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Praxisbeispiel: Auch in schwierigen Situationen Chancen entdecken

Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow gGmbH

Von einem Tag auf den anderen ist alles anders: Kindertageseinrichtungen und Werkstätten sind geschlossen, in den Wohnstätten fehlen Betreuungsangebote. Dass eine gute Struktur auch in Ausnahmesituationen Handlungssicherheit bietet und wie mit vielen guten Ideen und Aktionen das Gemeinschaftsgefühl gestärkt wird, berichtet Geschäftsführerin Ines Mahnke im Interview.

Kurzinfo zu diesem Beispiel:

  • Darum geht es: Eine gute Struktur bietet auch in Ausnahmesituationen Handlungssicherheit.
  • Name: Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow
  • Branche: Das Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow gGmbH mit Hauptsitz in Mölln bietet in den Bereichen Wohn- und Arbeitsangebote, mobile soziale Dienste und integrative Kindertagesstätten Leistungen der Eingliederungshilfe/Teilhabe an.
  • Zahl der Mitarbeitenden: rund 600 Mitarbeitende an 50 Standorten in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein
  • Zahl der betreuten Personen: rund 1.600

Welches war die größte Herausforderung während der Corona-Krise und wie haben Sie in Ihrem Betrieb darauf reagiert?

Ines Mahnke, Geschäftsführerin Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow

Ines Mahnke, Geschäftsführerin Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow
(Foto: J. Quast)

Die größte Herausforderung war das Herunterfahren der Angebote in unseren Einrichtungen – Werkstätten für Menschen mit Behinderung, Tagesförderstätten, integrative Kindertagesstätten, Pädagogische Frühförderung und weitere mobile Dienste. Die Wohnstätten hatten dabei eine Sonderstellung, denn ein "Zuhause" für viele Menschen kann auch während der Corona-Pandemie nicht einfach geschlossen werden. Dort wiederum mussten die Betreuungsangebote ausgebaut werden, da die Bewohner und Bewohnerinnen werktags nicht mehr zur Werkstatt oder in die Tagesförderstätte gehen konnten. Das Unternehmen sowie die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mussten sich innerhalb kürzester Zeit umstrukturieren. Ich kann sagen: Mit sehr viel Engagement, Verständnis, Motivation und Teamfähigkeit eines jeden Einzelnen ist dies gelungen. So haben zahlreiche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus anderen Bereichen Dienstzeiten in den Wohnstätten übernommen.

Darüber hinaus hat unsere IT-Abteilung innerhalb kürzester Zeit Arbeitsplätze im Homeoffice (zum Beispiel für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus Risikogruppen) geschaffen. Dort wurden dann unter anderem Dokumentationsaufgaben erledigt, bestehende Projekte abgearbeitet und neue entwickelt. So konnten alternative Angebote zur Leistungserbringung durchdacht und umgesetzt werden. Dadurch haben die Beschäftigten aus unseren Werkstätten und die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der beruflichen Bildung beispielsweise regelmäßig Aufgaben per Post oder E-Mail erhalten. Durch diese enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mussten wir keine Kurzarbeit anmelden. Darüber hinaus ist es so gelungen, mit den beschäftigten und zu betreuenden Menschen mit Behinderung in Kontakt zu bleiben, sie weiterhin mit Aufgaben zu versorgen und ihnen ein Stück "Normalität" zu erhalten.

Was hat Ihnen und Ihren Beschäftigten geholfen, sicher und gesund durch die Krise zu kommen?

Eine große Hilfe war die Einrichtung eines Pandemieplanungsstabes für den gesamten LHW-Verbund. Dort arbeiten neben der Geschäftsführerin und deren Assistentin, die Ressortleitung der Fachabteilung Rehabilitation, Teilhabe und Projektentwicklung sowie eine Mitarbeiterin aus diesem Bereich, weiterhin eine Mitarbeiterin aus der Personalabteilung und die Fachkraft für Arbeitssicherheit und Datenschutz.

Der Planungsstab hat gemeinsam mit den Leitungskräften der Einrichtungen einen Pandemieplan erarbeitet, der stetig aktualisiert und angepasst wird. In diesem Pandemieplan wird zum Beispiel das Verfahren bei Verdacht oder Auftreten einer Infektion beschrieben, sodass die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen vor Ort Handlungssicherheit haben.

