Scherverletzungen Vorrang vor anderen Schutzmaßnahmen, wie zum Beispiel organisatorische Maßnahmen.

Sicherer Betrieb: Was sollten Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber tun, die Therapieliegen betreiben?

Die Sorgfaltspflicht des Arbeitgebers, der Arbeitgeberin ergibt sich unter anderem aus der Betriebssicherheitsverordnung und dem Medizinprodukterecht.

Bei Neubeschaffungen ist insbesondere darauf zu achten, dass diese dem Grundsatz der "integrierten Sicherheit" entsprechen und dass die Lösungen zur Verhinderung von Quetsch- und Scherverletzungen zentral im Design der Produkte verankert sind. Dazu sollten Erkundigungen bei der Herstellungsfirma eingeholt werden.

Liegen im Gebrauch, die diese Anforderung noch nicht erfüllen, müssen in geeigneter Weise nachgerüstet werden. Aus haftungsrechtlichen Gründen sollte eine Nachrüstung nur mit Bauteilen erfolgen, die vom Hersteller der Liege freigegeben sind, und der Einbau sollte durch den Hersteller selbst oder eine autorisierte Fachfirma vorgenommen werden. Die betrieblichen Ansprechpersonen sollten dazu Kontakt mit den entsprechenden Firmen aufnehmen.

Bis zur Nachrüstung sind die folgenden zusätzlichen Maßnahmen für einen sicheren Betrieb erforderlich:

  • Außerbetriebnahme des Geräts bei Nichtgebrauch; der Schaltzustand muss zweifelsfrei und schnell erkennbar sein
  • Festlegung der Regelungen zum sicheren Betreiben im Rahmen einer Arbeits-/Betriebsanweisung
  • Anbringen eines Warnhinweises auf mögliche Quetsch- und Scherverletzungen (Tipp: BGW-Aufkleber nutzen!)
  • Regelmäßige Unterweisung aller Beschäftigen - auch des Reinigungspersonals
  • Information externer Dienste über Sicherheitsrisiken
  • Regelmäßige Kontrolle der Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen
  • Dokumentation der getroffenen Maßnahmen

Ein Fallbeispiel (Archiv-Text):

20.03.2020

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