18.06.2009
Beispiel Gute Praxis Einrichtung Klinik
Einrichtung: MediClin Klinik an der Lindenhöhe, Offenburg
Multiplikator: Herr Dr. Zimber
Bezirksstelle: Karlsruhe

- Wie groß ist das Unternehmen? Wie viele Mitarbeiter arbeiten dort?
Die MediClin Klinik an der Lindenhöhe ist eine Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik und bietet 155 Plätze für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. In der Klinik sind insgesamt 332 Mitarbeiter tätig. Die Belegschaft setzt sich zusammen aus: 46 Ärzten, Therapeuten und Psychologen für die Betreuung Erwachsener und 34 für die Betreuung von Kindern und Jugendlichen, 229 Pflegekräften sowie 23 Verwaltungsmitarbeitern. Was war der Grund für die Maßnahme? Was gab es für Probleme?
Die wesentlichen Gründe für die Teilnahme am Programm waren:- die hohe Arbeitsbelastung durch eine überdurchschnittlich hohe Belegung
- starke Rückenprobleme bei vielen MitarbeiterInnen (eventuell durch falsches Heben)
- Kommunikationsprobleme vor allem zwischen Pflegekräften und Ärzten
- vereinzelt Gewalteskalation (beispielsweise verbale Drohungen)
- Dauerkranke und Suchtprobleme in einzelnen Teams
Wie gestaltete sich die Lösung?
Aufgrund der oben genannten Probleme entschloss man sich, im Pflegebereich das Programm „Betriebliche Gesundheitsförderung durch Personalentwicklung“ durchzuführen. Die Planung und Durchführung der Maßnahmen lag im Wesentlichen in den Händen des Steuerkreises und des Multiplikators.
Aus der Bedarfsanalyse ergaben sich folgende Zielsetzungen für das Projekt:
Ziele für die Ebene der Leitungskräfte:- Strukturierung der Arbeit nach vorgegebenen Zielen und Delegation von Arbeitsaufgaben
- Besser für sich selbst sorgen können
Ziele für die Ebene der MitarbeiterInnen:
- Gemeinsame Formulierung von Unter- und Obergrenzen, ab wann der Krankenstand noch als „normal“ gilt und ab wann er zu hoch ist
- Offenere und direktere Kommunikation mit dem Vorgesetzten
- Größere Klarheit über die eigene Verantwortung
- Offene Ansprache von Konflikten und mehr Selbstbewusstsein
- Besser für sich selbst sorgen können
Ausgehend davon wurden beide Zielgruppen an mehreren Terminen zwischen Juni und Dezember 2008 – folgende Maßnahmen durchgeführt:
Für die Leitungskräfte:- „Führungskräften den Rücken stärken“ (3 Termine / insgesamt 4 Tage mit 16 beziehungsweise 13 TeilnehmerInnen)
Für die MitarbeiterInnen der Pflege:
- „Konflikte konstruktiv bewältigen“ (1 Tag, 6 TeilnehmerInnen)
- „Eigenverantwortung entwickeln“ (1 Tag, 9 TeilnehmerInnen)
- Wie kann der Erfolg definiert werden?
Trotz einzelner Probleme wird das Projekt insgesamt positiv bewertet. Gerade die Methode der kollegialen Beratung stieß bei den Beteiligten auf großen Anklang und soll auch über den Projektzeitraum hinaus weiter im Arbeitsalltag angewandt werden. Auch der Steuerkreis wird weiterhin aktiv bleiben und zum Beispiel weitere Schulungen für die MitarbeiterInnen koordinieren. - Wie bewertet der Betrieb die Durchführung?
Im Rahmen der Erfolgskontrolle wurde das gesamte Projekt anhand der Rückmeldungen der TeilnehmerInnen, des Multiplikators sowie des Steuerkreises bewertet. Insgesamt wurde über die etwa eineinhalbjährige Projektlaufzeit ein positives Fazit gezogen. Als positiv empfanden die TeilnehmerInnen vor allem die angenehme, offene Arbeitsatmosphäre, die kollegiale Beratung, die vor allem bei den Führungskräften sehr gut funktionierte, die bedarfsorientierte Zusammenstellung der Schulungsthemen, die Teilnahme des vollständigen Leitungsteams am Projekt sowie die finanzielle Förderung durch die BGW. Darüber hinaus wurde die Kompetenz des Multiplikators ebenso gelobt wie die Kontinuität der Begleitung und die Projektkoordination durch den Steuerkreis.
Negativ bewertet wurde die Tatsache, dass die MitarbeiterInnen an der Basis insgesamt noch nicht ausreichend einbezogen wurden, diese zu wenige Projektinformationen erhielten und die Auswahl der SchulungsteilnehmerInnen nicht immer nachvollziehbar waren. Zudem wurde kritisiert, dass die Pflegedienstleitung nicht in die Fortbildungen einbezogen wurde, letztlich nur die Pflegekräfte erreicht wurden und nicht alle Leitungskräfte Transfergespräche führten. Auch der Wechsel des Direktors wurde als kritisch bewertet.
Die Klinik ist dennoch insgesamt zufrieden und möchte das Programm weiter fortführen. So sollen die bereits angesprochenen Themen in den einzelnen Pflegeteams im Rahmen regelmäßiger kollegialer Praxisberatungen weiter verfolgt werden (Titel: „Uns gegenseitig den Rücken stärken“). Hierfür durchlaufen zwei MitarbeiterInnen pro Team eine Moderatorenschulung. Auch der Steuerkreis soll weiterhin aktiv bleiben und sich unter anderem um die Auswahl weiterer Schulungsteilnehmer sowie die Vorbereitung der Schulungsinhalte kümmern. - Weiterführende Links
Abschlussbericht - Wie lauten die Ansprechpartner?
Multiplikator: Herr Dr. Andreas Zimber, Telefon (06221) 65 68 65
Einrichtung: Frau Silvia Darnia (PDL), Telefon (0781) 91 92 241 - Originalzitate
„Ich habe viel über mich als Führungskraft nachgedacht.“
„Ich habe jetzt mehr Interesse, den Konfliktpartner zu verstehen und sachlich zu bleiben.“
„Ich bin doch froh, da gewesen zu sein!“
Medientyp: Infomaterial




