BGW mitteilungen - Ausgabe 1/2012

Arbeitsschutz

Auf neuen Wegen mit dem Arbeitsschutzmobil

Foto: Gerhard Jünnemann und Gabriele Marks vor dem Arbeitsschutzmobil. Gerhard Jünnemann und Gabriele Marks haben für die katholische Kirche das Arbeitsschutzmobil realisiert.

Die katholische Kirche zeigt, wie Arbeitsschutz auch in einer stark dezentral geprägten Organisation zu den Menschen vor Ort gelangen kann.

Für Arbeitsschützer ist die katholische Kirche ein ganz besonderer Fall, denn hier greifen nicht nur ehrenamtliches Engagement und hauptamtliche Seelsorge, Verwaltungs-, Pflege- und Betreuungsaufgaben ineinander. Darüber hinaus sind die 27 Diözesen in Deutschland – also die Bistümer und Erzbistümer – eigenständige Organisationen. Interne wie externe Arbeitsschutzexperten stehen damit vor der Aufgabe, für alle Beteiligten in ganz unterschiedlichen Bereichen und voneinander unabhängigen regionalen Einheiten eine gemeinsame Strategie zu entwickeln und umzusetzen.

„Und deshalb sind wir ganz besonders stolz, dass wir mit der Arbeitsgruppe Arbeitsschutz des Verbands der Diözesen Deutschlands ein so spannendes Kooperationsprojekt auf die Beine gestellt haben“, sagt Carola Brennert, die das Branchenreferat Kirche der BGW betreut. Das Ergebnis konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des zweiten katholischen Arbeitsschutzsymposiums im Oktober in Dresden live bestaunen: ein kleiner Bus, der bis unters Dach mit Informationen und Anschauungsobjekten rund um Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz ausgestattet ist. Das „Arbeitsschutzmobil“ soll in Zukunft durch die Republik touren, auf Anforderung Gemeinden besuchen und auf Großveranstaltungen präsent sein.

Zeichen setzen für den Arbeitsschutz

„Mit dieser praxisnahen Lösung hat die Kirche ein auch für andere interessantes Modell entwickelt“, hebt Brennert hervor. „Oft stehen große Organisationen ja vor dem Problem, wie sie zentral bearbeitete Arbeitsschutzthemen ohne allzu großen Aufwand und vor allem ohne lange Einarbeitungszeiten in die dezentralen Einrichtungen weitertragen können.“ Hier schafft jetzt der Bus Abhilfe, der von Helfern zum jeweiligen Veranstaltungsort gefahren wird. Ein begleitendes Handbuch erläutert die verfügbaren Infomodule und ermöglicht es auch Laien, nach der Durchsicht der Materialien die Aktion vor Ort durchzuführen und Besucher zu informieren.

Aufseiten des Verbands der Diözesen Deutschlands (VDD) freut sich Gabriele Marks als Vorsitzende der AG Arbeitsschutz über das Lob. „Es ist auch für uns ein toller Erfolg, dass die Diözesen gemeinsam den Verband beauftragt haben, das Arbeitsschutzmobil einzurichten.“ Marks hatte die Idee zu dem Gefährt und leitete das Projekt. „Der Bus setzt unverkennbar Zeichen – nach innen wie außen: Arbeitsschutz ist ein wichtiges Anliegen der katholischen Kirche“, sagt Marks. „Und er hält alle Menschen, die sich vor Ort in den Gemeinden engagieren, dazu an, bei ihrer Tätigkeit ganz bewusst auch auf ihre eigene Gesundheit und die ihrer Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu achten.“

Online buchen über die Arbeitsschutzplattform der Kirche

Gerhard Jünemann vom Bischöflichen Ordinariat Erfurt hat für den Ausbau des Busses gesorgt. „Insgesamt elf Module haben die verschiedenen Projektpartner zusammengestellt. Sie wurden dann so aufbereitet, dass von der Motorsäge bis zum Bürodrehstuhl, vom Fahrrad bis zur Hautschutzwand, von der Leiter bis zu vielen Kisten mit Zubehör alles in den Bus passt und bei Bedarf modulweise im Innen- oder Außenbereich aufgebaut werden kann.“ In Dresden konnte Jünemann das fertige Arbeitsschutzmobil vorstellen. „Jetzt hoffen wir natürlich, dass es gut gebucht wird – das Interesse war jedenfalls groß.“ Die Buchung erfolgt online über die zentrale Internetplattform der katholischen Kirche zum Thema Arbeitsschutz. Dort kann auch das Modulhandbuch eingesehen werden.

