24.11.2009
Neue berufliche Qualifikation: Deeskalationstrainer - BGW vermittelt Strategien, um aggressiven Situationen vorzubeugen
Übergriffe verwirrter oder aggressiver Menschen auf das Personal sind in Pflege- und Betreuungseinrichtungen keine Seltenheit. Inzwischen gibt es in einigen Einrichtungen so genannte Deeskalationstrainer. Sie werden von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) im Rahmen eines Pilotverfahrens ausgebildet.

Gewalt in der Pflege wird oft mit Übergriffen von Pflegekräften auf Pflegebedürftige gleichgesetzt. Häufig ist aber das Gegenteil der Fall: Erfahrungsberichte zeigen, dass für viele Beschäftigte verbale, aber auch körperliche Gewalt von Betreuten zum Berufsalltag gehört. „Abgesicherte Studien in Deutschland zu diesem Thema gibt es nur wenige“, berichtet Diplom-Psychologin Annett Zeh von der BGW, der gesetzlichen Unfallversicherung für Pflegekräfte. „Nationale und internationale Untersuchungen deuten darauf hin, dass 40 bis 50 Prozent, zum Teil sogar über 90 Prozent der Beschäftigten Gewalt erlebt haben.“
Angriffe werden bagatellisiert
Aggressives Verhalten ist oft durch den gesundheitlichen Zustand oder die spezifische Situation der betreuten Menschen begründet. „Viele Pflegekräfte sehen dies daher als unvermeidlichen Bestandteil ihres Berufes an“, so die BGW-Expertin. „Auch die Angst, als unprofessionell zu gelten, führt dazu, dass Angriffe als Selbstverständlichkeit hingenommen oder bagatellisiert werden.“
Ausbildung zu Deeskalationstrainern
Die BGW versucht daher seit einiger Zeit, das Thema zu enttabuisieren und zu professionalisieren. Sie bietet im Rahmen einer Pilotphase Einrichtungen des Gesundheitswesens, der Pflege und der Betreuung unter anderem an, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Deeskalationstrainern auszubilden. Deren Aufgabe ist es, ihre Kollegen zu schulen und ein Deeskalations-Management für die Einrichtung aufzubauen. Das bedeutet, dass Kenntnisse vermittelt werden, wie zum Beispiel durch die Gestaltung der Räumlichkeiten, durch Gesprächsführung, frühzeitige Wahrnehmung oder mit Notrufsystemen Gewaltsituationen im Vorfeld verhindert werden können. In geringerem Umfang werden auch patientenschonende Abwehr- und Fluchttechniken eingeübt. „Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass bereits durch kleine Maßnahmen die Zahl und Schwere von Zwischenfällen reduziert werden kann“, berichtet Annett Zeh. „Je früher geschulte Kräfte einen konfliktreichen Prozess deeskalieren, desto besser.“
ca. 2.320 Anschläge
Medientyp: Presseinformation
Ausbildung innerbetriebliche Deeskalationstrainerinnen und -trainer |
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