BGW mitteilungen - Ausgabe 1/2010

Psychische Belastungen

Wenn der Druck zu groß wird

Foto: Frau steigt in ein Auto und schaut dabei auf die Armbanduhr. Stressabwehr: Auch gegen psychische Belastungen können Unternehmen etwas tun.

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz lassen sich nicht auf die leichte Schulter nehmen. Sie können die Gesundheit der Beschäftigten schwerwiegend beeinträchtigen. Wie entstehen sie? Und welche Handlungsmöglichkeiten haben die Unternehmen?

Es beginnt vielleicht mit dem Gefühl, ständig überlastet zu sein. Selbst in der Freizeit stellt sich einfach keine Ruhe mehr ein. Vielleicht zeigen sich auch körperliche Symptome wie Schlafstörungen. Psychische Belastungen bei der Arbeit wirken sich bei jedem Menschen anders aus. Wenn Mitarbeiter immer häufiger ausfallen, ist die Ampel längst auf Rot. Dabei können Unternehmen – gemeinsam mit ihren Beschäftigten – auch diesen so wenig greifbaren Belastungen erfolgreich entgegenwirken.

Aus dem Gleichgewicht

Die Wirkung psychischer Belastungen erklären Wissenschaftler unter anderem mit einem Ungleichgewicht zwischen dem beruflichen Einsatz und dem, was man dafür – subjektiv gesehen – »zurückbekommt«. Auch der jeweilige Handlungsspielraum des Einzelnen und die soziale Unterstützung spielen eine wichtige Rolle, denn sie können Belastungen entgegenwirken. Am Beispiel Stress lassen sich die Zusammenhänge gut verdeutlichen.

Wer von Stress redet, meint damit in erster Linie einen intensiven, unangenehmen Anspannungszustand, der nicht mehr durch eine entsprechende Entspannung aufgefangen wird. Ob jemand gestresst reagiert oder nicht, hängt häufig davon ab, wie er eine Situation subjektiv bewertet.

Darüber hinaus gibt es aber auch objektive Stressauslöser, die sogenannten Stressoren. Sie lösen unabhängig von der persönlichen Einschätzung bei vielen Menschen Stress aus – Beispiel Zeitdruck: Regelmäßige, lang anhaltende Arbeit unter hohem Zeitdruck führt bei den meisten Menschen zu Stressreaktionen.

Eine Art Gegengewicht zu den Stressoren stellen die sogenannten Ressourcen dar. Sie reduzieren Stress und steigern das Wohlbefinden. Die Ressource »Handlungsspielraum« ermöglicht beispielsweise eine selbstständige Arbeitseinteilung. Ergebnis: Der Zeitdruck wird abgemildert und in der Folge entsteht weniger Stress.

Die Stressspirale durchbrechen

Kann der Stress nicht abgebaut werden, beginnt oftmals ein Teufelskreis. Neben den direkten psychischen und körperlichen Folgen spielen dabei auch die Auswirkungen auf das Verhalten eine Rolle: Ob der Friseur unter Zeitdruck seinen Hautschutz vernachlässigt oder die Ärztin im Berufsverkehr einen Unfall verursacht – aus bereits vorhandenem Stress ergeben sich Stressfolgen wie Hautkrankheiten oder Unfälle, die wiederum zu zusätzlichem Stress führen.

Psychische Belastungen können so zu einer nur schwer zu überwindenden Falle werden und die Gesundheit dauerhaft beeinträchtigen – sie müssen es aber nicht. Sowohl auf der persönlichen wie auf der betrieblichen Ebene gibt es Möglichkeiten, Belastungen zu vermeiden oder besser mit ihnen umzugehen.

Viele Beschäftigte fühlen sich der Situation am Arbeitsplatz hilflos ausgeliefert. Auch wenn ihr Einfluss auf die Rahmenbedingungen oft eingeschränkt ist, können sie jedoch einiges tun. Das reicht vom aktiven Nutzen vorhandener Spielräume bis zum Überdenken der eigenen Einstellung und zur Fort- und Weiterbildung. Lesen Sie auch: Tipps zur persönlichen Stressabwehr.

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Autor(en): Anja Hirschberger