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Gefahrstoffsymbole nach GHS

Schutzmaßnahmen für den Umgang mit Gefahrstoffen

Regelungen der Gefahrstoffverordnung

Die aufeinander aufbauenden Schutzmaßnahmenpakete in der Gefahrstoffverordnung umfassen Maßnahmen zur Substitution, technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen (STOP-Prinzip der Rangfolge der Maßnahmen) und Vorgaben und Kriterien zur Wirksamkeitsprüfung.

Mindeststandards der Gefahrstoffverordnung

Die Gefahrstoffverordnung nennt „Grundpflichten“ und stets anzuwendende Mindeststandards bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen. Diese werden in der TRGS 500 „Schutzmaßnahmen“ weiter konkretisiert:

  • Tätigkeit mit Gefahrstoffen erst nach Gefährdungsbeurteilung und Umsetzung der festgelegten Schutzmaßnahmen aufnehmen
  • Substitutionsgebot: Gefahrstoffen und Verfahren durch weniger gefährliche oder ungefährliche Stoffe und Verfahren ersetzen
  • Minimierungsgebot: Ausmaß der Exposition, Anzahl der Exponierten minimieren
  • Messungen durch fachkundige Personen vornehmen lassen

Gestaltung des Arbeitsplatzes und der Arbeitsverfahren

  • Kollektive technische Schutzmaßnahmen an der Gefahrenquelle, wie zum Beispiel angemessene Belüftung und Entlüftung
  • Verwendung, Aufbewahrung und Wartung persönlicher Schutzausrüstungen

Die erforderliche Persönliche Schutzausrüstungen muss getragen werden solange eine Gefährdung besteht. Das Tragen belastender persönliche Schutzausrüstungen darf jedoch nicht als Dauermaßnahme vorgesehen werden.

Überprüfungen

  • Funktions- und Wirksamkeitsüberprüfung technischer Schutzmaßnahmen
  • Überprüfung der Einhaltung der Arbeitsplatzgrenzwerte und Aufbewahrung der Ermittlungsergebnisse
  • Überprüfung der Expositionssituation für Stoffe ohne Arbeitsplatzgrenzwert

Allgemeine Schutzmaßnahmen

Allgemeine Schutzmaßnahmen beziehen sich auf auf Verhältnis- und Verhaltensprävention zum Umgang mit Gefahrstoffen, zum Beispiel Festlegungen zur Gestaltung der Arbeitsplätze, zur Auswahl der Arbeitsmittel und Verfahren, zur Begrenzung der Exposition:

  • geeignete Gestaltung des Arbeitsplatzes
  • geeignete Arbeitsorganisation
  • geeignete Arbeitsmittel und deren Wartung
  • Beschränkung der Zahl der Exponierten
  • Begrenzung der Expositionsdauer und -höhe
  • Hygiene und ArbeitsplatzreinigungBeschränkung der Gefahrstoffe am Arbeitsplatz auf die erforderliche Menge
  • geeigneten Methoden und Verfahren
  • innerbetrieblichen Kennzeichnung
  • Lagerung und Entsorgung
  • Zugangsbeschränkung für Lager mit akut toxischen Stoffen der Kategorien 1-3, spezifisch zielorgantoxischen Stoffen der Kategorie 1 sowie krebserzeugendenund keimzellmutagenen Stoffen der Kategorien 1A oder 1B
  • Auswahl von fachkundigen und zuverlässigen Personen für Tätigkeiten mit akut toxischen Stoffen der Kategorien 1-3, spezifisch zielorgantoxischen Stoffen der Kategorie 1, krebserzeugenden, keimzellmutagenen oder reproduktionstoxischen Stoffen der Kategorien 1 A oder 1 B, sowie atemwegssensibilisierenden Stoffen
  • Vermeidung von Staubexposition und Ablagerung
  • ergänzende Maßnahmen beim Umgang mit Asbest
  • Anforderungen und Maßnahmen bei der Schädlingsbekämpfung
  • Anforderungen, Verwendungsbeschränkungen und Maßnahmen bei der Begasung
  • Lagerung von Ammoniumnitrat

