BGW mitteilungen - Ausgabe 1/2010
Ehrenamt – aber sicher!
Ohne sie wäre vieles nicht möglich: Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter prägen mit ihrem Engagement große Bereiche des öffentlichen Lebens. Damit das so bleibt, sollte der Gesundheitsschutz für die Freiwilligen den Einsatzorganisationen am Herzen liegen.

Vom Wahlhelfer bis zum Sportverein: Rund 23 Millionen Menschen in Deutschland sind ehrenamtlich aktiv. Besonders im Gesundheitsdienst und in der Wohlfahrtspflege sind sie eine feste Stütze. Grüne Damen besuchen Patienten im Krankenhaus, Eltern übernehmen Aufgaben im Kindergarten, freiwillig Engagierte teilen in Tafeln Essen aus oder lesen im Altenheim vor – die Liste lässt sich beliebig erweitern. Aber was ist, wenn es zu einem Unfall kommt? Und wer stellt sicher, dass der freiwillige Einsatz auch auf Dauer nicht zulasten der Gesundheit geht?
Beitragsfrei unfallversichert
Wer sich im Bereich Gesundheit und Wohlfahrt ehrenamtlich engagiert, ist kostenfrei unfallversichert – im Gegensatz zu anderen Bereichen muss die Einsatzorganisation die Ehrenamtler weder anmelden noch Beiträge für sie entrichten. Die beitragsfreie Unfallversicherung in der Wohlfahrtspflege, für die die Gesamtheit der Unternehmen der Wohlfahrtspflege solidarisch aufkommt, gilt für alle unentgeltlichen Tätigkeiten; eine Aufwandsentschädigung für Selbstkosten ist möglich. Der Versicherungsschutz durch die BGW gegen die Folgen von Arbeits- und Wegeunfällen sowie von Berufskrankheiten greift auch dann, wenn eine Organisation gar keine fest angestellten Mitarbeiter bei der BGW versichert hat.
Für den Gesundheitsschutz der Beschäftigten ist grundsätzlich der Unternehmer zuständig. Auch die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollten von vornherein bei der Planung und Umsetzung des betrieblichen Gesundheitsschutzes berücksichtigt werden. Doch weil die Ehrenamtler meist nur unregelmäßig vor Ort sind, geraten sie schon mal aus dem Blickfeld. Angesichts der großen gesellschaftlichen Bedeutung ihres Einsatzes – und viele Bereiche werden in Zukunft mehr denn je auf Freiwillige angewiesen sein – steht es den Unternehmen jedoch gut an, sich für deren Gesundheit zu engagieren. Besonders gut funktioniert dies, wenn die ehrenamtliche Tätigkeit in ein übergreifendes Konzept eingebunden ist.
Ehrenamt professionell organisieren
»Mehr Professionalität im Umgang mit Ehrenamtlichen« ist zum Beispiel die Devise vieler evangelischer Landeskirchen. Oberkirchenrätin Cornelia Coenen-Marx erklärt, worum es geht: »Die Kompetenz der Ehrenamtlichen soll anerkannt, ihre Professionalität mit Informations- und Weiterbildungsangeboten gestärkt werden. Ehrenamtsakademien werden gegründet, landeskirchliche Ehrenamtsgesetze verabschiedet, landesweite Ehrenamtspreise ausgelobt und auch auf der regionalen Ebene werden Haupt- und Ehrenamtliche im Freiwilligenmanagement weitergebildet.«
Coenen-Marx fordert vor allem eine systematische Unterstützung der ehrenamtlich Engagierten. Dabei geht es nicht nur um Wertschätzung für ihre Arbeit, Information und Qualifizierung, sondern auch um eine Verknüpfung von Gestaltungsspielräumen mit klaren Vereinbarungen. »Ehrenamtliche können und sollen Hauptamtliche nicht ersetzen – eine Lückenbüßerfunktion würde die ureigenen Qualitäten und die Würde des Ehrenamts gefährden«, sagt Coenen-Marx zur Rolle des Ehrenamts in der evangelischen Kirche. Die Referentin für Sozial- und Gesellschaftspolitische Fragen der EKD hat auch die Gesundheit der Freiwilligen im Blick: »Neben dem Kompetenzgewinn, der oft genug mit den durchaus anspruchsvollen Aufgaben in Leitung, Bildung und Kultur erfahren wird, kommt es in Kirche, Diakonie und Caritas wie im gesamten sozialen Bereich gleichzeitig auch zu Überforderungssituationen angesichts hochkomplexer Aufgaben.«
Ein professioneller Umgang mit den ehrenamtlich Tätigen und mit ihrer Gesundheit ist also wichtig, wenn Einsatzorganisationen dauerhaft auf die Unterstützung zählen wollen. Wo die vielen Freiwilligen konsequent in den betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz einbezogen werden, ist schon ein großer Schritt getan.
Gut organisiert: Tipps für die Einsatzplanung
Woran sollten die Verantwortlichen denken, wenn sie den Einsatz ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter planen?
Schriftliche Vereinbarung
Zu empfehlen ist, mit ehrenamtlich Tätigen eine schriftliche Vereinbarung zu schließen. Sie regelt die Rahmenbedingungen: die Art der Tätigkeit, den Zeitpunkt oder die Häufigkeit, gegebenenfalls die Form der Entschädigung. Auch andere Hinweise sollten hier aufgenommen werden: Welche Ansprechpartner gibt es? Wie hat man sich in Notfällen zu verhalten?
Übersichtsplan
Bewährt hat sich ein stets aktueller Übersichtsplan: Wer ist wann in welchem Einsatzgebiet ehrenamtlich für die jeweilige Organisation tätig?
Regelmäßiger Erfahrungsaustausch
Mindestens einmal im Jahr sollten die Freiwilligen die Möglichkeit haben, sich untereinander und mit ihren Ansprechpartnern in der Einsatzorganisation auszutauschen.
Information und Wertschätzung
Wer auch die Ehrenamtler regelmäßig über Neuigkeiten und Veränderungen informiert und sie in betriebliche Aktivitäten integriert, stellt nicht nur den Informationsfluss sicher, sondern würdigt zudem ihre Arbeit. Vielleicht gibt es auch ein jährliches »Dankeschön« in Form eines Essens oder eines Gutscheins.
Arbeitsschutz
Ein gut organisierter Arbeits- und Gesundheitsschutz im Betrieb bezieht die Ehrenamtlichen mit ein. Ganz besonders gilt das, wo Regelungen im Arbeitsschutz zu beachten sind. So sollten die Verantwortlichen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung prüfen, ob die Freiwilligen aufgrund ihrer besonderen Stellung besonderen Gefährdungen ausgesetzt sind. Dann werden geeignete Maßnahmen nötig.
Ehrenamtliche müssen grundsätzlich für die ihnen übertragene Tätigkeit geeignet sein und in diese eingewiesen werden. Bei der Planung der betriebsärztlichen und sicherheitstechnischen Betreuung muss die Einsatzorganisation die Ehrenamtler jedoch nicht berücksichtigen. Dennoch muss gewährleistet sein, dass auch sie alle Informationen erhalten, um ihren Einsatz auf Dauer sicher und gesund ausführen zu können.
Alle Informationen zum Versicherungsschutz für Ehrenamtler finden Sie in unserer Rubrik zum Thema.
Autor(en): Carola Brennert, Anja Hirschberger


Leserbrief verfassen