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Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Pflege

Aufgrund steigender Lebenserwartung wird es in unserer Gesellschaft immer mehr ältere Menschen geben, während die Zahl der Jüngeren wegen sinkender Geburten weiter abnimmt. Dies hat insbesondere Folgen für die Pflegebranche.

In Zukunft werden zunehmend ältere, multimorbide und demente Patienten von immer älterem Pflegepersonal versorgt. Die Folgen der Bevölkerungsentwicklung werden nicht nur im Bereich der Versorgung und der sozialen Absicherung zu spüren sein, denn immer weniger junge, berufstätige Menschen werden für die Altersversorgung der Pensionäre von morgen aufkommen müssen. Auch für die Arbeitswelt wird diese Entwicklung neue Herausforderungen mit sich bringen.

Schon demografisch bedingt wird es zu einem Rückgang der informellen – also der nicht professionell tätigen – Pflegepersonen kommen, insbesondere bei der Versorgung durch eigene Kinder. Noch werden etwa zwei Drittel der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt, meistens von Mitgliedern aus dem engeren Familienkreis – Kindern, Ehegatten, Lebenspartnern oder anderen engen Angehörigen. Doch können wir auch in Zukunft damit rechnen, dass Pflegebedürftige in diesem Umfang von Angehörigen versorgt werden? Vermutlich nicht. Schon heute sinkt die Zahl der Menschen, die im häuslichen Umfeld gepflegt werden.

Dieser Trend wird sich fortsetzen, denn das rechnerische Verhältnis von Pflegepotenzial zu Pflegebedürftigen (relatives Pflegepotenzial) wird neben den demografischen Tendenzen durch soziostrukturelle Faktoren verschärft. Dazu gehört beispielsweise eine zunehmend individualisierte Haushalts- und Familienstruktur, die sich in der steigenden Zahl von Einpersonenhaushalten niederschlägt. Die wachsende Frauenerwerbsquote wird die informelle Pflege durch vorwiegend weibliche Angehörige zusätzlich deutlich einschränken. Vor diesem Hintergrund zeichnet sich zwangsläufig eine Verschiebung von informellem zu professionellem Pflegepersonal ab.

Die Zahl der Pflegekräfte über 50 stieg von 2000 bis 2009 an: in der Gesundheits- und Krankenpflege, in der Altenpflege und bei den Gesundheits- und Krankenpflegehelfenden

Beschäftigte Pflegekräfte über 50 in den Jahren 2000 bis 2009 (Quelle: www.gbe-bund.de)

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Auch die Zahl der Personen, die für die berufliche Pflege zur Verfügung stehen, wird durch den demografischen Wandel beeinflusst. Bereits heute steigt der Anteil der über 50-Jährigen in der Altenpflege stetig an. Der Gesamtbedarf an Pflegekräften steigt erheblich – der Anteil im stationären Bereich ist dabei in etwa viermal so hoch wie im ambulanten Sektor. Die beiden gegenläufigen Trends – immer weniger Pflegende für immer mehr Pflegebedürftige – können zu Engpässen und zu mangelnder Qualität in der Pflege führen. Ist diese Entwicklung noch abzuwenden?

Lösungsansätze zur Minderung des Angebot-Nachfrage-Ungleichgewichts

Der demografische Wandel in Deutschland und der sich daraus ergebende höhere Bedarf an professionellen Pflegekräften sind vorerst nicht aufzuhalten. Eine Möglichkeit, dem zu erwartenden Arbeitskräftemangel zu begegnen, könnte eine Anpassung der Pflegearrangements an die veränderten Bedingungen sein. Anstelle der derzeit klar voneinander abgegrenzten Formen von vollstationärer, professioneller ambulanter und rein informeller Pflege sind gemischte Pflegearrangements denkbar, die die Pflege durch professionelle ambulante Dienste, Familien und Ehrenamtliche vereinen.

Ohne eine zusätzliche Bildungsoffensive im Bereich der Pflege wird der Bedarf an beruflich Pflegenden jedoch nicht gedeckt werden können. Es ist daher erforderlich, die Attraktivität des Berufs zu erhöhen, Karriereperspektiven anzubieten und deutlicher zu kommunizieren, dass es sich hier um eine produktive Wachstumsbranche handelt, in der es um eine bedeutsame gesellschaftliche Aufgabe und eine große Herausforderung geht. Gesundheitsvorsorge wird nicht nur im privaten Umfeld eine zunehmend wichtige Rolle spielen: Auch im Arbeitsleben werden Arbeitgeber und Berufsgenossenschaften verstärkt präventiv dafür sorgen müssen, dass Pflegekräfte so lange wie möglich gesund und motiviert in ihrem Beruf arbeiten können.

Es gibt also für alle Beteiligten ein großes Betätigungsfeld, um die prognostizierten demografischen Herausforderungen zu meistern. Den sozialen und demografischen Wandel wird man nicht aufhalten können. Aber Betriebe und Beschäftigte sowie Politik und Gesellschaft können in den kommenden Jahrzehnten Strukturen schaffen, die es auch unter veränderten Bedingungen ermöglichen, Pflegebedürftige qualitativ hochwertig und menschenwürdig zu versorgen.

Wenn Sie weitere Informationen wünschen, nutzen Sie bitte die Links und Veröffentlichungen. Unterstützungsangebote für Ihre betriebliche Arbeit finden Sie hier.

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