Wenn der Druck zu groß wird - Seite 2
Was kann der Betrieb tun?
Die Führungsebene eines jeden Unternehmens bestimmt die Rahmenbedingungen für die zu leistende Arbeit. Das beinhaltet auch die Chance, Arbeitsabläufe so zu gestalten, dass psychische Belastungen gar nicht erst entstehen. Ganz entscheidend sind also die Führungskräfte. Sie
- gestalten die betriebliche Organisation: Arbeitsabläufe und Schnittstellen ohne Reibungsverluste, verlässliche Dienstpläne
- bestimmen Entscheidungsspielräume, die weder über- noch unterfordern
- geben Feedback, Anerkennung, Rückendeckung
- sorgen für Transparenz und klar geregelte Aufgabenbereiche bieten gezielt Möglichkeiten zur Fort- und Weiterbildung
- fördern die Zusammenarbeit, zum Beispiel mit regelmäßigen Mitarbeiterbesprechungen
An all diesen Punkten können Führungskräfte – und damit die Unternehmen – ansetzen, um psychische Belastungen für die Beschäftigten zu reduzieren. Darüber hinaus spielen die Arbeitsplatzausstattung und weitere Faktoren der Arbeitsumgebung wie beispielsweise Lärm eine wichtige Rolle.
Aber wie kommen die Unternehmen nun den möglicherweise vorhandenen Belastungsfaktoren auf die Spur?
Psychische Belastungen erkennen
Da jedes Unternehmen anders ist, lassen sich Belastungen nicht einfach grob abschätzen. Deshalb sollte am Anfang stets eine Analyse der betrieblichen Situation stehen. Eine wichtige Informationsquelle sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst. Auch vorhandene Daten zum Krankenstand oder aus Gefährdungsbeurteilungen sollten überprüft werden. Grundsätzlich müssen die Unternehmen bei der – verpflichtend vorgeschriebenen – Gefährdungsbeurteilung den Punkt psychische Belastungen mit einbeziehen.
Wollen Betriebe gezielt den psychischen Belastungen auf die Spur kommen, stehen ihnen außerdem spezielle Analyseinstrumente zur Verfügung: Mitarbeiterbefragungen und Workshops zur Analyse der Arbeitssituation geben Aufschluss über etwaige Probleme oder Verbesserungsmöglichkeiten. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) bietet ihren Mitgliedsunternehmen einige solcher Analyseinstrumente an (siehe Übersicht unten).
Aus der Analyse lassen sich dann Ansatzpunkte ableiten, an welchen Themen das Unternehmen im nächsten Schritt weiterarbeiten sollte. Auch hier können die Unternehmen auf Angebote der BGW zurückgreifen. Mögliche Themen einer Organisationsberatung sind die Arbeitsabläufe und Arbeitsorganisation oder die Entwicklung einer »gesunden« Unternehmenskultur mit Angeboten zur Gesundheitsförderung.
Ein Coaching für Führungskräfte oder Arbeitsteams ist ebenfalls ein guter Ansatz, um psychischen Belastungen zu begegnen. Die zeitweise Begleitung durch einen professionellen Coach bietet die Gelegenheit, über Belastungen ins Gespräch zu kommen. Mit der externen Unterstützung lassen sich beispielsweise Rollenkonflikte, neue Herausforderungen oder schwierige Veränderungsprozesse bearbeiten. Durch den Einsatz kreativer Methoden und spezieller Fragetechniken gewinnen Beschäftigte und Führungsverantwortliche oft neue Perspektiven und erweitern ihre Handlungsspielräume. Coaching eignet sich auch als Präventivmaßnahme gegen die Entstehung stressbedingter Erkrankungen.
BGW-Angebote zur Analyse vorhandener psychischer Belastungen
Mitarbeiterbefragung (BGW miab)
- schriftliche Befragung für Unternehmen in der ambulanten und stationären Alten- und Krankenpflege sowie ab Ende 2010 für die Behindertenhilfe, gut geeignet auch bei weniger als 50 Beschäftigten
- speziell auf psychische Belastungen und Beanspruchungen zugeschnitten
- ohne externe Unterstützung umsetzbar
- Manual mit Anleitung, Fragebögen und Auswertungsmasken kostenlos erhältlich (auch zum Download), auf Wunsch Auswertungs-CD
BGW betriebsbarometer
- schriftliche Befragung
- für Unternehmen aller Branchen ab 50 Beschäftigten
- breiter angelegt, aber Schwerpunkt psychische Belastungen
- Auswertung durch externes Institut
- Vergleich mit anderen Unternehmen möglich (Benchmarking)
- Basis-Fragebogen sowie optionale Module und Sonderauswertungen
- Kosten variieren je nach gewählter Variante
- Begleitung durch externen Berater empfohlen, einen Teil der Kosten dafür trägt derzeit die BGW
- Die Anleitung für eine Mitarbeiterbefragung kann bestellt oder heruntergeladen werden
Arbeitssituationsanalyse (BGW asita)
- strukturierte Workshops mit Mitarbeitern einer Hierarchieebene, externe Moderation
- für Unternehmen aller Branchen ab etwa 8 Beschäftigten
- ermittelt vorhandene psychische und physische Belastungen sowie Lösungsideen
- gut geeignet als Einstieg in Projekte zum betrieblichen Gesundheitsmanagement oder zur Vertiefung von Mitarbeiterbefragungen
- günstige Konditionen für die externe Beratung
- Informationen zu BGW asita gibt es in der Rubrik »Gesundheitsmanagement«
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Autor(en): Anja Hirschberger

