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Praxisbeispiel: Kliniken

Reha-Klinikgruppe der Deutschen Rentenversicherung Bund

Wie sich die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung (GB Psyche) mit dem betrieblichen Gesundheitsmanagement verzahnen lässt, zeigt das Kooperationsprojekt der DRV Bund mit der BGW. Dabei wurde in den Pilot-Reha-Zentren unter anderem ein Handlungsleitfaden entwickt, der jetzt anderen Einrichtungen Orientierung bietet.

Steckbrief der Einrichtung:

  • Logo Deutsche Rentenversicherung Bund

    Reha-Klinikgruppe der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
  • bundesweit 22 Standorte mit 27 Kliniken
  • rund 4.000 Beschäftigte
  • jährlich rund 75.000 Rehabilitandinnen und Rehabilitanden

Wie war die Ausgangssituation?

In der Klinikgruppe sah man die GB Psyche nicht nur als gesetzliche Verpflichtung, sondern auch als eine sehr gute Möglichkeit, die Mitarbeitendenzufriedenheit zu stärken. Dazu sollten vorhandene Belastungen analysiert und abgebaut werden.

Abgesehen von der GB Psyche war die Gefährdungsbeurteilung in den Reha-Zentren bereits ein etabliertes Instrument. Außerdem konnte auf das vorhandene Qualitätsmanagementsystem (zertifiziert nach QMS-Reha) zurückgegriffen werden.

Worauf kam es dem Unternehmen an?

Zum einen sollte der gesetzliche Auftrag zur GB Psyche erfüllt werden. Diese sollte insbesondere auch in die vorliegenden Gefährdungsbeurteilungen der Reha-Klinikgruppe integriert werden, sodass auch eine standardisierte Dokumentation erfolgen kann.

Besonders wichtig war der Reha-Klinikgruppe die Verknüpfung mit dem betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM). Um das auch zukünftig sicherzustellen, sollte die GB Psyche fest in die Organisation von Arbeitsschutz und BGM eingebunden werden.

Welches Vorgehen wurde gewählt?

Nach einer Orientierungsphase standen zunächst drei Pilotstandorte und -verfahren im Mittelpunkt. Danach erfolgte eine Evaluation und Auswertung. Inzwischen findet das Rollout statt, das heißt die GB Psyche wird mit dem in der Pilotphase erarbeiteten Vorgehen auch an anderen Standorten eingeführt. Dazu wurde unter anderem ein Schulungskonzept für für interne Multiplikatorinnen und Multiplikatoren erarbeitet.

Neben den Reha-Zentren der DRV Bund profitieren auch die Reha-Zentren kooperierender Rentenversicherungsträger von den Erkenntnissen der Pilotphase. Die Schulungen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren werden an vielen Standorten für mehrere rentenversicherungseigene Reha-Zentren gemeinsam durchgeführt. Der Kooperationsgedanke wird durch gleiche Verfahren, vielerorts auch durch gemeinsame Steuerungskreise, gestärkt.

Für die Analyse wurden verschiedene Instrumente eingesetzt: BGW-Arbeitssituationsanalyse, KFZA (Kurzfragebogen zur Arbeitsanalyse) mit weiteren Fragen zum Gesundheitsmanagement, leitfadengestützte Gespräche.

Download-Tipp: Wie die Klinikgruppe die GB Psyche organisiert und in das BGM einbindet, beschreibt der umfassende Handlungsleitfaden, der heruntergeladen werden kann.

Deutsche Rentenversicherung Bund

Von vornherein wurden die Beschäftigten in das Vorhaben einbezogen.
(Foto: DRV Bund)

Wie wurden die Beschäftigten einbezogen?

Bei dem Vorhaben spielt der Personalrat eine aktive Rolle. Gemeinsam mit den Schwerbehindertenvertretungen und Gleichstellungsbeauftragten bildete er ein zentrales Bindeglied zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Die Beschäftigten werden zudem regelmäßig in der Mitarbeitendenversammlung informiert. Auch in der Steuerungsgruppe sind Vertreterinnen und Vertreter der Mitarbeitenden – sowohl mit als auch ohne Wahlamt – aktiv beteiligt.

Mit den qualifzierten Befragungen wird die Sichtweise der Beschäftigten erhoben; dabei konnte eine hohe Beteiligung erreicht werden.