Darüber hinaus berät der Planungsstab Vermerke, Handlungsanleitungen und Maßnahmen jeglicher Art und setzt sie in Abstimmung mit der Geschäftsführerin um. Er sichtet auch die gültigen Erlasse und Verordnungen und wertet sie aus, um die relevanten Informationen an die Einrichtungsleitungen kommunizieren zu können. Für die Kommunikation nutzen wir das Dokumentenmanagementsystem "Roxtra". So erhalten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Lebenshilfewerkes einheitliche und verbindliche Informationen und können sich darüber hinaus in diesem System auch zum Thema Corona-Pandemie informieren.

Der Planungsstab trifft sich seit Beginn der Pandemie regelmäßig (zunächst zweimal täglich, dann täglich und zurzeit zweimal wöchentlich) und beantwortet sämtliche Fragestellungen aus den Einrichtungen. Damit sorgt er dafür, dass auf allen Ebenen Handlungssicherheit rund um das Thema Corona besteht.

Zusätzlich haben wir in den Möllner Werkstätten ein Zentrallager für persönliche Schutzausrüstung, wie Masken jeglicher Art, Visiere, Desinfektionsmittel und Spuckschutz, eingerichtet. Da gerade in der Anfangszeit der Pandemie persönliche Schutzausrüstung schwer erhältlich war, hat die zentrale Koordination und Lagerung für alle Einrichtungen das Sicherheitsgefühl aller Menschen im LHW-Verbund deutlich verbessert. Dieses System hat sich auch im Verlauf der Pandemie bewährt und bleibt daher erhalten.

Außderdem fertigen unsere Beschäftigten, Bewohnerinnen und Bewohner seit Beginn der Pandemie persönliche Schutzausrüstung selbst. So entstanden und entstehen unter anderem Mund-Nasen-Bedeckungen (zunächst für den Eigenbedarf und jetzt auch für Kunden) und Spuckschutz-Trennwände für Kantinen - teils im Homeoffice, teils unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln in den Einrichtungen.

Durch die Initiierung des Projekts "Verbunden bleiben" konnten wir das Gemeinschaftsgefühl und somit auch die psycho-soziale Gesundheit aller Personen im LHW-Verbund unterstützen.

Das Projekt, hat das Ziel, die Kontakte zwischen den Einrichtungen und zu den einzelnen Menschen, die nicht in die Einrichtungen kommen können, zu erhalten. Dies geschah bereits mit einer Vielzahl von Aktionen: Die Kinder unserer Kita aus Wentorf haben zum Beispiel für die Bewohnerinnen und Bewohner der Pflege- und Fördereinrichtung in Hagenow Kekse gebacken. Am "Oster-Drive-In" unserer Kita in Gadebusch konnten Eltern ein Körbchen für ihre Kinder abholen, das von den Mitarbeitenden vorbereitet wurde. Auch wurden an Personen im LHW-Verbund Armbänder verteilt, um das "Wir-Gefühl" während der Corona-Pandemie zu stärken.

Ferner sammeln wir seit Beginn der Pandemie für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter alle verfügbaren Beratungs- und Seelsorgemöglichkeiten in einer fortlaufenden Tabelle, die über "Roxtra" jederzeit einsehbar und abrufbar ist.


Wie kann es weitergehen – Ihr Tipp für andere Betriebe?

Uns allen ist klar, dass die Pandemie nicht vorüber ist. Wir werden daher auch in der neuen Normalität unter Pandemiebedingungen weiterhin als Pandemieplanungsstab tagen, weiterhin das Zentrallager betreiben und auch das Projekt "Verbunden bleiben" weiterführen.

Für andere Unternehmen und Betriebe – gerade im Bereich der Behindertenhilfe und Sozialarbeit – haben wir den Tipp, dass eine gute Struktur gerade in Ausnahmesituationen dem Personal Handlungssicherheit gibt und sich diese auf die zu betreuenden Menschen überträgt. So kann man auch in schwierigen Situationen, die den Alltag von heute auf morgen auf den Kopf stellen, Chancen entdecken, die einen selbst und auch das Unternehmen als Ganzes weiterentwickeln.
Besonders hervorzuheben sind hier die fachbereichsübergreifende Zusammenarbeit unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, der Einsatz von digitalen Medien zur Weiterentwicklung unserer Besprechungskultur und die vielen kleinen und großen wunderbaren Ideen unserer Belegschaft. So hat uns die Corona-Krise auf positive Art und Weise auch viele Chancen geboten, die wir jetzt und ebenso in Zukunft nutzen werden.

02.10.2020

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