BGW mitteilungen - Ausgabe 4/2009

Best Practice

Gesundheitsförderung »ganz groß«

Foto: Der zentrale ASA-Plus-Ausschuss unter der Leitung von Hans Klier (3. von rechts), Dr. Roswitha Schroeter (3. von links) und Sybille Ploch (2. von rechts). Der zentrale ASA-Plus-Ausschuss unter der Leitung von Hans Klier (3. von rechts), Dr. Roswitha Schroeter (3. von links) und Sybille Ploch (2. von rechts) bei der Arbeit.

Was heißt es, betriebliche Gesundheitsförderung in einem großen Verband zu betreiben? Ein Praxisbeispiel.

Rund 7.000 Beschäftigte in 400 verschiedenen Einrichtungen, darunter Altenheime, Sozialstationen, Behinderteneinrichtungen, Beratungsstellen und berufliche Schulen – kann man da überhaupt eine gezielte Gesundheitsförderung betreiben? Der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising e.V. (DiCV) hat sich im Auftrag von Vorstand Klaus Weißbach auf diesen Weg gemacht. Heute lässt sich sagen: mit Erfolg.

Zentraler Ausschuss ...

Zunächst einmal mussten die nötigen Strukturen im Verband verankert werden. In einem Arbeitskreis fanden sich interne und externe Experten zusammen, mit dabei auch die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (siehe BGW mitteilungen, Ausgabe 1/2006). Mittlerweile ist dieser Arbeitskreis mit dem zentralen Arbeitsschutzausschuss zum ASA-Plus verschmolzen. Dr. Roswitha Schroeter ist als zentrale Gesundheitsbeauftragte des DiCV Ansprechpartnerin für alle Einrichtungen des Verbands. Sie beschreibt die Aufgaben des Gremiums: »Im ASA-Plus werden alle Themen aus der Arbeitssicherheit, Betriebsmedizin und Gesundheitsförderung besprochen. Er dient dazu, neue Konzepte, Vorschriften, Maßnahmen vorzustellen, Input von allen Ebenen des Verbands zu bekommen und neue Wege zu erschließen. Hier wird die Sicherheits- und Gesundheitspolitik des Caritasverbands gemacht.«

... und dezentrale Beauftragte

Bald zeigte sich, dass die Umsetzung der Gesundheitsförderung vor Ort in den Einrichtungen erfolgen musste. Daher benannte der DiCV 80 dezentrale Gesundheitsbeauftragte und qualifizierte diese in Kooperation mit der BGW in dreitägigen Inhouse-Schulungen für ihre Aufgabe. Sie entwickeln jetzt die einzelnen Maßnahmen, die angesichts der unterschiedlichen Rahmenbedingungen in den Einrichtungen sehr verschieden ausfallen. So wurden beispielsweise Gesundheitstage durchgeführt und Hilfsmittel angeschafft, aber auch Angebote zu Rückenstärkung, Stressbewältigung oder Konfliktmanagement aufgebaut. Die AOK Bayern leistet mit ihrem Angebot zur betrieblichen Gesundheitsförderung flächendeckend Unterstützung durch Beratung, Befragungen, Arbeitsunfähigkeitsstatistik und Einzelmaßnahmen.

Der Gesundheitsbeauftragten des Caritas-Zentrums Mühldorf, Sybille Ehrmann, ist vor allem die Vernetzung mit den Einrichtungen der Region wichtig. Gemeinsam mit dem Caritas-Altenheim Mühldorf und dem Caritas-Altenheim Haag hat sie im Oktober 2008 einen Arbeitskreis Gesundheit gegründet. Erste Maßnahme: eine Befragung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese wünschten sich Angebote zu Entspannung, Bewegung und Ernährung. Weil Schnupperkurse gut ankamen, stehen nun jeweils acht Einheiten zu Entspannung und Nordic Walking auf dem Programm. Diese finanziert zu einem Teil die AOK, einen Teil übernimmt die Caritas im Rahmen des Betriebssports und einen geringen Beitrag zahlen die Mitarbeitenden selbst. Ziel ist es, bei guter Akzeptanz beide Angebote in Betriebssportgruppen münden zu lassen. Weitere Maßnahmen wie eine Rad-Sternfahrt hat der Arbeitskreis bereits beschlossen. Außerdem macht Sybille Ehrmann Gesundheit regelmäßig zum Thema in den Dienstbesprechungen.

Ausblick

Vorstand Klaus Weißbach sorgte zusammen mit Hans Klier, dem Zuständigen für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, dafür, dass die Gesundheitsförderung in einer Dienstvereinbarung geregelt wurde. Für ihre Tätigkeit sind die Gesundheitsbeauftragten des DiCV eine Stunde pro Woche freigestellt, für Projekte auch mehr. Einige Gesundheitsbeauftragte wünschen sich, dass ihre Vorgesetzten und auch die Mitarbeiter weiterhin so gut über die Möglichkeiten der Gesundheitsförderung informiert werden, dass sie motiviert mitarbeiten und die Bemühungen messbare Erfolge hervorbringen. Die gesetzlichen Kassen und die BGW fördern und unterstützen die geplanten Maßnahmen.

In Zukunft werden sich die Gesundheitsbeauftragten in jährlichen Treffen fachlich weiter informieren und Erfahrungen austauschen. Darüber hinaus werden »Best-Practice«-Beispiele aus den Einrichtungen im Intranet des Verbands veröffentlicht.

Die Erfahrungen in der Praxis haben deutlich gemacht, dass gerade die Un­terstützung durch die Führungskräfte für erfolgreiche betriebliche Gesundheitsförderung sehr wichtig ist. Seit Sommer 2009 werden daher in Kooperation mit der BGW alle Führungskräfte des DiCV geschult.

  • Die BGW unterstützt Einrichtungen beim Aufbau der betrieblichen Gesundheitsförderung und eines umfassenden Gesundheitsmanagements.

Autor(en): Ruth Reichenbach, Bernhard Scheibner, Karin Töpsch

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