BGW mitteilungen - Ausgabe 3/2008

Beratung

Ein Betrieb ist so gesund wie seine Mitarbeiter

Foto: Seminarteilnehmer mit Dozentin Externe Beratung macht Projekte oft erst erfolgreich.

Die BGW-Organisationsberatung zeigt Wege zum gesunden Unternehmen auf. Erfahrene Berater begleiten Projekte zur Gesundheitsförderung.

»Gesundheit ist doch ein wichtiges Thema, auch am Arbeitsplatz. Bisher haben wir uns wenig damit befasst, aber wir könnten ja mal einen Gesundheitstag anbieten.«

»Unser Krankenstand scheint recht hoch zu sein. Wie können wir gegensteuern?«

»Bei uns treten immer so viele Rückenbeschwerden auf. Jetzt soll es deshalb Schulungen geben.«

So manchem kommen diese fiktiven Gesprächsfetzen vermutlich bekannt vor. Oft liegt im Unternehmen ein diffuses Wissen über Defizite bei der betrieblichen Gesundheitsförderung vor. Aber keiner weiß so recht, wie man konkret handeln soll.

Nötig ist ein umfassendes Konzept

Unternehmensleitungen treibt die Frage um, wie sie auf Kostendruck und steigende Anforderungen reagieren können. Dass gerade im Dienstleistungsbereich Gesundheitswesen engagierte und gesunde Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schlüssel zu zufriedenen Kunden und wirtschaftlichem Erfolg sind, ist bekannt. Also muss ein betriebliches Gesundheitsmanagement her. Doch damit betreten viele Betriebe Neuland.

Wer eine gesundheitsfördernde Unternehmenskultur aufbauen möchte, muss bereit sein, Strukturen und Prozesse im Unternehmen einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Ein Gesundheitstag oder ein Seminar zur Stressbewältigung kann zwar ein Baustein für die Gesundheitsförderung sein, bewegt aber für sich allein nicht viel. Einzelaktivitäten bleiben ohne nachhaltige Wirkung, wenn nicht systematisch der Bedarf erfasst wird, Ziele formuliert werden und deren Umsetzung kontrolliert wird.

Der Erfolg eines betrieblichen Gesundheitsmanagements hängt dabei wesentlich vom Engagement der Führungskräfte ab. Natürlich ist jeder Mitarbeiter in erster Linie selbst für eine gesunde Lebensführung verantwortlich. Hat die Gesundheitsförderung aber einen hohen Stellenwert im Unternehmen, entsteht ein zusätzlicher Anreiz, ganz bewusst am Arbeitsplatz auf die Gesundheit zu achten. Das funktioniert jedoch nur, wenn Unternehmensleitung und Führungskräfte uneingeschränkt hinter dem Vorhaben stehen.

Unterstützung durch die BGW-Organisationsberatung

Mit Unterstützung von außerhalb des Unternehmens fällt es oft leichter, Veränderungsprozesse anzustoßen. Externe Berater sind neutral und sind nur dem Projektauftrag verpflichtet. Von daher sind sie gut in der Lage, die unterschiedlichen Interessen zu moderieren, die sich zwangsläufig bei solchen Projekten bemerkbar machen. Die Berater begleiten das jeweilige Vorhaben durch alle Höhen und Tiefen und bringen dabei ihre Erfahrungen aus vergleichbaren Projekten ein. Sie wissen, wie man Stolpersteine und Klippen umschifft und was die Gesunderhaltung der Mitarbeiter behindert.

Mit der BGW-Organisationsberatung stellt die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) den Unternehmen jetzt ein umfassendes, qualitätsgesichertes Beratungsangebot zur Verfügung.

