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"Die Kampagne lädt ein, für eine gute Sache zu kämpfen"

Porträtfoto: Julia Ludwig-Hartmann

Julia Ludwig-Hartmann, Beraterin
(Foto: GRVBE – Fotografie | Videografie | Design)

Ernsthaftigkeit, Lust und Authentizität: Das zeichne eine gute Präventionskultur aus, sagt BGW-Beraterin Julia Ludwig-Hartmann, die mit ihrer Persönlichkeit für die Ziele und Inhalte der neuen Präventionskampagne "kommmitmensch" einsteht. Ernsthaft, authentisch und mit großer Freude geht sie auch ihrer Tätigkeit nach: Als ausgebildete Fachkraft für Arbeitssicherheit berät und schult sie seit 2010 Beschäftigte und Führungskräfte in BGW-Betrieben aller Größen und Branchen zu Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Was ihr zugutekommt: Sie kennt die beteiligten Seiten. Sie hat als Krankenschwester gearbeitet und als Geschäftsführerin einen ambulanten Pflegedienst geleitet. "Ich weiß, wie es Beschäftigten und Führungskräften geht", sagt die 54-Jährige. "Und weiß daher auch, was machbar ist", fügt sie schmunzelnd hinzu. "Ein 'Geht nicht' gibt's nicht."

Frau Ludwig-Hartmann, unsere Kampagne zur Präventionskultur ist soeben gestartet. Sie geben der Kampagne ein Gesicht. Wie kam es dazu?

Ich wurde gefragt! Das war eine große Ehre für mich. Die Kampagne ist zum jetzigen Zeitpunkt absolut notwendig und wichtig.

Warum?

Arbeitsschutz ist nach wie vor ein eher ungeliebtes Thema in den Betrieben. Führungskräfte sagen mir: "Wir haben doch schon ein funktionierendes Qualitätsmanagement, was brauchen wir denn noch?" Zugleich leiden sie unter einem hohen Krankenstand und Fachkräftemangel. Das Verständnis, in die Gesundheit der Beschäftigten ebenso zu investieren wie in ihre fachliche Qualifikation, muss sich durchsetzen. Da erhoffe ich mir von der Kampagne Unterstützung und Impulse.

Was verstehen Sie unter dem Kampagnentitel "kommmitmensch"?

Eine Aufforderung und Einladung zum Mitmachen. Ich höre auch das englische Wort für Engagement und Verpflichtung "commitment" heraus: Die Kampagne lädt ein, sich für eine gute Sache einzusetzen.

Was verstehen Sie unter Präventionskultur?

Sie ist das ernsthafte und stete Bemühen, gesunde Arbeitsbedingungen zu gestalten, um gesundes Arbeiten zu ermöglichen und zu leben. Nachlässigkeiten im Arbeitsschutz sind verwerflich, isolierte Gesundheitsprogramme fruchtlos. Eine selbstverständlich gelebte Präventionskultur drückt sich beispielsweise darin aus, dass Führungskräfte und Beschäftigte nicht allein aufgrund einer Arbeitsanweisung Schutzmaßnahmen befolgen, sondern aus eigener Verantwortung heraus. Das können sie, weil die Rahmenbedingungen stimmen, sie die Kompetenz dazu erwerben konnten und davon überzeugt sind.

Sie kennen alle Perspektiven aus eigener Erfahrung: die der Mitarbeiterin, der Führungskraft, der Beraterin und Dozentin.

Das ist in meiner jetzigen Tätigkeit sehr hilfreich. Ich weiß einfach, wovon ich spreche. Als ich Geschäftsführerin wurde, habe ich lediglich die Perspektive, nicht aber die Haltung geändert. So wie ich mich vorher als Krankenschwester mit ganzer Kraft für das Wohl der Klientinnen und Klienten eingesetzt habe, so engagierte ich mich als Leitung gleichrangig für das Wohl der Beschäftigten. Dazu gehörte, die Arbeit förderlich zu gestalten, die Kompetenzen der Beschäftigten zu stärken, gesundheits- und qualitätsgerechtes Arbeitsverhalten von jedem Einzelnen und für das Team einzufordern und durchzusetzen. Mitarbeiter- und Klientenzufriedenheit bedingen einander. Erfolg und Wirtschaftlichkeit ergeben sich daraus.

Welche Hürden und Stolpersteine stehen einer gelebten Kultur der Prävention im Wege, welche Haltungen und Maßnahmen befördern sie?

Ich finde es äußerst schwierig, wenn Führungskräfte Personalmangel und Mitarbeiterunzufriedenheit mit isolierten Gesundheitsprojekten bekämpfen wollen. Arbeits- und Gesundheitsschutz kann nicht punktuell und von außen aufgesetzt werden. Es muss integraler Bestandteil der Unternehmenspolitik und in die die betrieblichen Strukturen und Prozesse eingebettet sein. Nur wenn Sicherheit und Gesundheit bei allen Unternehmensentscheidungen, Entwicklungen, Abläufen und Bewertungen konsequent berücksichtigt werden, können sie sich in den Köpfen und Herzen aller Beschäftigten festsetzen.

Den Führungskräften kommt also eine herausragende Bedeutung zu?

Die entscheidende. Auch die Geschäftsleitung allein kann nichts bewegen, wenn die mittlere Führungsebene nicht mitmacht. Sie sind die maßgeblichen Akteurinnen und Akteure der Präventionskultur. Sie müssen für die Ideen werben, überzeugend dafür einstehen, mit gutem Vorbild vorangehen und die Maßnahmen umsetzen.

Als Beraterin sehen Sie die Potenziale eines Betriebs. Was sind erste, einfache Schritte, die Unternehmen in Angriff nehmen können?

(lacht) Als Erstes den Begriff "personelle Ressource" aus dem Wortschatz streichen! Wir reden von Menschen, nicht von Zahlen. Aber im Ernst: Fassen Sie den Mut zu einer kühnen Vision. Scheuen Sie dabei nicht, auch ein partielles Scheitern einzuplanen. Fragen Sie sich, was die Ursachen dafür sein könnten. Klären Sie für sich persönlich und im interdisziplinären Austausch, warum Sie präventiv tätig werden wollen und lassen Sie scheinbar widersprüchliche Absichten ruhig nebeneinander stehen. Nutzen Sie Bewährtes, denken Sie nicht immer kompliziert, es sind oft die kleinen und naheliegenden Dinge, die eine Unternehmenskultur ausmachen.

Autor(en): Petra Bäurle

25.04.2018

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