14.01.2004
Modellierung der Formaldehydbelastung bei Arbeiten im Gesundheitsdienst
Formaldehyd ist auch heute noch ein weit verbreiteter Arbeitsstoff im Gesundheitsdienst. Aufgrund seiner hervorragenden desinfizierenden und konservierenden Eigenschaften möchten Hygieniker vielfach auf den Einsatz dieses Stoffes nicht verzichten, ebenso wie Pathologen und die Hersteller von Gassterilisatoren.

Biozid wirksame Substanzen wie Formaldehyd können auch beim Menschen unerwünschte Wirkungen entfalten und im schlimmsten Fall dessen Zellen töten, Erbinformationen verändern oder zu ungehemmten Zellwachstum verführen. So wundert es nicht, dass Formaldehyd seit langer Zeit im begründeten Verdacht steht, beim Menschen Krebs auszulösen, allerdings erst bei hohen, für den Anwender in der Regel unerträglichen Raumkonzentrationen. Die Senatskommision der DFG ("MAK-Kommision") schlägt daher die Absenkung des Luftgrenzwertes für diesen Stoff von 0,62 mg/m³ auf 0,37 mg/m³ vor bei gleichzeitiger Änderung der Kurzzeitwertkategorie von =1= auf 2 und Einführung eines Momentanwertes von 1,24 mg/m³ [1,2]. Die diskutierte Absenkung des Luftgrenzwertes, der im Vergleich zu anderen Arbeitsstoffen ohnehin schon sehr niedrig ist, wirft die Frage nach seiner Einhaltbarkeit auf, insbesondere bei zumeist offenen Arbeitsverfahren wie der Flächendesinfektion oder Zuschneidetätigkeit in der Pathologie.
Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege hat sich schon seit langer Zeit mit Gefährdungsermittlungen beim Umgang mit Formaledhyd beschäftigt und neben Literaturauswertungen und eigenen Messprogrammen [3-6] ein Berechnungsmodell entwickelt, mit dem die Belastungen bei gesundheitsdienstlichen Tätigkeiten mit Formaldehyd – Verdunstungen aus wässrigen Lösungen berechnet werden können. Dieses Modell soll im folgenden vorgestellt werden. Fragen zum Verlauf der Formaldeydkonzentration in der Raumluft und zu sicheren Arbeitsbedingungen sollen anhand des Modells erläutert werden und unter Berücksichtigung der möglichen Grenzwertabsenkung diskutiert werden.
Autor(en): Dr. Udo Eickmann
Medientyp: Fachartikel


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