18.02.2009
Tuberkulose-Infektionen bei Beschäftigten in einer Lungenfachklinik
In der Lungenfachklinik Großhansdorf erkrankten in den Jahren von 1950-1979 29 Beschäftigte an einer Tuberkulose. Das entsprach einem TB-Fall pro Jahr und sprach für eine massive, fließende Infektionsquelle in diesem Bereich trotz bestehender Präventionsmaßnahmen. Die Lungenfachklinik ist weiterhin ein Zentrum für Tuberkuloseerkrankungen in Norddeutschland in dem jährlich ca. 60 Patienten mit offener Lungentuberkulose behandelt werden. Mehr als 25 Jahre später analysierten wir die Prävalenz der Latenten Tuberkulose-Infektion (LTBI) bei den Beschäftigten mit dem neuen spezifischen Interferon-Gamma Release Assay (IGRA).
Der folgende Beitrag steht als Volltext englischsprachig unter "Prevalence of latent tuberculosis infection among health care workers in a hospital for pulmonary diseases" im Journal of Occupational Medicine and Toxicology als Download zur Verfügung.

Insgesamt 270 Beschäftigte der Klinik wurden im Rahmen der Biostoffverordnung mit dem IGRA (Quantiferon-Gold In Tube) untersucht. Angaben zum
- Geschlecht,
- Alter,
- BCG-Impfung,
- vorherige THT,
- Geburtsland,
- Beruf und Arbeitsbereich
wurden mit einem standardisierten Fragebogen erfasst. Wegen nicht verwertbarer Tests mussten fünf Personen (1,9%) ausgeschlossen werden. Es wurden adjustierte Odds Ratios (OR) für verschiedene Risikofaktoren für eine LTBI berechnet.
Die LTBI bei Beschäftigten beträgt (7,2%). Sie ist altersabhängig: Bei unter 30-jährigen beträgt sie 3,5% und bei über 50-jährigen 22%. Die LTBI bei Ärzten und Pflegekräften ist gegenüber den anderen Beschäftigten im Krankenhaus erhöht (10,8 zu 4,5%). Geschlecht, BCG-Impfung, Arbeitsbereich, vorherige positive Testergebnisse und Migrationshintergrund hatten keinen Einfluss auf die Prävalenz der LTBI.
Einflussfaktoren für ein positives Testergebnis sind
- höheres Alter (50-67 Jahre OR 7,7, 95% CI 2,1-28,2),
- kein THT in der Anamnese (OR 4,4; 95%CI 1,01-18,9) und
- die Tätigkeit als Arzt/Pflegekraft (OR 3,2; 95%CI 1,1-9,0).
Eine akute Tuberkulose wurde nicht entdeckt.
Die Prävalenz der LTBI ist mit insgesamt 7,2% gering. Dies gilt vor allem für die jüngeren Beschäftigten. Dies spricht für ein geringes Infektionsrisiko
auch in Lungenfachkliniken. Aussagen zum berufsspezifischen Infektionsrisiko können nicht gemacht werden da Vergleichsdaten aus der Allgemeinbevölkerung fehlen. Die hohe Prävalenz bei den Älteren könnte durch einen Kohorteneffekt oder die längere Zeit unter Risiko erklärt sein.
Autor(en): Schablon A.; Beckmann G.; Harling M.; Diel R.; Nienhaus A.
Medientyp: Fachartikel