Dr. Heike Schambortski ist Leiterin des BGW-Bereichs Gesundheitsmanagement, in dem das neue Angebot aufgebaut wurde. Sie erklärt, warum die externen Berater für viele Unternehmen eine so wichtige Rolle spielen: »Der Blick von außen bringt oft erst den entscheidenden Impuls für eine überraschende und besonders effektive Lösung. Manchmal ist man im Unternehmensalltag eben schon etwas "betriebsblind". Außerdem ist durch den externen Sachverstand die Akzeptanz der Maßnahmen im Unternehmen höher. Das hat uns gerade wieder ein Geschäftsführer bestätigt, der mit seiner Einrichtung an unserer Leitbild-Beratung teilgenommen hat.«

Besonders hilfreich sei auch die neutrale Rolle der Berater, so die BGW-Expertin weiter: »Wir erleben häufig, dass schwierige und konfliktreiche Projektsitzungen die Beteiligten zu entmutigen drohen. Mit der Hilfe der Berater gelingt es leichter, Kompromisse auszuhandeln und alle wieder ins Boot zu holen.«

Zu den Aufgaben der BGW-Beraterinnen und -Berater gehört deshalb neben dem Projektmanagement und der Unterstützung bei der betriebsinternen Kommunikation insbesondere auch die Konfliktmoderation.

Die BGW-Organisationsberatung

Bei der BGW-Organisationsberatung kann es beispielsweise um folgende Themen gehen:

  • Entwicklung und Umsetzung eines Unternehmensleitbilds, das Grundsätze zur Gesundheitsförderung enthält
  • Aufbau eines betrieblichen Gesundheitsmanagements
  • Prävention von Rückenbeschwerden in der stationären Kranken- oder Altenpflege
  • Entzerrung von Arbeitsspitzen in der Altenpflege durch Veränderung der Arbeitsorganisation und der Dienstplanung (BGW al.i.d.a)
  • Mitarbeiterbefragung mit dem BGW-Betriebsbarometer
  • Arbeitssituationsanalysen in Form moderierter Kleingruppenbefragungen zu Belastungen, Ressourcen und Lösungsideen

Regionale Berater und günstige Konditionen

Die Berufsgenossenschaften haben seit 1996 den Auftrag, einen Beitrag zur Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren zu leisten. Gerade bei den »modernen« Gesundheitsgefährdungen am Arbeitsplatz, deren Hauptverursacher Stress und Arbeitsverdichtung sind, findet der rein technische Arbeitsschutz seine Grenzen. Hier sind neue, sozialwissenschaftlich fundierte Konzepte der Organisationsberatung gefragt.

Die BGW hat deshalb schon seit einigen Jahren Beratungsangebote rund um das Thema betriebliches Gesundheitsmanagement im Programm.

Dr. Heike Schambortski erläutert, worauf es bei der Neustrukturierung der BGW-Organisationsberatung ankam: »Mit dem bisherigen Angebot konnten wir den speziellen Wünschen unserer Kunden kaum entsprechen. Die Betriebe erhoffen sich immer stärker eine umfassende Beratung, die eine ganze Reihe von Maßnahmen zur Folge haben kann. Wichtig war uns außerdem der Ausbau der regionalen Beratungskapazitäten. Dank unserer Rahmenverträge sind die Konditionen für die bei der BGW versicherten Unternehmen außerdem besonders günstig.«

Foto: Dr. Heike Schambortski

»Der Blick von außen bringt oft erst den entscheidenden Impuls.«

BGW-Expertin Dr. Heike Schambortski hört immer wieder von Unternehmen, dass es die richtige Entscheidung war, sich für Projekte externe Unterstützung zu holen.

Beratung mit System

Alle Beratungsprojekte folgen erprobten Abläufen:

  1. Im ersten Schritt erarbeiten Berater und Einrichtung gemeinsam die Ziele und Erwartungen an das Projekt, erstellen eine Grobplanung und schließen den Beratungsvertrag.
  2. Keine Maßnahme ohne Diagnose: Damit alle Aktivitäten zielgerichtet und überprüfbar sind, wird zunächst die Ausgangssituation im Betrieb analysiert. Dazu können zum Beispiel Mitarbeiterbefragungen, Arbeitssituationsanalysen, Gesundheitsberichte oder Krankenstandsdaten herangezogen werden.
  3. Die Daten werden bewertet und Verbesserungsmaßnahmen entwickelt. Dann beginnt die Umsetzungsphase des Projekts.
  4. Zum Schluss wird ausgewertet: Wurden die gesetzten Ziele erreicht? Wo muss nachgebessert werden? Wie geht es weiter?

