29.06.2010
Ausgabe 3/2010
Eine Praxis zu organisieren, kann die Nerven an manchen Tagen auf eine harte Probe stellen – eine erfahrene Praxisberaterin verrät, wie man trotzdem den Durchblick behält. Eine Vorraussetzung für einen guten Start in den Tag ist ein gesundes Frühstück. Die Zutaten dazu liefert YOUNG HELP in der aktuellen Ausgabe. Dem Erfolg auf die Sprünge helfen können angehende medizinische Fachangestellte mit Kursen zur Prüfungsvorbereitung. Und das Sommerthema in diesem Heft : Endlich Urlaub – was zur Erholung wirklich wichtig ist.
Lesen Sie im Volltext: Zu Besuch in einer Landarztpraxis

Pflaumenkuchen inklusive
Als TV-Serie ist „Der Landarzt“ ein Erfolg. In der Realität sieht es jedoch anders aus: Mediziner und medizinische Fachangestellte zieht es mehr in die Stadt als in kleine, von Wiesen und Wäldern umgebene Orte. Dabei hat der Praxisalltag in Dörfern und Gemeinden viele Vorteile – auch für Azubis. Davon konnte sich YOUNG HELP bei einem Besuch im Norden Schleswig-Holsteins überzeugen.
Um fünf Uhr morgens ist für Patricia Kahle die Nacht zu Ende. Jetzt nur nicht trödeln, denn pünktlich um sechs fährt der Bus ab, der die 16-Jährige von Flensburg nach Gelting bringt. Eine Stunde dauert die Fahrt, vorbei an Feldern und Pferdekoppeln, an Kühen und Bauernhöfen. In dem kleinen Kneippkurort an der Ostsee angekommen, sind es dann nur noch wenige Meter bis zu der Gemeinschaftspraxis, in der die junge Frau seit einem Jahr ihre Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten absolviert.
Richtig entschieden
Zwei Stunden Fahrtweg täglich – hätte sie es nicht einfacher haben und eine Praxis in ihrer Heimatstadt Flensburg finden können? „Klar“, nickt Patricia zustimmend, „ich hatte zuerst auch einen Ausbildungsplatz nur fünf Minuten von zu Hause entfernt. Aber weil es mir dort überhaupt nicht gefiel, habe ich mich hier beworben.“ Eine Entscheidung, die sie bis heute keine Minute bereut hat. Ein Grund dafür ist, dass sie täglich neue Erfahrungen sammeln und eine Menge lernen kann. Denn die Patienten kommen mit vielen verschiedenen Krankheiten in die Praxis und suchen nicht, wie in der Stadt üblich, gleich einen Facharzt auf. So darf Patricia die Instrumente für ambulante Operationen vorbereiten, im Labor sowie bei der Blutabnahme helfen, Verbände anlegen und bei Belastungs-EKGs, Ultraschalluntersuchungen, lokalen Anästhesien, der Wundversorgung oder Lungenfunktionsprüfungen dabei sein. Zugleich lernt sie, welche Hygienemaßnahmen jeweils zu beachten sind.
„Diese Vielfalt macht auch für uns Landärzte die Arbeit so interessant. Wir decken ein sehr großes Behandlungsspektrum ab und das Alter unserer Patienten umfasst die Spanne vom Kleinkind bis zum Greis“, erklärt Dr. med. Michael Weiß. Der 43-Jährige ist einer von drei Ärzten in der Gemeinschaftspraxis, die täglich ab 7.30 Uhr bis zu elfeinhalb Stunden sowie am Samstagvormittag besetzt ist. Mindestens eine der drei medizinischen Fachangestellten ist in dieser Zeit immer zu erreichen.
„Wenn Patienten aus bestimmten Gründen nicht in die Praxis kommen können, machen wir bis zu einer Entfernung von etwa zehn Kilometern Haus- oder Heimbesuche. Das ist so häufig der Fall, dass jeden Tag einer von uns Ärzten unterwegs ist“, beschreibt Dr. Weiß eine der Hauptaufgaben, die das typische Bild vom Landarzt geprägt haben. Übrigens spielt auch die beliebte Fernsehserie in dieser Region, und die „echten“ Landärzte aus Gelting haben während der Dreharbeiten schon öfter mit Tipps sowie medizinischen Instrumenten ausgeholfen.
Heute hat der Mediziner seine Arzttasche für eine Visite im nahe gelegenen Altenheim gepackt und Patricia darf ihn sogar ausnahmsweise dorthin begleiten. Sie soll einer Bewohnerin den Blutdruck messen und Blut abnehmen. Kein Problem für die Auszubildende, denn das gehört ebenso wie die Assistenz bei kleinen OPs zu ihren Lieblingsaufgaben. „Obwohl ich mich schrecklich anstelle, wenn bei mir selbst Blut abgenommen wird“, gibt die junge Frau mit dem rotblonden Pferdeschwanz lachend zu.
Oft eingeladen
Neben der Vielseitigkeit der Aufgaben gibt es einen weiteren Grund, warum die Norddeutsche von der „Arbeit auf dem Land“ begeistert ist: die herzliche und familiäre Atmosphäre. „Ich gehörte von Anfang an dazu, die Menschen sprechen mich auf der Straße an, unser Praxisteam wird zu Dorf- und Familienfesten eingeladen und regelmäßig mit selbst gebackenem Pflaumen-, Apfel- oder Butterkuchen verwöhnt. Und wenn ein Patient mal schlechte Laune hat, hilft meistens ein witziger Spruch. Diese Lockerheit und Aufgeschlossenheit finde ich super“, freut sich Patricia. Und dafür nimmt sie auch gerne in Kauf, dass der Tag für sie schon morgens um fünf beginnt.
Medientyp: Magazin Young Help