Zusätzliche Schutzmaßnahmen

Die Gefahrstoffverordnung besagt, dass „Zusätzliche Schutzmaßnahmen“ getroffen werden müssen, wenn die „Allgemeinen Schutzmaßnahmen“ nicht ausreichend schützen:

  • erneute Durchführung der Gefährdungsbeurteilung und das Ergreifen geeigneter, weiterer Schutzmaßnahmen
  • Verwendung von geschlossenen Systemen, wenn Substitution technisch nicht möglich ist und eine erhöhte Gefährdung durch Inhalation besteht
  • unverzügliche Bereitstellung Persönlicher Schutzausrüstungen, wenn die technischen und organisatorischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind
  • getrennte Aufbewahrung von Arbeits- und Straßenkleidung
  • Reinigung der Arbeitskleidung durch den Betrieb
  • Zugangsbeschränkung für Arbeitsbereiche
  • Sicherung von Alleinarbeit durch zusätzliche Schutzmaßnahmen oder Aufsicht

Schutzmaßnahmen für den Umgang mit CMR-Stoffen (Kategorie 1A und 1B)

Grundsätzlich müssen beim Umgang mit krebserzeugenden, keimzellmutagenen oder reproduktionstoxischen Gefahrstoffen besondere Schutzmaßnahmen festgelegt werden:

  • Bestimmung der Exposition, insbesondere zur frühzeitigen Ermittlung erhöhter Exposition durch unvorhersehbare Ereignisse oder Unfall
  • Abgrenzung und Kennzeichnung der Bereiche
  • Ausschöpfung sämtlicher technischer Schutzmaßnahmen
  • Wenn sämtliche technischen Maßnahmen ausgeschöpft sind: Verkürzung der Dauer der Exposition nach Beratung mit Beschäftigten oder deren Vertretung und Verwendung persönlicher Schutzausrüstung
  • Verbot der Rückführung kontaminierter Luft
  • Führen eines Expositionsverzeichnisses, wenn die Beschäftigten den Substanzen in gefährdender Art und Weise ausgesetzt sind (vgl. TRGS 410)

Von diesen Vorgaben kann abgewichen werden, wenn ein Arbeitsplatzgrenzwert existiert und dessen Einhaltung durch Arbeitsplatzmessung oder andere geeignete Methoden zur Ermittlung der Exposition belegt wird (z.B. bei Desinfektionsarbeiten mit Formaldehyd enthaltenden Desinfektionsmitteln) oder die Tätigkeiten entsprechend einem verfahrens- und stoffspezifischen Kriterium (VSK) ausgeübt werden (z.B. bei der NTDF-Sterilisation, vgl. TRGS 513).

Wurde für einen krebserzeugenden Gefahrstoff auf der Basis einer Expositions-Risiko-Beziehung (ERB) eine Akzeptanz- und Toleranzkonzentration veröffentlicht, so ist das risikobezogene Maßnahmenkonzept der TRGS 910 anzuwenden.

Geringe Gefährdung

Wenn die Gefährdungsbeurteilung nur eine geringe Gefährdung ergeben hat, kann man auf diese zusätzlichen Maßnahmen verzichten:

  • Keine Aufnahme ins Gefahrstoffverzeichnis erforderlich
  • Keine Aufnahme ins Expositionsverzeichnis erforderlich
  • Keine zusätzlichen Brandschutzmaßnahmen nach TRGS 800 erforderlich
  • Keine Erstellung von Betriebsanweisungen erforderlich
  • Keine Unterweisung nach Gefahrstoffverzeichnis erforderlich

Es reicht aus, in der Gefährdungsbeurteilung die Feststellung einer lediglich geringen Gefährdung nach TRGS 400 sowie die getroffenen Schutzmaßnahmen zu dokumentieren.

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