Im Vordergrund testen zwei Frauen die Wiederbelebung mittels Herzdruckmassage an einer Puppe. Im Hintergrund schauen Interessierte zu. Auf dem katholischen Arbeitsschutzsymposium konnten die Module des Arbeitsschutzmobils getestet werden. Sonja Ruef (rechts vorn) hat an deren Erstellung mitgewirkt und freut sich über das rege Interesse. Bei der Ausarbeitung der einzelnen Module zeigte sich die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. Denn auch hier stellt die Kirche eine Besonderheit dar, erläutert Carola Brennert: „Weil die Aufgaben und Angebote in den Gemeinden so breit gefächert sind, sind mehrere Träger beteiligt. Für die meisten Bereiche ist die Verwaltungsberufsgenossenschaft zuständig, aber vor allem Kindertagesstätten und Pflegedienste, die von den Kirchengemeinden selbst betrieben werden, zählen zur BGW. Und auch andere, wie die Gartenbau-Berufsgenossenschaft, sind mit im Boot.“

Flexibles Einstiegsangebot

Vor Ort können je nach Einsatzbereich die passenden Module ausgewählt werden. Sonja Ruef, die als Leiterin der Arbeitssicherheit im Erzbistum München und Freising auch selbst an der Erstellung der Inhalte mitgewirkt hat, nennt das Beispiel Kindertagesstätten: „Für Kitas bietet es sich an, das Arbeitsschutzmobil zu Gesundheitstagen oder Fachtagungen einzuladen und sich vor allem die Module Lärm, Beleuchtung, Hautschutz und Erste Hilfe vorzunehmen.“ Bei größeren Aktionen könne man natürlich noch mehr Module herausgreifen.

Für Gabriele Marks hat sich das Präventionsnetzwerk bewährt: „Wir können den Gemeinden jetzt ein leicht verständliches, flexibel einzusetzendes Einstiegsangebot zu den Unfallschwerpunkten machen.“ Das Arbeitsschutzmobil ist für sie Ausdruck des Bestrebens der katholischen Kirche, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen – gerade auch beim Thema Arbeitsschutz. Der Dresdner Bischof Joachim Reichelt brachte es bei der Eröffnung des Arbeitsschutzsymposiums in Dresden auf den Punkt: „Arbeitsschutz ist praktizierte Nächstenliebe.“

Das Arbeitsschutzmobil im Überblick

Die Module

  • befassen sich mit den Hauptunfallschwerpunkten
  • vermitteln grundlegende Kenntnisse zu Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz
  • sollen motivieren, sich für den Arbeitsschutz einzusetzen
  • zeigen Handlungsmöglichkeiten auf
  • können in der Regel auch ohne größere Arbeitsschutzkenntnisse durchgeführt werden
  • lassen sich flexibel einsetzen – einzeln oder als Kombination mehrerer Module

Die Themen

  • Erste Hilfe
  • Einwirkung von Alkohol
  • Einfaches Transportieren
  • Fahrsicherheit auf Fahrrädern
  • Multitasking
  • Motorsäge
  • Leitern
  • Licht/Beleuchtung
  • Hautschutz
  • Lärm
  • Bürodrehstuhl

Weitere Informationen

Infos zum Thema Arbeitsschutz in der katholischen Kirche, Buchungsmöglichkeiten und Erläuterungen zum Arbeitsschutzmobil bietet die Website www.arbeitsschutz-katholisch.de.

Autor(en): Anja Hirschberger

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