BGW mitteilungen - Ausgabe 3/2010

Schädlingsbekämpfung

Im Einsatz gegen Schädlinge

Schädlingsbekämpfer mit weißem Schutzoverall und Atemschutzmaske sprüht auf einem Dachboden die Balken mit Holzschutz ein. Profis im Umgang mit Gesundheitsgefahren haben auch die eigene Gesundheit im Blick.

Schädlingsbekämpferinnen und Schädlingsbekämpfer schützen Bauten, Güter und Vorräte. Immer im Blick: der Gesundheitsschutz ihrer Kundinnen und Kunden. Immer dabei: ein gewisses eigenes Risiko.

Sie verhindern, dass sich Schädlinge ausbreiten und Krankheiten übertragen werden. Für ihre Kunden klettern Schädlingsbekämpfer auf Bäume, steigen auf Dächer oder arbeiten sich durch enge Schächte. Und manchmal gehen sie dafür auch ein hohes gesundheitliches Risiko ein. Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen stehen die Schädlingsbekämpfer auf Platz eins der BGW-Unfallstatistik: Ein Techniker eines Schädlingsbekämpferbetriebs trägt ein 13-mal höheres Unfallrisiko bei der Arbeit als beispielsweise eine Arzthelferin. Auch wenn die Beschäftigten mit viel Erfahrung und Expertenwissen auf ihr Arbeitsgebiet eingestellt sind, bergen immer neue Einsatzorte unbekannte Gefahren. Ein Balanceakt über morsche Balken, eine rutschige Treppe – nur ein kurzer Moment der Unachtsamkeit kann für einen Schädlingsbekämpfer schwerwiegende Folgen haben. Etwa drei Viertel aller gemeldeten Arbeitsunfälle sind Stürze oder Abstürze mit zum Teil schweren Verletzungen, von Knochenbrüchen bis zu Kopfverletzungen und inneren Verletzungen.

Vorbereitung ist Trumpf

Die Arbeitsbedingungen vor Ort lassen sich in der Regel nicht ändern: Ein Dachboden ist dunkel, die Treppen eines maroden Hauses sind nicht mehr die sichersten, Taubenabwehrsysteme sind an den schwierigsten Stellen anzubringen. Aber Schädlingsbekämpferinnen und Schädlingsbekämpfer können sich entsprechend vorbereiten und bei der Ortsbegehung und Planung sowie bei der Ausrüstung und Organisation systematisch die Themen Unfallverhütung und Gesundheitsschutz berücksichtigen. Eine Checkliste (siehe unten) hilft, bei jedem Einsatz die nötige Ausrüstung, das geeignete Arbeitsverfahren und entsprechende Schutzmaßnahmen auszuwählen. Besondere Vorsicht ist auf Baustellen, in Abbruchhäusern, beim Holz- und Bautenschutz sowie bei der Vor- und Nachbereitung von Begasungen angeraten. Gegebenenfalls müssen die Betriebe für gefährliche Arbeiten mindestens zwei Personen einteilen. Im Notfall muss außerdem die Rettungskette von der Ersten Hilfe bis zur notärztlichen Versorgung schnell funktionieren.

Checkliste: Unbekannter Einsatzort

  • Wie robust ist die Bausubstanz?
  • Lassen sich Leitern sicher aufstellen?
  • Welche Hilfsmittel und Absicherungen sind zum Arbeiten in der Höhe nötig?
  • Wie ist der Einsatzort beleuchtet?
  • Wie ist der Zustand der elektrischen Leitungen?
  • Welche Gesundheitsgefahren gehen vom Einsatzort aus?
  • Besteht Brand- oder Explosionsgefahr, zum Beispiel durch ausströmende Gase oder Staubentwicklung?
  • Gibt es eine starke Lärmbelastung?
  • Wie sind die ergonomischen Arbeitsbedingungen?
  • Welche Risiken sind mit Alleinarbeit verbunden?
  • Mit welcher Ausrüstung lässt sich die Arbeit erleichtern und sicherer machen?
  • Welche Gesundheitsgefahren gehen vom Arbeitsverfahren aus?

Nicht die Routine einreißen zu lassen, sondern immer wieder genau hinzuschauen, ist der Schlüssel zu mehr Sicherheit. Zum Beispiel beim Umgang mit Leitern: Sie sind bei der Schädlingsbekämpfung gängige Arbeitsmittel. Doch noch immer passieren hier die meisten Abstürze.