Die kontinuierliche Information über das Vorgehen und die Ergebnisse stellen die Führungskräfte sicher.

Ist schon absehbar, ob die Maßnahmen wirken?

Eine Aussage zur Wirksamkeit der eingeleiteten Maßnahmen ist derzeit noch nicht möglich. Die hohe Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Workshops und die Reaktionen nach deren Durchführung verstärken jedoch die Akzeptanz bei den Beschäftigten. Verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsabläufe und zur Zusammenarbeit zwischen den Bereichen sind in den Pilotkliniken umgesetzt. Die Maßnahmen werden auf Wirksamkeit geprüft und im Rahmen der Auditierungen im Qualitätsmanagement genutzt. Letztlich wird die kontinuierliche Überprüfung und Fortsetzung der Prozesse und Maßnahmen über die Wirksamkeit entscheiden.

Die Verzahnung mit QMS-Reha und die Auditierung der neuen Prozesse unterstützen außerdem die Klinikleitungen bei deren Aufgabe.

Welche Themen waren besonders relevant?

In der GB Psyche kristallisierten sich insbesondere drei Themenfelder heraus, die zu bearbeiten waren:

  • Information und Kommunikation
  • Arbeitsorganisation und Arbeitsabläufe
  • Zusammenarbeit zwischen den Arbeitsbereichen

Ein Beispiel:

Eines der Ergebnisse war, dass besonderes Augenmerk auf den regelmäßigen Austausch zwischen dem ärztlichen Personal und der Pflege gelegt wird. Auch die Therapieplanung ist einbezogen, da zum Beispiel zu kurze Wechselzeiten zwischen unterschiedlichen Therapien zu erheblichen Belastungen bei den Beschäftigten führen können. Regelmäßiger Austausch zwischen den Berufsgruppen hat die Situation bereits wesentlich entspannt.

Um kontinuierlich weiter an den Themen der GB Psyche zu arbeiten, werden diese regelmäßig in den Sitzungen der Bereichsleitungen sowie in Teamsitzungen aufgegriffen.

Wie wird die Umsetzung und Wirksamkeit der Maßnahmen sichergestellt?

Für die Umsetzung der Maßnahmen sind die Führungskräfte verantwortlich. Die Wirksamkeit wird unter anderem durch regelmäßige interne und externe Zertifizierungen (QMS-Reha) sichergestellt. Darüber hinaus erfolgen Arbeitsplatzbegehungen. Der Arbeitsschutzausschuss (ASA) sowie die regelmäßig stattfindenden Bereichsleitungssitzungen haben das Thema GB Psyche als ständigen Tagesordnungspunkt auf der Agenda.

Welche Stolpersteine gab es? Wie wurde damit umgegangen?

Die GB Psyche stieß im Pilotvorhaben auf einige Unsicherheiten bei den Beschäftigten. Zum einen angesichts der Neuerungen. Zum anderen, weil zunächst fälschlicherweise vermutet wurde, dass es um eine psychologische Therapie der Mitarbeitenden gehen solle. Auch der zusätzliche Zeitaufwand für die Durchführung der GB Psyche, der neben der Alltagsarbeit anfiel, machte sich bemerkbar.

Aufgewogen wurden diese Hürden durch umfassende Einweisungen und Erläuterungen - so konnte allen das systematische Vorgehen vermittelt werden. Klare Projekt- und Zeitpläne trugen ebenfalls maßgeblich zum Projekterfolg bei. Besonders hilfreich war darüber hinaus die gegenseitige Unterstützung und das große Engagement der Projektbeteiligten.

Welche Tipps lassen sich anderen Betrieben geben?

  • Wichtig ist die Schulung der Beteiligten zu den Abläufen und Instrumenten: Wie soll vorgegangen werden? Wissen alle, welche Schritte wie zu durchlaufen sind? Ist das Handwerkszeug für die Umsetzung vorhanden?
  • Damit die GB Psyche nachhaltig im Unternehmen verankert werden kann, sollte von vornherein geprüft werden, wie sie zukünftig selbstständig umgesetzt werden kann.
  • Mutig sein und aus den Erfahrungen und der praktischen Umsetzung lernen!

Autor(en): Mario Lewerenz, Andreas Kummer

28.04.2017

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