31.08.2009
Tuberkulosevorsorge bei Beschäftigten im Gesundheitsdienst
Die Wahrnehmung des beruflichen Tuberkulose-Infektionsrisikos für Beschäftigte im Gesundheitswesen hat sich in den vergangenen Jahren tiefgreifend verändert. Insbesondere molekular epidemiologische Studien mittels Fingerprinting sowie Evaluationsstudien zum Interferon-Gamma-release assay (IGRA) haben unser Verständnis von der Epidemiologie der Tuberkulose im Gesundheitswesen in Ländern mit niedriger Tuberkulose-Inzidenz verbessert.

In der Hamburger Fingerprintstudie waren 80% der Tuberkulose-Erkrankungen bei Beschäftigten im Gesundheitsdienst durch eine Übertragung am Arbeitsplatz verursacht. In einer vergleichbaren niederländischen Studie waren es 43%. Neben den typischen Einrichtungen, in denen Tuberkulose-Patienten behandelt oder Sputumproben untersucht werden, bestehen erhöhte Infektionsrisiken auch für den Rettungsdienst, die Notaufnahme und die Betreuung von Risikogruppen (Obdachlose, Drogensüchtige, Immigranten aus Gebieten mit hoher Tuberkulose-Inzidenz) so wie bei Beschäftigung in der Altenpflege. Im Berufskrankheitenverfahren gelten diese Beschäftigtengruppen als infektionsgefährdet, auf den Nachweis einer Infektionsquelle (Indexperson) kann deshalb verzichtet werden. Auch wenn der Anteil beruflich verursachter Tuberkulose-Erkrankungen bei Beschäftigten im Gesundheitswesen höher ist als zu vor angenommen, zeigen die IGRA-Studien eine mit rund 10% geringe Prävalenz der latenten Tuberkulose-Infektion (LTBI) bei Beschäftigten im Gesundheitsdienst. Mit zunehmendem Alter der Beschäftigten ist die LTBI-Prävalenz allerdings deutlich höher (56,5% bei über 60-Jährigen). Mit dem IGRA steht eine neue, valide Methode zur Diagnose einer LTBI zur Verfügung. Da die Häufigkeit der LTBI im Gesundheitswesen gering ist, sollte eine frische Infektion bei Beschäftig ten im Gesundheitswesen behandelt werden, um die Progredienz zu einer aktiven Tuberkulose zu verhindern. Die Vorsorgeuntersuchungen sollten so gestaltet sein, dass sie die Entdeckung frischer Infektionen gewährleisten. Zu diesem Zweck sollten vor allem enge Kontaktpersonen untersucht werden. Die Bestimmung eines Ausgangswertes vor Aufnahme einer gefährdenden Tätigkeit ist sinnvoll.
Der Artikel wurde veröffentlicht unter:
Nienhaus, A.; Harling, M.; Schablon, A.; Diel, R.: Tuberkulosevorsorge bei Beschäftigten im Gesundheitsdienst, Atemw.-Lungenkrkh., Jahrgang 35, Nr. 6/2009, S. 236–244, © 2009 Dustri-Verlag Dr. Karl Feistle, ISSN 0341-3055
Autor(en): Nienhaus,A.; Harling,M.; Schablon, A.; Die, R.
Medientyp: Fachartikel


Download (0.39MB)