Standsicher auf der Leiter

Schädlingsbekämpfer steht auf einer Leiter, die an eine Hauswand gelehnt ist. Zu den häufigsten Arbeitsunfällen in der Schädlingsbekämpfung zählen Stürze von der Leiter. Als Dauerarbeitsplatz sind Leitern nicht geeignet. Das Limit liegt bei zwei Stunden. Manche Arbeiten sind einfacher und sicherer mit Teleskopstangen zu erledigen. Für andere Arbeiten sind Gerüste und Steiger die bessere Wahl. Profi-Leitern gibt es in verschiedenen Ausführungen. Podestleitern beispielsweise können wie mobile Arbeitsplattformen genutzt werden, sind höhenverstellbar und bieten eine seitliche Standverbreiterung. Für weiche Untergründe eignen sich Leitern, die mit Stahlspitzen im Boden verankert werden oder auf breiten Balken stehen. In engen Treppenhäusern können Stehleitern eingesetzt werden, die sich mit bis zu vier Holmverlängerungen auf das unterschiedliche Bodenniveau einstellen lassen. Bei Anlegeleitern sollte vor allem auf einen sicheren Stand geachtet werden.

Wo es sich nicht vermeiden lässt, Leitern vor geschlossenen Türen, in Durchgängen, an belebten Orten oder Baustellen aufzustellen, ist eine zusätzliche Sicherung nötig, entweder mit Absperrbändern oder durch einen zweiten Mitarbeiter. Grundsätzlich hat der Arbeitgeber sicherzustellen, dass Leitern regelmäßig überprüft und gegebenenfalls erneuert werden. Tipp für Unternehmer: Ein Leitertraining für die Beschäftigten kann dazu beitragen, Fehler zu vermeiden – erster Ansprechpartner ist die Fachkraft für Arbeitssicherheit. Auch Hersteller von Leitern bieten Sachkundigen-Seminare an und informieren über Prüfungen, Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten.

Sicherheit auf Schritt und Tritt

Vorsicht ist das oberste Gebot – zum Beispiel auf Dachböden: Allzu schnell lässt eine Stolperfalle Schädlingsbekämpfer neben den Träger treten und durch den Boden brechen. Verdeckte Bodenluken oder morsche Träger sind weitere Gefahrenquellen. Bevor die eigentliche Arbeit beginnt, müssen deshalb alle Stolperfallen und Absturzrisiken beseitigt und der Dachboden, wenn erforderlich, mit Gehbalken abgesichert werden. Reicht das Tageslicht nicht aus, sorgen in kleinen Räumen Arbeitsleuchten mit einer breit strahlenden oder asymmetrischen Lichtverteilung für Licht im Dunkel. In größeren Bereichen sollten Lampen mit hoher Lichtleistung zum Einsatz kommen, stets mit genügend Abstand zu brennbarem Material.

Ein wichtiger Sicherheitsaspekt sind außerdem geeignete Schuhe, die Halt und Schutz geben. Während bei einem Einsatz in Haushalten oder Büros Schutzschuhe mit Zehenschutz und rutschfester Sohle (Kategorie S1) ausreichen, müssen auf Baustellen und Dachböden durchtrittsichere Sicherheitsschuhe (Kategorie S3) getragen werden. Bei der Entfernung von Taubenkot müssen die Beschäftigten abwaschbare Sicherheitsstiefel der Schutzkategorie S2/II tragen.

Gefahrstoffe im Griff

Was Schädlingsbekämpfungsmittel angeht, sind Schädlingsbekämpfer Profis. Dass aber auch der regelmäßige Kontakt mit nicht als Gefahrstoff gekennzeichneten Präparaten gesundheitsschädlich wirken kann, ist nicht jedem bewusst. Manche Stoffe können sich über einen längeren Zeitraum im Körper anreichern oder miteinander in Wechselwirkung treten und so gesundheitliche Probleme oder Allergien auslösen. Einige Beispiele für potenzielle Gefährdungen:

  • Biozide können über Haut und Atemwege aufgenommen werden und den Anwender schädigen.
  • Giftköder für Ratten und Mäuse enthalten gerinnungshemmende Cumarinderivate, die in den Körper gelangen und langfristig die Leber schädigen können.
  • Bei der Zubereitung oder beim Anmischen von Köderpräparaten können Stäube frei werden, die die Atemwege angreifen.
  • Viele Lösungsmittel, wie zum Beispiel Alkohole, sind brennbar oder – je nach Anwendung und Menge – sogar explosionsgefährlich.
  • Sprays und Aerosole können sich an heißen Oberflächen und offenen Flammen entzünden. Außerdem können sie die Atemwege reizen.

Hände mit gelben Handschuhen bei der Vorbereitung einer Falle mit Giftköder. Wer systematisch plant, kann von vornherein Gefahren ausschließen. zum Beispiel mit geeigneten Schutzmaßnahmen. Arbeitgeber sind verpflichtet, ein Gefahrstoffverzeichnis zu erstellen, in dem alle gefährlichen Arbeitsstoffe in ihrem Betrieb erfasst sind. Die Sicherheits- und Produktdatenblätter der Hersteller geben Hinweise, welche Schutzmaßnahmen notwendig sind und wie sich die Gefahrstoffe sachgemäß lagern und transportieren lassen. Die wichtigste Maßnahme im Zusammenhang mit Gefahrstoffen ist es, immer wieder zu prüfen, ob man mit weniger gefährlichen Ersatzstoffen oder anderen Arbeitsverfahren ebenso zum Ziel kommt. Beispielsweise ist es sicherer, bei der Bekämpfung von Ratten und Mäusen Fertigformulierungen zu nutzen, statt Köderpräparate selbst anzumischen.

