Gesundheit fördern mit System - Seite 3
Interview: Gesundheitsförderung muss Teil der Unternehmenskultur sein
Dr. Wolfgang Bödeker und Fritz Bindzius sind Experten der Initiative Gesundheit und Arbeit (IGA) von gesetzlicher Kranken- und Unfallversicherung. Im Interview erläutern sie, wie die betriebliche Gesundheitsförderung für ein Unternehmen zum Erfolg wird.

Betriebliche Gesundheitsförderung, Sport in der Arbeitszeit, frisches Obst auf dem Tisch, Raucherentwöhnung – das klingt erst mal nach Geschenken für die Mitarbeiter.
Bindzius: Die betriebliche Gesundheitsförderung darf man nicht nur auf Angebote wie Sport, gesundes Essen und Kurse zur Stressbewältigung reduzieren. Es handelt sich um ein planvolles Vorgehen, um die gesundheitliche Situation im Unternehmen zu analysieren, Verbesserungsvorschläge zu entwickeln, diese umzusetzen und zu bewerten. Das alles mit Beteiligung der Beschäftigten. Inzwischen belegen viele Studien, dass sich das lohnt.
Welche Programme halten Sie für besonders effektiv?
Bödecker: Das Wichtigste ist zunächst nicht die Frage, welche Angebote man macht. Am wichtigsten ist die Entscheidung, die Gesundheitsförderung langfristig anzulegen und zum Teil der Unternehmenskultur zu machen. Dazu muss sie in den betrieblichen Strukturen verankert werden – zum Beispiel indem der Arbeitgeber die Mitarbeiter über Befragungen oder Gesundheitszirkel daran beteiligt. So kann er herausfinden, in welchen Bereichen der Schuh drückt.
Besteht nicht die Gefahr, dass der Mitarbeiter die Gesundheitsförderung als Einmischung in seinen privaten Lebensstil wahrnimmt?
Bödeker: Druck oder Zwang wäre nicht die Kunst der Gesundheitsförderung. Ein Angebot muss immer ein Angebot bleiben. (...) Wer Gesundheitsförderung als Reparaturmechanismus für schlechte Arbeitsbedingungen versteht, der wird seine Mitarbeiter dafür nicht begeistern können. Das heißt: Nicht nur der Arbeitnehmer muss sich engagieren, auch der Arbeitgeber muss sich engagieren. Wenn der Stress so groß ist, dass nur der Griff zur Zigarette Entspannung bringt, dann kann man sich den Raucherentwöhnungskurs gleich sparen.
Bindzius: Wenn man an den Ursachen gesundheitsgefährdender Arbeitsbedingungen ansetzt, schafft man für die Anliegen einer betrieblichen Gesundheitsförderung eine gute Basis. Auch ein gesunder Führungsstil ist hier gefragt. Und wenn ein Vorgesetzter selbst einen gesunden Lebensstil überzeugend vorlebt, dann ist das für die Motivation der Beschäftigten ebenfalls hilfreich.
Manche Maßnahmen sind für einen Großbetrieb zwar leicht umzusetzen. Kleine und mittelständische Betriebe würden aber wahrscheinlich sagen, das überfordert uns.
Bödeker: Die wichtigsten Elemente der Gesundheitsförderung kann auch ein Kleinstbetrieb umsetzen, nämlich sich zu fragen: Wie sehen in meinem Betrieb die Arbeitsbedingungen aus? Was kann ich vielleicht an meinem Führungsverhalten verbessern? Bei den Angeboten selbst können überbetriebliche Lösungen einen Ausweg bieten: Sei es, indem man den Mitarbeitern etwas zum Beitrag fürs Fitnessstudio dazugibt oder aber sich an die Betriebssportgruppe eines größeren Unternehmens dranhängt.
(Quelle: DGUV, Interview gekürzt)
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Autor(en): Anja Hirschberger


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