10.10.2008

Ausgabe 4/2008

Titelbild Young Help 4/2008

In der neuen YOUNG HELP geht es mit einen Landtierarzt und seiner Mitarbeiterin auf „Hausbesuch“. Wie Praxismitarbeiter am Telefon trotz Stress in der Praxis kompetent und freundlich bleiben - dazu gibt's Tipps vom Profi. Ein Facharzt für Neurologie und Psychiatrie verrät, was man tun kann, um besser durch die dunklen, grauen Jahreszeiten zu kommen. Außerdem: ein Porträt der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege.

Lesen Sie im Volltext: Keine Angst vor großen Tieren – YOUNG HELP hat die Mitarbeiter einer norddeutschen Tierarztpraxis bei ihrem Einsatz begleitet.

Keine Angst vor großen Tieren

Tiermedizinische Fachangestellte, die auf dem Land arbeiten, können sich über mangelnde Abwechslung nicht beklagen. Sie sollten aber auch kräftig zupacken können, eine gute Kondition haben und je nach Patient mit gefährlichen Tritten oder sogar unangenehmen Spuckattacken rechnen. YOUNG HELP hat die Mitarbeiter einer norddeutschen Tierarztpraxis bei ihrem Einsatz begleitet.

Christina Zöllner und Carsten Rehder spritzen einem Jungbullen ein Betäubungsmittel. Hier muss die Zusammenarbeit stimmen: Der Jungbulle bekommt eine Betäubungsspritze. Kurz vor acht Uhr ist Lagebesprechung. Ein Blick auf das sonnige Wetter und der Tierarzt Carsten Rehder (42) und seine tiermedizinische Fachangestellte Christina Zöllner (20) sind sich einig: Nach dem Dauerregen der letzten Tage steht heute endlich die Visite bei einer Galloway-Rinderherde auf dem Programm. Denn neben Katzen, Hunden, Kaninchen und Vögeln, die Rehder in seiner Kleintierpraxis in Preetz (bei Kiel) behandelt, gehören zu seinen Patienten auch große Vierbeiner wie Rinder, Pferde, Esel, Ziegen und Lamas. Bevor sie sich auf den Weg zu den robusten Rindern mit dem dunklen Zottelfell machen, schlüpfen die beiden in ihre mit Stahlkappen verstärkten Gummistiefel und packen neben Spritzen und Medikamenten auch zwei große, bedrohlich aussehende Zangen ein. „Damit werden wir gleich die etwa sechs Monate alten Bullenkälber kastrieren, indem wir bei ihnen die Samenstränge abklemmen. Vorher müssen wir sie allerdings von der Herde trennen und dorthin treiben, wo wir sie in Ruhe betäuben können“, erklärt Rehder.

Angst vor dem Umgang mit großen Tieren hat Christina Zöllner nicht, obwohl sie zu Beginn ihrer Ausbildung vor drei Jahren hauptsächlich an die Betreuung von Katzen und Hunden dachte. „Das tägliche Rausfahren war dann aber ein sehr positiver Nebeneffekt. Inzwischen bin ich ein richtiger Rinder-Fan geworden. Es sind ganz tolle Tiere“, schwärmt die junge Frau. Trotz aller Begeisterung weiß sie natürlich auch, dass im Umgang mit Vieh und Pferden Gefahren lauern. Das Tragen von medizinischen Einmalhandschuhen bei Kontakt mit Blut, Sekreten oder Ausscheidungen ist selbstverständlich und ja auch bei den Kleintieren Pflicht.

Foto: Carsten Rehder und Christina Zöllner impfen einen Ziegenbock. Konzentriert bei der Sache: Ziegenbock "Prinz" wird geimpft. Bei Großtieren muss jedoch zusätzlich mit schmerzhaften Tritten gerechnet werden. Wie sie sich davor schützt, hat Christina gleich zu Beginn ihrer Ausbildung von ihrem Chef gelernt. So halten zum Beispiel die Stahlkappen in den Gummistiefeln auch einer 500 Kilogramm schweren Kuh stand. Außerdem sollte, wer Pferde behandelt, möglichst nahe bei ihnen stehen, damit ihn ein Tritt nicht mit voller Wucht trifft. Und um sich vor den Beinen eines auf der Seite liegenden Rindes zu schützen, wird es mit einem Strick festgebunden und -gehalten.

Und genau das macht Christina Zöllner gerade, nachdem sie den störrischen Galloway-Kälbern immer wieder hinterhergelaufen ist, sie geschoben, gezogen und schließlich, als sie betäubt zu Boden gingen, in die richtige Position gewälzt hat. „Da kommt mir zugute, dass ich regelmäßig mit meinem Hund jogge und deswegen ziemlich fit bin“, sagt sie lachend. Nach knapp anderthalb Stunden ist die Arbeit erledigt, die kleinen Rinder, die jetzt zu Ochsen geworden sind, haben sich taumelnd erhoben und muhen lauthals ihre Geschwister auf der anderen Seite des Zaunes an.

Bevor sie wieder in die Praxis zurückfahren, haben Carsten Rehder und seine Mitarbeiterin noch eine besonders heikle Aufgabe zu erledigen. Auf einem Bauernhof sollen Alpakas gegen Milbenbefall geimpft werden. Und dabei ist, wie Christina Zöllner aus eigener Erfahrung weiß, erhöhte Vorsicht geboten. Sie erinnert sich: „Nadelstiche finden Lamas gar nicht witzig und so bespuckten sie uns einmal zielsicher mit jeweils einer Portion Pansensaft. Ausweichen konnten wir zwar nicht mehr, aber wenigstens noch schnell die Augen schließen.“

Medientyp: Magazin Young Help