BGW mitteilungen - Ausgabe 4/2009

Kindertagesstätten

Ein Hort der Gesundheit

Foto: Eine Erzieherin baut mit drei Kindern einen Turm aus Holzklötzen. Auch der Arbeitsplatz Kita lässt sich sicher und gesund gestalten. Der Aufwand lohnt sich.

Die Kinder toben, spielen, lernen – in der Kita sind sie gut aufgehoben. Aber Kindertageseinrichtungen sollten auch als Arbeitsplatz eine gute Figur abgeben.

Ganz schön anstrengend, so eine Horde von Kindern, das denken sicher manche Eltern, die ihre Kinder morgens zur Kita bringen. Und sind froh, dass sie nicht auf alle aufpassen müssen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kindertageseinrichtungen haben einen verantwortungsvollen Arbeitsplatz mit vielen Herausforderungen: Mal braucht ein Kind Trost, mal muss eine Rauferei beendet werden, natürlich immer auf voller Lautstärke. Dann warten schon besorgte Eltern und der nächste Ausflug ist auch noch nicht organisiert.

Gesundheit ernst nehmen

In der alltäglichen Hektik vernachlässigen viele Leitungskräfte und Beschäftigte die eigene Gesundheit, arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren werden nicht erkannt oder nicht ernst genug genommen. Häufig unterlassen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter persönliche Schutzmaßnahmen auch aus Verlegenheit: Wer beim Wickeln von Kleinkindern Handschuhe anzieht, muss sich wahrscheinlich gegenüber den Kolleginnen und Kollegen erklären. Das ist umso schwieriger, je weniger die Beschäftigten über mögliche Gefährdungen und Schutzmaßnahmen wissen.

Es gibt jedoch eine ganze Reihe von Handlungsmöglichkeiten für die Einrichtungen, den Arbeitsplatz Kita sicher und gesund zu gestalten. Verantwortlich für den Arbeits- und Gesundheitsschutz der Beschäftigten ist immer der Arbeitgeber, also der Träger der Einrichtung. Er arbeitet eng mit dem Betriebsarzt und der Fachkraft für Arbeitssicherheit zusammen, ebenso wie mit der betrieblichen Interessenvertretung, sofern es eine gibt. Unerlässlich ist aber auch die Mithilfe der Beschäftigten, die häufig als erste auf mögliche Gefahrenquellen hinweisen oder diese sogar selbst beseitigen können – beispielsweise wenn herumliegendes Spielzeug zur Stolperfalle wird.

Wie sie am besten vorgehen, erfahren Kindertageseinrichtungen unter anderem bei der Berufsgenossenschaft für Gesund­heitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW). Bei ihr sind fast 27.000 Einrichtungen mit mehr als 410.000 Beschäftigten und rund 115.000 ehrenamtlich Tätigen sowie etwa 11.000 Ein-Euro-Jobbern gesetzlich unfallversichert. Sie können sich beraten lassen oder die vielfältigen Unterstützungsangebote der BGW in Anspruch nehmen (siehe Info am Ende des Artikels).

Unerlässlich: die Gefährdungsbeurteilung

Der Schlüssel zur sicheren Kita ist in jedem Fall die Gefährdungsbeurteilung, sagt Jörg Stojke, der die BGW-Akademie Dresden leitet und im Zwei-Jahres-Turnus das Dresdner Kita-Symposium mitgestaltet. »Viele Leitungen fragen sich, ob sich der Aufwand für eine Gefährdungsbeurteilung lohnt. Fällt dann aber jemand durch einen Arbeitsunfall oder eine arbeitsbedingte Erkrankung längere Zeit aus, steht die Kita schnell vor Problemen. Eine Gefährdungsbeurteilung beschreibt nicht nur Risiken und mögliche Schutzmaßnahmen. Sie hilft auch, die Mitarbeiter zu motivieren, Arbeitsabläufe zu optimieren und die Qualität zu steigern.«

Grafik: Sieben Schritte der GefährdungsbeurteilungDie Gefährdungsbeurteilung ist vom Arbeitsschutzgesetz und der Berufsgenossenschaftlichen Vorschrift BGV A1 verpflichtend für alle Arbeitgeber vorgeschrieben. Jörg Stojke legt den Verantwortlichen in den Kindertageseinrichtungen dabei ein systematisches Vorgehen in sieben Schritten (siehe Grafik) ans Herz. »Wer diesem Ablauf folgt, stellt sicher, dass Gefährdungen und Belastungen frühzeitig erkannt werden – davon profitieren die Beschäftigten genauso wie die Einrichtung. Eine gut dokumentierte und laufend fortgeschriebene Gefährdungsbeurteilung schafft außerdem Rechtssicherheit.«

Praxistipps zur Durchführung sowie ausführlichere Informationen finden Leitungen und Arbeitsschutzexperten in Kindertageseinrichtungen in den beiden Schriften »BGW kompakt – Heime und Tagesstätten« und »BGW check – Gefährdungsbeurteilung in Heimen und Tagesstätten« (siehe Infobox auf Seite 3). Sie beschreiben wichtige Themen für den Arbeits- und Gesundheitsschutz in der Kita – einige Punkte, die dazugehören, werden auf den nächsten Seiten kurz skizziert.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Belastungen und Maßnahmen ... mehr >>

Autor(en): BGW

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