BGW mitteilungen - Ausgabe 3/2009
Stets gut zu Fuß
Umknicken, ausrutschen, stolpern und stürzen: Viele Arbeitsunfälle sind auf ungeeignetes Schuhwerk zurückzuführen – insbesondere auch in Pflegeberufen. Wie sieht der sichere Arbeitsschuh in der Pflege aus?

Pflegekräfte kaufen ihre Arbeitsschuhe meist selbst. Vom Arbeitgeber werden Schuhe in der Regel nur dann zur Verfügung gestellt, wenn die Gefährdungsbeurteilung ergibt, dass mit Fußverletzungen durch äußere Einwirkungen zu rechnen ist.
Modetrends, vermeintliche Bequemlichkeit oder der Preis beeinflussen häufig die Schuhauswahl. In der Praxis finden sich dann nicht selten Arbeitsschuhe mit dünnen, rutschigen Sohlen, wenig dämpfendem Korkfußbett, vorn und hinten offen oder vielleicht mit einem Riemchen. Am Ende leidet die Gesundheit: über den nassen Boden geschlittert, auf der Treppe gestolpert, aus dem Schuh gerutscht, umgeknickt.
Doch Pflegekräfte müssen sich jederzeit auf ihre Standsicherheit verlassen können, vor allem auch wenn sie Patienten bewegen und lagern. Fehlt dabei der feste Halt, ist auch die Sicherheit des Patienten gefährdet.
An geeigneten Schuhen, die zudem bequem und modern sind, mangelt es auf dem Markt nicht. Zahlreiche Sport- und Freizeitschuhe erfüllen die Anforderungen an einen sicheren Pflegeschuh, genauso wie klassische Arbeitsschuhe, die über den Fachhandel zu beziehen sind. Aber Achtung: Auch Schuhe, die von Händlern oder Herstellern sogar als »Pflegeschuhe« oder »Profischuhe« angeboten werden, sollten stets anhand der Checkliste kritisch geprüft werden. Sie zeigt auf einen Blick, worauf Pflegekräfte achten müssen.
Checkliste: Der sichere Pflegeschuh ...
... ist vorn geschlossen.
So werden die Füße vor Verletzungen durch Anstoßen oder herabfallende Gegenstände sowie vor Flüssigkeiten geschützt.
... ist hinten mit einer geschlossenen, festen Fersenkappe versehen.
Sie garantiert eine hohe Standsicherheit. Gewichtsverlagerung und Drehbewegungen sind dennoch möglich. Die Kappe bietet eine feste Fersenführung, gibt seitlichen Halt und verhindert so das Umknicken. Ferse, Sehnen, Bänder und Gelenke werden geschützt. Eine Polsterung an der Kappe vermeidet Verletzungen, zum Beispiel an der Achillessehne.
... hat eine gut profilierte Auftrittsohle.
Das Material muss auch auf glatten und nassen Böden rutschhemmend wirken. Die Auftrittfläche sollte möglichst groß sein.
... lässt sich in der Spannweite regulieren.
Der Schuh kann durch Schnüren oder einen Klettverschluss in der Weite an den Fuß anpasst werden. Insgesamt muss der Schuh genau passen und fest am Fuß sitzen, um ein »Schwimmen« des Fußes im Schuh zu vermeiden.
... hat eine dämpfende Sohle.
Sie reduziert zusätzlich die Wirkung von Stößen und entlastet so Gelenke und Wirbelsäule.
... hat ein anatomisch geformtes Fußbett.
Es stützt den Fuß, entlastet das Fußgewölbe und dämpft Stöße ab.
... hat einen flachen Absatz.
Ist der Absatz nicht höher als zwei Zentimeter, wirkt sich das positiv auf die Körperhaltung aus.
... besteht aus wasserabweisendem, strapazierfähigem und pflegeleichtem Material.
Atmungsaktives Material wie Leder oder Goretex nimmt die Feuchtigkeit des Fußes auf und transportiert sie nach außen weiter. Socken aus funktionellem Gewebe (Mikrofaser, Wolle) unterstützen die Wirkung.
Was macht einen Schuh zur Gefahrenquelle?
Die einzelnen Kriterien der Checkliste basieren auf den folgenden Erkenntnissen:
- Ein offener Zehenbereich erhöht die Verletzungsgefahr – besonders dann, wenn man Betten oder Rollstühle schieben muss. Außerdem sind solche Schuhe hygienisch bedenklich, falls im Pflegealltag mal etwas »danebengeht«.
- Schuhe mit glatten oder nur wenig rutschhemmenden Sohlen können ihre Träger ins Rutschen oder gar zum Stürzen bringen – vor allem wenn der Boden feucht oder verschmutzt ist.
- Hat der Schuh keine Dämpfung, werden kleine Stöße, die beim Gehen und Laufen unweigerlich entstehen, direkt auf die Gelenke und Bandscheiben übertragen – eine unnötige Dauerbelastung. Das gilt auch für die beliebten Schuhe mit Korkfußbett: Sie büßen den größten Teil ihrer ohnehin nur geringen Dämpfwirkung schon nach wenigen Wochen Tragezeit ein.
- Ist der Absatz zu hoch, wird die Körperstatik negativ beeinflusst. Das Gewicht verlagert sich auf den vorderen Fußteil. Das ist weder bequem noch gesund, denn durch eine veränderte Beckenstellung wird schließlich die Wirbelsäule belastet. Schuhe mit der sogenannten Barfußtechnik sind als Arbeitsschuhe ebenfalls eher ungeeignet: Durch die geringe Auftrittfläche ist keine ausreichende Standsicherheit gegeben.
- Ist der Schuh im Fersenbereich offen, fehlt der seitliche Halt. Die Pflegekraft kann schnell im Schuh umknicken oder gar aus dem Schuh rutschen – Stolpergefahr! Auch Fersenriemen sind hier keine Lösung. Sie liegen nur locker an, sind meist nicht auf die individuelle Größe eingestellt und werden oft einfach weggeklappt.
Häufiger wechseln
Auch der beste Schuh unterliegt im Arbeitsalltag einem gewissen Verschleiß. Alle sechs Monate sollte man sich und seinen Füßen deshalb ein paar neue Arbeitsschuhe gönnen. Noch besser ist es, zwei Paar Schuhe im Wechsel zu tragen: Eine Sohle mit Dämpfung braucht nämlich fast einen ganzen Tag, bis sie wieder zu ihrer alten Elastizität zurückfindet. Nimmt man die Einlegesohle heraus, kann der Schuh besonders gut ablüften.
Arbeitsschuhe müssen aber nicht nur die Kriterien für einen sicheren Pflegeschuh erfüllen, sie sollen natürlich auch bequem sein. Und deshalb muss letztendlich jeder selbst herausfinden, welcher Schuh am besten zu seinen Füßen passt.
- Die Checkliste und weitere Erläuterungen stehen in unserer Rubrik "Aufbruch Pflege" auch zum Download zur Verfügung: Gut zu Fuß im Pflegeberuf.
Autor(en): Anja Hirschberger, Beratung: BGW-Fachgruppe Rücken


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