02.02.2010

Ausgabe 1/2010

Titelbild Young Care 1/2010

YOUNG CARE spricht mit einem Hospiz-Experten über das Thema „Abschied nehmen" und geht auf die Besonderheiten in der Kommunikation von schwerstkranken und sterbenden Patienten ein. Was bei der Hautpflege in der kalten Jahreszeit unbedingt beachtet werden sollte – auch dazu gibt es Tipps im neuen Heft. Eine Pflegeexpertin erklärt, wie man mit weit verbreiteten Vorurteilen gegenüber dem Pflegeberuf besser umgehen kann. Und die Schauspielerin Mariella Ahrens, die 2005 die Initiative „Lebensherbst e. V.“ gründete, berichtet von ihrem Engagement in der Altenpflege. Außerdem gibt es Mode, News und Fitness!

Lesen Sie im Volltext: Sich gegenseitig begeistern – Warum alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Erika-Gerstung-Haus dort noch sehr lange arbeiten möchten

Sich gegenseitig begeistern

Ein Pflegewohnheim, in dem wirklich jede Mitarbeiterin sagt, dass sie hier noch lange arbeiten möchte – wo gibt's denn so etwas? In Lübeck! Wie es dem Erika-Gerstung-Haus der DRK-Schwesternschaft gelungen ist, ein so vorbildliches Wohlfühlklima zu schaffen, hat YOUNG CARE bei einem Besuch in der Hansestadt erfahren.

Wer ist wer? Das herauszufinden, ist bei den Zwillingsschwestern Jessica und Franziska Tiedemann gar nicht so leicht. Das Gesicht, die kurzen blonden Haare, die modische Brille, das freundliche Lächeln: alles zum Verwechseln ähnlich. Und auch bei der Begeisterung über ihren Ausbildungsplatz herrscht völlige Überein stimmung. Nach dem die beiden 20-Jährigen zuvor in anderen Einrichtungen schon gute Praktikumserfahrungen gesammelt hatten, merkten sie schnell, dass es ihnen im Erika-Gerstung-Haus am allerbesten gefällt: „Das Miteinander unter den Kolleginnen, die gegenseitige Unterstützung und das Angebot an Weiterbildungen fanden wir vom ersten Tag an einfach spitze.“

Unter den Top Ten

Wie richtig die Zwillinge mit ihrer Einschätzung lagen, zeigte dann auch der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Kooperation mit der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) geförderte Wettbewerb „Great Place to Work“, an dem das DRK-Pflegewohnheim im vergangenen Jahr erstmals teilnahm. Auf der Liste der „Besten Arbeitgeber im Gesundheitswesen 2009“ platzierte sich die Einrichtung der Schwesternschaft unter den Top Ten.

Foto: Das Team des Erika-Gerstung-Hauses bei einer Besprechung. Auch bei der Arbeitsbesprechung ist eine gute Atmosphäre wichtig. „Dass wir gut sind und eine hochwertige Arbeitsplatzkultur haben, davon waren wir schon vorher überzeugt. Aber dieser Erfolg hat uns doch überrascht“, erklärt Oberin Irma Totzki und überfliegt noch einmal den Bogen mit den Umfrageergebnissen. Denn neben einer Standortbestimmung im Vergleich mit anderen Einrichtungen war der 64-jährigen überaus aktiven Heimleiterin vor allem das Feedback ihrer Mitarbeiterinnen wichtig. Und das hätte kaum besser ausfallen können. So nahmen nicht nur 98 Prozent von ihnen an der Befragung teil, sondern die allermeisten bestätigten auch ihre große Zufriedenheit in Bereichen wie Glaubwürdigkeit, Respekt, Fairness, Weiterbildung oder Teamgeist.

Was zu dieser Wohlfühlatmosphäre bei trägt? Jessica Tiedemann nennt es ein „Gesamtpaket“, das prall mit Angeboten und Aufmerksamkeiten gefüllt ist, die keineswegs überall selbstverständlich sind. Zum Beispiel wird darauf geachtet, dass jede Pflegekraft eine Rückenschule absolviert und sich innerhalb der ersten zwei Jahre in Kinästhetik, Bobath, der Basalen Stimulation und Aromatherapie weiterbildet. Außerdem werden Mitarbeiterinnen besucht, die im Krankenhaus liegen, bei den Arbeitszeiten ist eine flexible Einteilung möglich, wer ein Schulkind hat, kann bevorzugt Urlaub in den Ferien nehmen und natürlich werden auch alle Geburtstage gefeiert. Nicht zuletzt sorgen die Heimkatzen Fritzi und Rudi für lustige Situationen, etwa wenn sie es sich im Korb auf einem Rollator gemütlich machen und sich über den Flur schieben lassen.
Wen wundert es, dass bei der Arbeitsplatzbefragung fast jeder angab, sich „wie in einer Familie zu fühlen“?

Spaß muss sein

Im Gegenzug erwarten Irma Totzki und die Pflegedienstleiterin Anke Ehrlich von ihren Mitarbeiterinnen aber auch die Bereitschaft, sich neuen Herausforderungen zu stellen, neugierig zu bleiben, einen liebevollen, wertschätzenden Umgang mit den Bewohnern zu pflegen und sich gegenseitig zu begeistern. „Auch wenn es mal schwere Stunden oder Tage gibt, zu 90 Prozent sollte dieser Beruf Spaß machen. Das halte ich für ganz wichtig“, betont Anke Ehrlich. Ob die Zwillinge diese positive „Vorgabe“ erfüllen? „Hundertprozentig“, antwortet Jessica lachend und stimmt auch darin mit Franziska überein.

Medientyp: Magazin Young Care