Beim Versprühen oder Vernebeln könnten Schädlingsbekämpfungsmittel in die Atemwege gelangen und Bronchialasthma und chronische Bronchitis auslösen. Deshalb dürfen diese Verfahren nur mit entsprechender Schutzkleidung und, falls erforderlich, unter Atemschutz angewendet werden. Und wann immer Gase, Dämpfe oder Stäube frei werden könnten, sollte eine gute Belüftung oder Absaugung selbstverständlich sein.

Vorsicht: Infektionen und biologische Gefährdungen

Dass Ratten und Mäuse Krankheitsüberträger sind, ist nichts Neues für Schädlingsbekämpfer. Aber auch Fliegen, Flöhe, selbst Ameisen schleppen jede Menge Keime mit sich umher. Die typischen Infektionswege sollten deshalb bekannt sein:

  • Aufnahme krank machender Keime über die Hand in den Mund
  • Einatmen von mit Keimen belasteten Stäuben
  • Aufnahme über die Haut oder die Schleimhäute

Wer mit toten Tieren oder tierischen Substanzen in Kontakt gekommen ist, reinigt und desinfiziert seine Hände gründlich. Trotzdem kann es passieren, dass versehentlich Keime verschleppt werden – und sei es über die Autoschlüssel. Verschmutzte Schutzkleidung sollte nach der Arbeit luftdicht verpackt und im Laderaum des Autos verstaut werden. Vor allem aber gilt die Devise: am Einsatzort nicht essen, trinken oder rauchen – und Handschuhe bei allen Tätigkeiten tragen, bei denen es zu einem Kontakt mit toten Tieren oder tierischen Substanzen kommen kann.

Schädlingsbekämpfer mit weißem Schutzoverall und Atemschutzmaske fegt in einem Hinterhof. Wer systematisch plant, kann von vornherein Gefahren ausschließen. zum Beispiel mit geeigneten Schutzmaßnahmen. Bei starker Staubentwicklung, zum Beispiel bei der Taubenkotentfernung, können pathogene Keime aufgewirbelt werden und über die Atemwege oder die Bindehaut der Augen in den Körper gelangen. Auch Schimmelpilzsporen aus morschem Holz lösen womöglich allergische Reaktionen der Atemwege aus. Schädlingsbekämpfer sollten deshalb bei Staubentwicklung stets mit Schutzbrille und Atemmaske arbeiten.

Bisse von Ratten oder Mardern kommen relativ selten vor. Wird ein Mitarbeiter gebissen, kann es jedoch in Einzelfällen zu erheblichen Komplikationen kommen. Nicht nur Sehnen oder Nerven an Händen oder Fingern sind gefährdet, die Wunde kann sich auch infizieren. Schutzhandschuhe schützen und beugen zugleich Klemmverletzungen beim Aufstellen von Fallen vor.

Vor Flohbissen, Wespen-, Hornissen- und anderen Insektenstichen bewahrt Schutzkleidung, die an Armen und Beinen dicht abschließt, sowie zusätzlich eine Kopfbedeckung mit Schleier. Und auch wenn ein Wespen- oder Hornissenstich einen Schädlingsbekämpfer nicht so schnell aus der Ruhe bringt: Die Schrecksekunde, wenn ein Schwarm angreift, die instinktive Abwehr, hat schon so manchen Absturz verursacht. Zusätzliche Sicherheit bieten Teleskopgeräte oder Absturzsicherungen.

Professionell Sicherheit schaffen

Viele Gefahrensituationen, das zeigen die Beispiele, entstehen bei sorgfältiger Planung und Vorbereitung der Einsätze erst gar nicht. Eine wichtige Rolle spielt deshalb die Gefährdungsbeurteilung, mit der Gefahrenquellen ausgeräumt werden können. Weitere Themen dabei sind beispielsweise der Hautschutz, die Organisation der Ersten Hilfe und die Sicherheit im Straßenverkehr, gerade auch unter Zeitdruck.

Für ihre Kunden schaffen Schädlingsbekämpferinnen und Schädlingsbekämpfer ein gesundes Umfeld. Mit der gleichen sorgfältigen Herangehensweise können sie ebenso professionell ihren eigenen Gesundheitsschutz gewährleisten.

Unterstützung von der BGW

Die folgenden Materialien können mit dem Bestellformular kostenlos angefordert oder heruntergeladen werden:

Autor(en): Dr. Inga Fokuhl

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