BGW mitteilungen - Ausgabe 4/2009
Krankenhaus zum »Haus der Gesundheit« machen
Was können Krankenhäuser den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen entgegensetzen? Dass die Prävention eine zentrale Rolle für die Zukunft der Einrichtungen spielen wird, war Leitgedanke des bgwforums 2009, auf dem auch der BGW-Gesundheitspreis verliehen wurde.

Auf dem Kongress der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) befassten sich rund 850 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom 8. bis 10. September 2009 in Hamburg mit dem Gesundheitsschutz in Krankenhaus und Klinik.
Mit Präventionskultur Nachwuchs gewinnen
Das bgwforum 2009 ging in fast 140 Workshops und Vorträgen Chancen und Strategien des Gesundheitsschutzes und der Gesundheitsförderung für die Beschäftigten nach und stellte konkrete Handlungshilfen für den Krankenhausalltag vor. Von einer betrieblichen Präventionskultur profitiere dabei das ganze Unternehmen, erklärte BGW-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Stephan Brandenburg. Er forderte einen Perspektivenwechsel vom »Haus der Krankheit« zum »Haus der Gesundheit«, das Patientenschutz und Mitarbeitergesundheit gleichermaßen im Blick habe. Detlef Scheele, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, unterstützte diesen Ansatz. Sich um das eigene Personal zu bemühen, es zu schützen und zu halten, sei im Zuge der demografischen Veränderungen unverzichtbar.
Brandenburg hob besonders den Aspekt der Personalgewinnung hervor, der angesichts zunehmender Nachwuchsprobleme immer bedeutsamer werde. Es komme umso mehr darauf an, dass die Krankenhäuser mit einem gesunden Arbeitsumfeld und einer mitarbeiterorientierten Unternehmenskultur überzeugen könnten.
Zukunftschance Präventionsmedizin
Neben dem Potenzial, das gesunde, engagierte Mitarbeiter für die Leistungsfähigkeit der Unternehmen bieten, eröffnet die wachsende Bedeutung der Prävention im deutschen Gesundheitswesen Krankenhäusern aber noch weitere Chancen. Dies war das Fazit einer Podiumsdiskussion zur Präventionsmedizin auf dem bgwforum 2009.
Die Runde aus Politik und Verbänden forderte eine bessere Abstimmung der Prävention auf die jeweilige Lebenswelt des Einzelnen. Hier setze unter anderem die Idee eines »Gesundheitscoaches« an, der in seine umfassende Diagnostik, Beratung und Begleitung das Umfeld und die individuellen Verhaltensweisen des Menschen einbeziehe. Damit könnten auch eine neue Rolle der Mediziner und neue Aufgabenfelder der Krankenhäuser einhergehen.
BGW-Gesundheitspreis 2009
Die Entwicklung von Gesundheitskompetenz über das Krankenbett hinaus lohnt sich für Krankenhäuser und Kliniken: Das machen die drei Einrichtungen deutlich, die auf dem bgwforum mit dem BGW-Gesundheitspreis 2009 ausgezeichnet wurden. Sie zeigen mit wegweisenden Konzepten für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon heute, wie das »Haus der Gesundheit« aussehen kann.
Der erste Preis ging nach Hessen, an das Alice-Hospital Darmstadt. Das Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung setzt vor allem auf die Stärkung der Mitarbeiter: Ihre Kompetenzen werden gezielt entwickelt, damit sie krankmachende Faktoren selbst erkennen und nach Möglichkeit eigenständig im Team lösen können. Wöchentlich finden »Belastungslösungstreffen« in den Abteilungen, aber auch abteilungsübergreifend statt. Für neue Mitarbeiter stehen extra ausgebildete Mentoren bereit, hinzu kommen familienfreundliche Arbeitszeitmodelle und vielfältige Schulungs-, Sport- und Entspannungsangebote.
Zweiter Preisträger des BGW-Gesundheitspreises 2009 ist das Reha-Zentrum Lübben. Die Fachklinik für Orthopädie und Onkologie mitten im Biosphärenreservat Spreewald überzeugte die Jury unter anderem mit einer familienbewussten Personalpolitik: So finden Angebote der Gesundheitsförderung mehrmals statt, damit jeder die Möglichkeit zur Teilnahme hat, und die Beschäftigten können pflegebedürftige Angehörige während ihres Urlaubs in der Reha-Klinik unterbringen.
Auch der dritte Preisträger nutzt seine Gesundheitskompetenz, um mit innovativen Angeboten die Mitarbeiter an sich zu binden und gesund zu erhalten: Das Marien-Hospital Wesel am Niederrhein geht dabei noch einen Schritt weiter und hat mit dem »Gesundheitszentrum Wesel« und dem Dienstleistungsangebot »pro homine firmenfitness« zwei Angebote aufgebaut, die sich auch an die Bevölkerung beziehungsweise an Betriebe der Region wenden.
- Im Veranstaltungsrückblick können Sie sich im Tagungsband weiter über das bgwforum 2009 informieren. Hier finden Sie auch Bilder unter anderem von der Verleihung des Gesundheitspreises.
Autor(en): Anja Hirschberger


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