25.08.2011

MRSA als Berufskrankheit

MRSA-bedingte Infektionen bei Beschäftigten im Gesundheitsdienst (BiG) gewinnen zunehmend an Bedeutung. Bisher wurden in der Literatur allerdings noch keine MRSA-bedingten Infektionen bei BiG beschrieben. Deshalb wird hier eine Fallserie von MRSA-bedingten Infektionen bei BiG dargerstellt.

Als Berufskrankheit (BK) anerkannte Fälle von berufsbedingten MRSA-Infektionen zwischen 2006 und 2007 wurden aus der BK-Dok-Datenbank extrahiert und nach den Variablen Tätigkeit, Arbeitsplatz, Infektionsrisiko am Arbeitsplatz und Gründe für die Anerkennung als Berufskrankheit analysiert. Sieben charakteristische Fälle wurden ausgewählt und als Kasuistik dargestellt. Insgesamt wurden 17 von 389 MRSA-Fällen als Berufskrankheit anerkannt, Fälle mit MRSA-Kolonisation wurden abgelehnt. Mit Ausnahme von zwei Fällen arbeiteten die Beschäftigten in Pflegeheimen und Krankenhäusern. Die häufigsten Infektionsherde kamen im Bereich Hals-, Nasen-, Ohren (HNO) und Rachen vor gefolgt von Hautinfektionen. In fünf Fällen wurden zusätzliche Risiken außerberuflicher Infektionen ermittelt. In drei Fällen handelte es sich um eine Sekundärinfektion als Folge von Hautverletzungen, alle durch Traumata verursacht. In einem Fall wurde ein genetischer Zusammenhang zwischen MRSA-infiziertem Indexpatienten und der Erkrankung eines BiG dokumentiert. Anerkennungskriterien von MRSA-Infektionen als BK sind Kontakt zu einem MRSA-positiven Patienten oder Tätigkeitsbereiche, bei denen ein erhöhtes MRSA-Risiko vermutet wird. In vier Fällen bestand infolge der MRSA-bedingten Infektion eine langjährige Arbeitsunfähigkeit. Das Risiko einer berufsbedingten MRSA-Infektion scheint bei 17 Fällen in zwei Jahren eher gering zu sein. Die Konsequenzen einer Infektion können jedoch schwerwiegend sein und sogar zu langjähriger Arbeitsunfähigkeit führen. Da die Anerkennung als BK von den Charakteristika des Arbeitsplatzes abhängt, kann eine verbesserte Surveillance die Entdeckung berufsbedingter MRSA-Infektionen erleichtern.

Der Beitrag ist Teil des Buches "Gefährdungsprofile - Unfälle und arbeitsbedingte Erkrankungen in Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege", © 2010 ecomed MEDIZIN, ISBN 978-3-609-16433-5.

Autor(en): Frank Haamann, Madeleine Dulon, Albert Nienhaus

Medientyp: Fachartikel

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Gefährdungsprofile - Unfälle und arbeitsbedingte Erkrankungen in Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege