28.09.2007
Erhöhte Prävalenz der latenten tuberkulösen Infektion bei Beschäftigten in der Geriatrie?
Die Inzidenz der aktiven, behandlungsbedürftigen Tuberkulose steigt mit zunehmendem Alter. Ob sich daraus ein erhöhtes Tuberkulose-Infektionsrisiko für Beschäftigte in der Geriatrie ergibt, wurde in einer Prävalenzstudie zur latenten tuberkulösen Infektion (LTBI) untersucht.

Methode: Die Datenerhebung erfolgte in drei Krankenhäusern durch Betriebsärzte. Für die Diagnose der LTBI wurde der QuantiFERON-TB® Gold in Tube (QFT-IT), ein Interferon-gamma Release Assay (IGRA), eingesetzt. Es wurden für Alter, Geschlecht und Migration korrigierte Odds Ratios mittels logistischer Regression berechnet.
Ergebnisse: Untersucht wurden 454 Beschäftigte im Gesundheitswesen, von denen 58 (12,8%) in der Geriatrie tätig waren. Die Prävalenz der LTBI betrug bei den Beschäftigten in der Geriatrie 19,0% und bei den übrigen Beschäftigten im Gesundheitsdienst 10,5 %. Die adjustierte Odds Ratio für einen positiven QFT-IT beträgt bei den in der Geriatrie Beschäftigten 2,4 (95% KI 1,1–5,2) (p < 0,05). Bei jungen Beschäftigten im Gesundheitswesen (<30 Jahre) beträgt die Häufigkeit der LTBI 4,6 %, bei 50- bis 60-Jhrigen 20,3% und bei über 60-Jährigen 69,2% (p < 0,0005).
Diskussion: Diese Daten sprechen für eine erhöhte Prävalenz der LTBI bei Beschäftigten in der Geriatrie und damit für ein erhöhtes Infektionsrisiko in diesen Arbeitsbereichen. Erwartungsgemäß ist die Prävalenz der LTBI bei jüngeren Beschäftigten im Gesundheitswesen deutlich geringer als bei älteren Beschäftigten. Dies kann zum Teil mit der längeren Verweildauer in infektionsgefährdender Tätigkeit aber vermutlich vor allem mit dem Geburtskohorteneffekt erklärt werden.
Der Artikel wurde veröffentlicht unter:
Nienhaus, A. et al. Erhöhte Prävalenz der latenten tuberkulösen Infektion bei Beschäftigten in der Geriatrie? Pneumologie 2007; 61:613-617
Autor(en): A. Nienhaus, A. Schablon, R. Loddenkemper, B. Hauer, N. Wolf, R. Diel
Medientyp: Fachartikel


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