08.10.2009
Hautkrankheiten im Beruf: jährlich bis zu 1,8 Milliarden Euro Kosten - BGW: Chronifizierung und Berufsausstieg können verhindert werden
Ekzeme an den Händen werden in vielen Berufen immer noch als etwas angesehen, womit man leben muss. Kaum bekannt ist, dass solche Hauterkrankungen die deutsche Wirtschaft jährlich bis zu 1,8 Milliarden Euro kosten – für Arbeitsausfall, Therapie und Umschulungen. Dabei gibt es inzwischen wirkungsvolle Programme, mit denen Betroffenen so effektiv geholfen werden kann, dass sie in ihrem Beruf bleiben können, meldet die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW).

Es handelt sich um die häufigste berufsbedingte Krankheit in Deutschland. In manchen Branchen sind bis zu 10 Prozent der Berufstätigen und sogar bis zu 30 Prozent der Berufsanfänger betroffen. Viele junge Friseure, Pflegekräfte, Reinigungskräfte, Bauarbeiter, Floristen, Metallarbeiter, Schlachter, Bäcker und andere steigen, kaum dass sie eine Ausbildung begonnen haben, schon wieder aus. In der Altersgruppe zwischen 15 und 25 Jahren machen Hautkrankheiten 90 Prozent der Berufskrankheiten aus.
Kosten pro Erkrankungsfall über 100.000 Euro
Beschäftigte über 25, die Ekzeme und Allergien erst im späteren Berufsleben bekommen, versuchen meist, irgendwie damit zurechtzukommen – so lange, bis es nicht mehr geht. Dann bleibt nur noch die Arbeitslosigkeit oder eine Umschulung, die die Sozialversicherung in Deutschland schnell 100.000 Euro pro Fall und mehr kosten kann. Zu der beruflichen Katastrophe kommt die persönliche: „Hautkrankheiten schränken die Lebensqualität ebenso stark ein wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Nur: Hautkrankheiten gelten als Lappalie – solange bis man selbst eine hat“, berichtet Prof. Dr. Swen Malte John, Leiter der Abteilung Dermatologie und Umweltmedizin der Universität Osnabrück. „Schon Alltagstätigkeiten, zum Beispiel Anziehen, sind mit rissigen und wunden Händen eine Strapaze, ganz abgesehen von den vielen sozialen Kontakten, die über die Hände ablaufen.“
Wasser schädigt die Haut
In vielen Berufen ist es die tägliche Arbeit mit Chemikalien, die die Haut oft schon nach kurzer Zeit in Mitleidenschaft zieht. Doch es müssen nicht einmal aggressive Stoffe sein – schon Wasser genügt: Es weicht die Haut auf, schwemmt die Hautfette aus und zerstört die natürliche Schutzfunktion. Schädliche Substanzen können leichter und tiefer eindringen und Entzündungen verursachen. „Wer zum Beispiel im Friseurberuf täglich Haare wäscht, hat ein hohes Risiko, früher oder später ein hartnäckiges Ekzem zu bekommen, wenn er seine Hände nicht schützt“, erläutert Prof. John.
Effektive Präventionsprogramme der BGW
Die BGW als gesetzliche Unfallversicherung von Unternehmen und Beschäftigten im Gesundheitswesen sowie in der Friseur- und Beauty-Branche gilt in Deutschland als „die“ Haut-Berufsgenossenschaft. Bei ihr sind zahlreiche Haut-Risikoberufe wie Friseure und Pflegekräfte versichert; Hauterkrankungen machen bei ihr über 50 Prozent aller gemeldeten Berufskrankheiten aus. Mit Unterstützung der Universität Osnabrück hat die BGW sehr effektive Präventionsprogramme entwickelt, die entscheidend dazu beigetragen haben, dass die gemeldeten Hauterkrankungen in den letzten 15 Jahren deutlich zurückgegangen sind. Besonders erfolgreich ist dabei das Programm der „Sekundären Individualprävention“ (SIP), das Therapie und Prävention miteinander verbindet. „Es geht darum, Menschen, die erste Auffälligkeiten an ihrer Haut beobachten, so früh wie möglich nicht nur zu behandeln, sondern ihnen das notwendige Wissen zu vermitteln, wie sie ihre Haut so gut schützen, dass sie beschwerdefrei weiter ihren Beruf ausüben können“, beschreibt Dr. Thomas Remé von der BGW das Verfahren. „Wenn das gelingt, kann in den meisten Fällen eine Chronifizierung und der Berufsausstieg verhindert werden.“
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