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Demografischer Wandel in Deutschland

Sowohl Deutschland als auch ganz Europa befinden sich mitten in einer enormen gesellschaftlichen Veränderung: Die Bevölkerung altert. Einer zunehmenden Anzahl von älteren Menschen stehen immer weniger junge Jahrgänge gegenüber. Dies hat gravierende Folgen für die Finanzierbarkeit der Sozialsysteme und für die Arbeitswelt.

Viele Menschen werden länger arbeiten müssen, um ihre eigene Versorgung zu sichern. Außerdem werden die Älteren zunehmend interessant für einen Arbeitsmarkt, der sich bislang eher um junge Arbeitskräfte bemühte – es fehlt der berufliche Nachwuchs. Die Betriebe werden unweigerlich auf ihre älteren, erfahrenen, gesundheitlich aber oft bereits selbst belasteten Kräfte angewiesen sein. Sie müssen die Arbeitsbedingungen also in einer Weise gestalten, dass die Beschäftigten so lange wie möglich im Beruf bleiben können.

Änderung der Bevölkerungsstruktur in Deutschland

Die Gesellschaft in Deutschland verändert sich sowohl hinsichtlich der Altersstruktur als auch der Bevölkerungszahl. Im Verlauf des demografischen Wandels nimmt der Anteil der älteren Jahrgänge an der Gesamtbevölkerung in Relation zu den jüngeren bereits seit Jahrzehnten zu. Da sich dieser Trend fortsetzen wird, schrumpft die Bevölkerung nach Angaben des Statistischen Bundesamts – abhängig von Geburtenrate und Sterblichkeit – von zirka 82 Millionen am Ende des Jahres 2008 auf etwa 65 (Untergrenze der "mittleren" Bevölkerung) beziehungsweise 70 Millionen (Obergrenze der "mittleren" Bevölkerung) im Jahr 2060.

Entsprach die Altersstruktur der Bevölkerung in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch der klassischen Pyramidenform mit starken jungen Jahrgängen – das mittlere Alter betrug 1910 noch 23,6 Jahre –, so wird sie im Jahr 2050 mit ihrem hohen Anteil älterer Menschen eher einer umgekehrten Pyramide ähneln (siehe Abbildung). Diese Entwicklung könnte durch den Zuzug von Migrantinnen und Migranten etwas abgebremst werden, da es sich dabei meist um jüngere Personen handelt. Derzeit besteht zudem ein negativer Wanderungssaldo (mehr Aus- als Zuwanderer) in Deutschland. Es wird angenommen, dass er sich verringern und schließlich etwa ausgeglichen sein wird, da mit der künftig rückläufigen Zahl junger Menschen auch die Fortzüge der Deutschen sinken werden.

Für die demografischen Veränderungen in Deutschland und in anderen Industrienationen ist die seit Jahrzehnten steigende Lebenserwartung bei gleichzeitig sinkenden Geburtenraten verantwortlich. Die Fortschritte in Medizin, Medizintechnik und Pharmakologie, bessere Lebensbedingungen sowie ein höheres Gesundheitsbewusstsein bewirken, dass das durchschnittliche Lebensalter von Männern und Frauen stetig ansteigt.

Die demografischen Verschiebungen wirken sich auch auf den Arbeitsmarkt aus: Durch den Geburtenrückgang werden künftig immer weniger junge Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Der Anteil von älteren Menschen im Erwerbsleben wird also allein dadurch zunehmen. Hinzu kommen gesellschaftliche und politische Veränderungen.

Der soziale und politische Wandel

Die gesellschaftlichen Veränderungen in Deutschland haben in hohem Maße demografische Ursachen. Ausschlaggebend sind aber auch weitere Faktoren – denn kaum jemand bleibt länger im Beruf, weil sein Arbeitgeber keinen Fachkräftenachwuchs findet. Wenn Belegschaften heute älter sind als noch vor einigen Jahren, so liegt dies auch an den veränderten Lebensumständen in der Gesellschaft und an den sozialpolitischen Rahmenbedingungen. Gestiegene Scheidungsraten etwa haben zu einem hohen Anteil alleinerziehender Mütter geführt. Diese sind häufig mit der Situation konfrontiert, schlechtere Arbeitsbedingungen akzeptieren zu müssen. Der Druck, möglichst lange berufstätig zu sein, um diese Einkommenssituation im Alter einigermaßen abzusichern, ist dadurch vorprogrammiert.

Die Erwerbsbiografien haben sich aber auch insgesamt verändert: Früher konnten sich Familien darauf verlassen, dass eine langjährige, ununterbrochene Berufstätigkeit – meist des Ehemanns – ein ausreichendes Einkommen sowohl während der Berufstätigkeit als auch im Alter sicherstellte. Dies ist schon seit einigen Jahren nicht mehr der Fall. Es ist inzwischen nicht mehr nur der Wunsch nach eigener Erwerbstätigkeit, der im Vordergrund steht – viele Frauen sind aufgrund längerer Arbeitslosigkeit ihrer Partner dazu gezwungen, zum Familienunterhalt beizutragen.

Auch in den sozialpolitischen Reformen der letzten Jahre liegen Gründe für den längeren Verbleib im Beruf.

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