Ein erstes Gespräch mit dem Berater zur Klärung des konkreten Beratungsbedarfs und offener Fragen zum Angebot der BGW ist natürlich kostenlos. Um einen Eindruck von den Abläufen zu bekommen, können sich interessierte Unternehmen zudem an Referenzbetriebe wenden, die bereits die BGW-Beratungsangebote genutzt haben.

Weitere Informationen können Sie per E-Mail anfordern: gesundheitsmanagement@bgw-online.de.

Organisationsberatung in der Praxis

Das BGW-Beratungsangebot zur Prävention von Rückenbeschwerden in der stationären Kranken- oder Altenpflege

Rückenbeschwerden sind eine der häufigsten gesundheitlichen Belastungen in der Pflege. Doch die Ursachen sind komplex und es gibt kein einheitliches Krankheitsbild. Nur mit einem ganzheitlichen Konzept kann langfristig eine Verbesserung erreicht werden. Das Angebot der BGW setzt deshalb an den Arbeitsbedingungen und der Arbeitsorganisation an. Zunächst führen die Beraterinnen und Berater in ausgewählten Stationen beziehungsweise Wohnbereichen eine Situationsanalyse durch. Interviews und Arbeitsplatzbegehungen zeichnen ein Bild der Ursachen für die Belastungen. Daraus entsteht ein individueller Maßnahmenkatalog. Das Projekt wird von einer Steuerungsgruppe geplant und begleitet. Am Ende steht ein Abschlussworkshop, der insbesondere der Erfolgskontrolle dient.

Eine wichtige Hilfe sind die Leitfäden zum Projekt, die unter anderem rückengerechte Arbeitsweisen beim Stehen und Sitzen oder Heben und Tragen beschreiben, aber auch ausführlich auf organisatorische Aspekte eingehen.

Drei Führungskräfte, die mit ihren Einrichtungen bereits an der Rückenberatung teilgenommen haben, berichten von ihren Erfahrungen.

Foto: Siegmund Neu, Leiter der Pflege- und Funktionsdienste St. Vinzenz-Hospital gem. GmbH, Rheda WiedenbrückSiegmund Neu, Leiter Pflege- und Funktionsdienste St. Vinzenz-Hospital gem. GmbH, Rheda-Wiedenbrück:

»Maßnahmen zum betrieblichen Gesundheitsmanagement sind sehr wichtig, um qualifizierte Mitarbeiter lange im Beruf zu halten, vor allem unter dem Gesichtspunkt der demografischen Entwicklung, die in Zukunft ein höheres Durchschnittsalter der Mitarbeiter erwarten lässt.

Das Beratungsangebot leistet auch einen wichtigen Beitrag zum Qualitätsmanagement, weil man es in den kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) einbeziehen kann.«

Foto: Ria Schulze Bockhorst, Personalleiterin St. Franziskus Hospital, Ahlen/WestfalenRia Schulze Bockhorst, Personalleiterin St. Franziskus Hospital, Ahlen/Westfalen:

»Die Beratung fördert die Sensibilität des gesamten Hauses für Gesundheitsthemen und es fällt der Geschäftsleitung mit der BGW als neutraler und kompetenter Instanz im Rücken leichter, Präventionsprojekte zu etablieren.

Das Beratungsangebot zur Prävention von Rückenbeschwerden hat bewirkt, dass wir mit geschultem Blick und einfachen Mitteln Defizite aufzeigen und bewusst machen konnten. Es hat regelrecht einen kleinen positiven Wettbewerb unter den Stationen ausgelöst.«

Foto: Beate Knapp, Pflegedienstleitung St. Elisabeth-Hospital, BochumBeate Knapp, Pflegedienstleitung St. Elisabeth-Hospital, Bochum:

»Ich empfehle das BGW-Beratungsangebot weiter, weil es Veränderungen im Betrieb anstößt und sich der Gesundheitsschutz verbessert. Im gesamten Klinikum und auf allen Ebenen eröffnet sich dadurch ein ganz neuer Blickwinkel auf das Thema Gesundheitsmanagement.
Auf den Stationen, wo das Projekt durchgeführt wurde, sind die Mitarbeiter jetzt sensibilisiert und hinterfragen die Dinge kritischer. Sie wollen Veränderungen sehen, auch wenn sie in kleinen Schritten erfolgen.«

Autor(en): Anja Hirschberger

 Leserbrief verfassen