02.02.2010

Ausgabe 1/2010

Titelbild Young Help 1/2010

Müde Augen müssen nicht sein. YOUNG HELP verrät, was man tun kann, damit der Tag am PC ohne unangenehme Folgen und der Blick auch nach Feierabend frisch bleibt. Im Interview berichtet eine erfahrene Zahnärztin, wie Hypnose dabei helfen kann, die Situation bei der Zahnbehandlung für ängstliche Patienten und Praxisteam gleichermaßen zu entspannen. Eine Kommunikationstrainerin erklärt, wie man am besten auf Beschwerden von Patienten reagiert. Um gefährlichen Zahnschmuck und Arbeitsunfälle in Tierarztpraxen geht es in den News.

Lesen Sie im Volltext: Notfälle in der Praxis – Situationen richtig einschätzen und notwendige Maßnahmen durchführen

Notfälle in der Praxis

Wenn ein Patient bewusstlos wird, über Brustschmerzen klagt oder eine allergische Reaktion zeigt, können die Gründe und der Verlauf vergleichsweise harmlos sein. Es kann aber auch um Leben oder Tod gehen. Was Sie als angehende medizinische Fachangestellte wissen sollten, um die Situation richtig einzuschätzen und die notwendigen Maßnahmen durchzuführen, erklärt Ihnen in YOUNG HELP eine versierte Rettungsmedizinerin.

Während der Blutabnahme hatte die 64-jährige Patientin noch von ihren Enkelkindern erzählt, als sie plötzlich ganz blass wird und kurz darauf das Bewusstsein verliert. Wüssten Sie, was jetzt zu tun ist? Wer sich nicht ganz sicher ist: Heike Bergmeyer-Szuba (60), Oberärztin am Institut für Notfallmedizin in Hamburg, zeigt am Beispiel von sechs typischen Notfallsituationen, wie Sie helfen können.

Bewusstlos I

Beim Blutabnehmen kann es aufgrund einer Fehlsteuerung der Nerven zur Erweiterung der
Blutgefäße und einer Minderdurchblutung des Gehirns kommen. Verliert der Patient das
Bewusstsein, ihn flach auf den Boden legen und die Beine hochlagern. Meistens ist er innerhalb
einer Minute wieder bei Bewusstsein. Helfen Sie ihm dann beim Aufsitzen, bieten Sie ihm etwas zu trinken an und messen Sie im Sitzen den Blutdruck. Erst wenn diese Werte o.k. sind und der Patient beim Hinstellen und Gehen völlig beschwerdefrei ist, kann er die Praxis verlassen. Im Zweifel immer den Arzt hinzuziehen.

Bewusstlos II

Wird der Patient im Wartezimmer bewusstlos, ist das eine sehr ernste Situation. Rufen Sie laut „Hier ist ein bewusstloser Patient“, und holen Sie eine Kollegin zu Hilfe, um ihn ins Untersuchungszimmer zu bringen. Dort die Beine hochlagern. Ist der Arzt anwesend, wird er die Behandlung übernehmen. Im anderen Fall sofort den Notruf 112 wählen. Atmet der Patient nicht, umgehend mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen. Das Wichtigste dabei ist eine Herzdruckmassage. Unbedingt beim Patienten bleiben.

Allergie

Kommt es zum Beispiel wegen eines Wespenstichs oder einer Lebensmittelallergie zu einer leichten, begrenzten Hautrötung, besteht keine Gefahr. Das Beschwerdebild kann jedoch schnell schlechter werden, es können schwere Atemnot bis hin zum Kreislaufschock auftreten. Deswegen sorgfältig beobachten und gegebenenfalls rechtzeitig medizinische Hilfe holen. Bei Verschlechterung des Allgemeinzustands umgehend den behandelnden Arzt der Praxis rufen.

Brustschmerzen

Diese Beschwerden können vom Herzen, der Lunge, der Speiseröhre, der Wirbelsäule und den Rippen hervorgerufen werden. Da auch lebensbedrohliche Erkrankungen wie ein Herzinfarkt oder eine Lungenembolie als Ursache infrage kommen, den Schmerz sehr ernst nehmen und den Arzt sofort informieren. Bei Luftnot Oberkörper des Patienten schräg lagern, Atmung erleichtern, beengende Kleidung öffnen.

Atemnot

Ähnlich wie bei den Brustschmerzen können die Ursachen vielfältig sein und auf eine schwere Erkrankung hindeuten. Daher auf jeden Fall den Arzt informieren. Als erste Maßnahme den Patienten schräg aufrichten, um ihm das Atmen zu erleichtern. Nie flach hinlegen. Außerdem einengende Kleidung wie Hemden, Krawatten oder Schals aufknöpfen beziehungsweise lockern.

Krampfanfall

Bei einem großen epileptischen Anfall stürzt der Patient zu Boden, zuckt am ganzen Körper, läuft blau an und hat Schaum vor dem Mund. Da niemand weiß, wie lange der Anfall dauert, sofort den Praxisarzt sowie den Rettungsdienst rufen. Bis Hilfe eingetroffen ist, den Patienten auf den Rücken drehen, alle spitzen und harten Gegenstände zur Seite schieben und bei ihm bleiben. Nie den Patienten festhalten oder gewaltsam seinen Mund öffnen.

Grundsätzlich gilt, dass Ihre Hilfe beim Patienten benötigt wird. Um den Arzt zu rufen, nicht vom Patienten weggehen, sondern andere beauftragen, den Arzt zu holen.

Weitere Infos sowie Kursangebote zum Thema „Notfalltraining in der Arztpraxis“ gibt's unter www.ifn-hamburg.de.

Medientyp: Magazin Young Help